Stadtwerke wollen alte Friedhofsmauern erhalten

Sandstein wieder sichtbar

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Die lauten Arbeiten auf dem Friedhof Weiskirchen sollen voraussichtlich heute zu Ende gehen.

Weiskirchen - Von wegen Friedhofsruhe: Presslufthämmer rattern seit Tagen auf dem Friedhof Weiskirchen. Arbeiter stemmen den Verputz von zwei Mauern ab. Passanten fragen sich: Was soll das? Erst im vergangenen Jahr war die Oberfläche neu gestrichen worden. Von Ekkehard Wolf 

So paradox es klingt: Die scheinbare Zerstörung dient dem Erhalt der Sandsteinmauern, wie Christina Breuninger von der Friedhofsabteilung der Stadtwerke Rodgau erklärt. Unter dem Verputz sei das Mauerwerk feucht geworden. Nun, nach der Freilegung, könne der Sandstein wieder trocknen. Die Arbeiten betreffen zwei Mauern im alten, nördlichen Teil des Friedhofs. Diese Mauern waren jeweils auf einer Länge von etwa 25 Metern verputzt. In der Mitte der Mauer hörte der Verputz plötzlich auf.

Wie es dazu kam, wissen die Stadtwerke nur vom Hörensagen. Die Sandsteinmauern wurden demnach bereits vor etlichen Jahrzehnten verputzt. „Das muss noch zur Zeit der Gemeinde Weiskirchen gewesen sein“, vermutet Christina Breuninger. Die Machart legt den Schluss nahe, dass seinerzeit Einwohner Weiskirchens selbst Hand anlegten. Über die Gründe kann man heute nur noch spekulieren. Vielleicht störten sich Hinterbliebene am Anblick der unregelmäßigen Mauer und wollten, dass es ordentlicher aussieht? Tatsache ist, dass dieser Teil des Friedhofs bereits zum dritten Mal belegt ist. „Seinerzeit standen die Grabsteine mit dem Rücken zur Mauer“, weiß Breuninger.

In den letzten Jahren boten die halb verputzten Wände einen unschönen Anblick. Die Friedhofsabteilung hörte immer wieder Klagen aus der Bevölkerung: „Könnt ihr das nicht wegmachen? Die Mauer geht ja kaputt.“ Im Frühjahr 2013 ließen die Stadtwerke den grau gewordenen Verputz neu streichen. Sie wählten dafür einen Terrakotta-Ton, der farblich zur übrigen Mauer passte.

Doch die Hoffnung, mit dieser Verschönerungsaktion den Verfall zu stoppen, erfüllte sich nicht. Bald zeigten sich neue Risse. Außerdem löste sich der Verputz. Vor allem an der Mauerkrone und am Sockel traten Schäden auf.

Um die alten Sandsteinmauern zu erhalten, sahen sich die Stadtwerke zu einer gründlicheren Sanierung gezwungen. Die Diagnose: Im Lauf der Jahrzehnte drang Feuchtigkeit von unten in das Mauerwerk ein und drohte es zu zerstören. Ein Steinmetzbetrieb aus Jügesheim ist seit Dienstag dabei, den Verputz zu entfernen. Heute wollen die Arbeiter fertig sein.

„Durch das Freilegen der Mauer wird nunmehr ermöglicht, dass die Sandsteine wieder austrocknen können“, teilen die Stadtwerke mit. Die 5000-Euro-Arbeit mit dem Presslufthammer erfolgte offenbar noch zur rechten Zeit. Nach Ansicht der Fachleute ist der Zustand der Mauer so gut, dass sie noch viele Jahrzehnte hält. Arbeiter des Bauhofs sollen in der nächsten Zeit die Oberfläche mit einem Hochdruckreiniger säubern. Falls sich dabei kleine Schäden zeigen, können sie gleich behoben werden.

eh

Quelle: op-online.de

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