Friedhof wird zur Baustelle

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Rustikal geht's zur Sache auf dem Friedhof in Nieder-Roden

Nieder-Roden - Der Alte Friedhof ist derzeit wahrlich keine Ruhestätte. Vielmehr gleicht dieser Ort derzeit einer lärmenden Baustelle. Von Bernhard Pelka

Ein Bagger und ein kleiner Muldenkipper arbeiten sich auf ratternden Ketten durch die seit Jahrzehnten abgelaufenen Grabreihen. Der Gottesacker wird geräumt. Er soll zum Park mit Wiese, Staudenbeet und Bänken umgestaltet werden. Am Samstag möchten die Mitarbeiter der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO fertig sein.

Alfonso Gentile kippt Grabsteine und Grabeinfassungen auf einen Haufen.

Die ESO hatte für die Aktion den Zuschlag bekommen. Die Kosten von 10.000 Euro trägt die Stadt. Jetzt schaffen Alfonso Gentile und Kenan Bolad von der ESO-Abteilung Gartenbau, was Maschinen und Muskeln hergeben: Grabsteine kippen, Grabeinfassungen bersten, Büsche und Sträucher werden herausgerissen. Das alles sieht sehr rabiat aus, geschieht jedoch mit der größtmöglichen Vorsicht. „Die Leute passen auf, dass sie so wenig wie möglich kaputt machen“, sagt Christina Breuninger von den Stadtwerken. Sie überwacht die Arbeiten und greift dabei zu unkonventionellen, aber praktischen Mitteln. Zum Beispiel hat sie eines der drei Gräber, die trotz der Räumung noch bestehen bleiben, mit einem Hinweiszettel versehen: „Grabstätte stehen lassen“, steht darauf.

220 Gräber gab es auf dem Friedhof einst. 47 bleiben übrig. Bei zweien davon bestehen noch Ruhefristen bis zum Jahr 2016 und bei einem bis 2018.

Der Hinweis soll Schlimmeres verhindern.

18 ausgewählte historische Grabsteine hat Steinmetz Zentgraf aus der Gemeinde Laufach im Landkreis Aschaffenburg inzwischen abgeholt, um sie aufzuarbeiten. Diese Steine kehren - in Abstimmung zwischen Stadt Rodgau und dem Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden - zurück auf den Alten Friedhof. An der Nord- und der Ostmauer sollen sie künftig gemeinsam mit den anderen stehen. So bleibt die Erinnerung zum Beispiel an die drei 1949 im Ort verstorbenen Lehrer Feier, Tallner und Roth erhalten. Auch die Pfarrergräber (Effler, Schropp) und die Ruhestätte der Nieder-Roder Nonnen bleiben erhalten.

Quelle: op-online.de

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