Wahlgrab wieder erschwinglich

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Ein Ort der Ruhe zwischen zwei belebten Straßen: Der „grünpolitische Wert“ des alten Friedhofs Jügesheim ist mit 30 Prozent überdurchschnittlich hoch. Neben alten Gräbern weist er auch weite Grünflächen auf.

Rodgau - Die Friedhöfe in Rodgau öffnen sich für neue Bestattungsformen. In allen Stadtteilen werden im nächsten Jahr Flächen für so genannte Rasengräber angelegt, bei denen Hinterbliebene nicht mit der Grabpflege belastet werden. Auch anonyme Bestattungen sind dort möglich. Von Ekkehard Wolff

Am Waldfriedhof Jügesheim wird zudem ein erstes Grabfeld für muslimische Bestattungen angelegt. Einstimmig und ohne Diskussionen fassten die Stadtverordneten in ihrer Dezembersitzung eine Reihe an Beschlüssen zum Thema. Das komplette Friedhofs- und Bestattungswesen ist ab Januar eine Aufgabe der Stadtwerke. Davon erhofft sich die Stadt eine effizientere Arbeit.

Dennoch steigen die Gebühren. Das hat zwei Gründe. Zum Einen waren die seit 2007 geltenden Gebührensätze nur geschätzt, jetzt orientieren sie sich am tatsächlichen Aufwand. Zum Anderen sollen die Gebühren künftig die vollen Kosten decken. Das hessische Kommunalabgabengesetz will es so. Da die Stadt rote Zahlen schreibt, hat sie keinen Spielraum für finanzielle Wohltaten.

Beisetzung wird teurer

So wird die Beisetzung zwischen fünf Prozent (Kindergrab) und 165 Prozent (Tiefengrab) teurer. Im Reihengrab kostet sie künftig mehr als doppelt so viel wie bisher (1.393 statt 663 Euro, ein Anstieg um 110 Prozent). Für die Nutzung der Trauerhalle muss man künftig 514 Euro hinblättern, gut 40 Prozent mehr als bisher. Eine krasse Fehlkalkulation zeigt sich bei den Kühlzellen, in denen die Toten vor der Bestattung aufgebahrt werden. Die alten Kühlaggregate fressen derart viel Strom, dass ein Tag künftig mit 143 Euro zu Buche schlägt, über sechs Mal so viel wie bisher. ´

Wahlgrab erschwinglicher

Nicht alles wird teurer. Da die Friedhofsflächen kaufmännisch anders bewertet werden, kostet die Überlassung eines Grabes für die Erdbestattung künftig 35 bis 43 Prozent weniger als bisher. Das so genannte Wahlgrab, das seit 2007 fast ein Luxus war, wird dadurch wieder erschwinglich. Wenn man die Gebühren für Beisetzung und Nutzung addiert, ist es auf 20 Jahre gerechnet nur 89 Euro teurer als ein Reihengrab.

Dafür ist auf Wunsch eine Verlängerung der Ruhezeit möglich, die bei Reihengräbern ausgeschlossen ist. Urnenwände gehen richtig ins Geld. Noch vor Jahren wurden diese pflegeleichtesten aller Gräber als Königsweg aus der Platznot angepriesen. In einer Zeit, in der auch die letzte Ruhestätte in Euro und Cent bewertet wird, verschiebt sich die Blickrichtung. Nun schlagen die immensen Baukosten zu Buche. Ein Platz in der Urnenwand kostet künftig 1 707 statt 700 Euro, fast zweieinhalb mal so viel wie bisher.

Quelle: op-online.de

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