So friedlich wie im TV-Duell

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Anette Schweikart-Paul (CDU).

Rodgau - (eh) Neue Treffpunkte für Jugendliche und mehr Mitsprache bei Entscheidungen standen am Montag im Mittelpunkt einer Fragerunde im Kinder- und Jugendbeirat zur Bürgermeisterwahl.

Der einzige gemeinsame Auftritt der drei Kandidaten im Wahlkampf hatte ebenso wenig Biss wie das Fernsehduell Merkel/Steinmeier. Zwischen verbindlich klingenden Formulierungen blitzten nur selten inhaltliche Differenzen hervor.

Alois Schwab (parteilos).

Glaubt man den Aussagen der Drei, wird nach der Bürgermeisterwahl eine neue Ära der Zusammenarbeit zwischen Jugendbeirat und Magistrat anbrechen. „Einen ständigen Dialog“ wünschte sich Anette Schweikart-Paul (CDU): Das persönliche Gespräch sei besser, als nur schriftlich miteinander zu verkehren. „Es gibt keinen Bereich, von dem Kinder und Jugendliche nicht betroffen sind“, betonte Bürgermeister Alois Schwab; der Beirat möge doch bitte sagen, an welchen Themen er besonders interessiert sei. „Vorlagen sollten automatisch in den Kinder- und Jugendbeirat gehen, aber so, dass sie verständlich sind“, forderte Jürgen Hoffmann (SPD). Wegen der unterschiedlichen Interessen von Kindern und Jugendlichen sei es sinnvoll, getrennte Gremien für beide Altersgruppen zu gründen und die Altersgrenze des Jugendbeirats hinaufzusetzen. Bisher ist nach dem 18. Geburtstag Schluss.

Bürgermeister Schwab stellte dem Kinder- und Jugendbeirat sogar eigene Geldmittel in Aussicht. Die Politik könne den Jugendlichen Vertrauen entgegenbringen, indem sie ihnen Verantwortung für Steuergelder übertrage: „Man muss ja nicht gleich über große Beträge reden.“ Stadtrat Hoffmann vertrat eine andere Linie: Die Erwachsenen sollten Projekte der Jugendlichen nur da unterstützen, wo der Nachwuchs nicht allein weiterkomme. Der Magistrat sei dazu jederzeit bereit.

Auf die Frage nach kostenloser Hausaufgabenhilfe (nicht jeder kann sich teure Nachhilfe leisten) konnte kein Kandidat ein fertiges Zukunftskonzept präsentieren, das über Schulfördervereine und den Türkischen Elternverein hinausgeht.

Orte, wo sich Jugendliche ungestört treffen können

Jürgen Hoffmann (SPD).

Besser vorbereitet zeigten sich die drei Wahlkämpfer bei der Frage nach Orten, an denen sich Jugendliche ungestört treffen können. „Im Jugendhaus kann ich mir das ganz bestimmt vorstellen“, bekräftigte Anette Schweikart-Paul, deren CDU-Fraktion das Jugendhaus Dudenhofen noch vor fünf Jahren schließen wollte. Allerdings müsse ein neues Konzept her, um die Arbeit den veränderten Bedürfnissen anzupassen. Auch Alois Schwab, der damals noch der CDU angehörte, distanziert sich im Nachhinein vom Antrag der Union: „Ich meine, dass das Jugendhaus immer eine Berechtigung hatte.“ Die Stadt müsse auch jenen Jugendlichen etwas bieten, die in den Vereinen keine Heimat sähen: „Wenn es darum geht, zu feiern, muss das auch in anderen städtischen Räumen möglich sein.“ Jürgen Hoffmann warnte davor, sich auf bestimmte Gebäude festzulegen. Es gehe darum, „Orte für Menschen“ zu finden, die sich auch von Zeit zu Zeit ändern könnten. Die Bevölkerung müsse Jugendliche mehr als bisher akzeptieren.

Das ist im Alltag gar nicht so einfach, wie ein Mädchen schilderte. Dabei gehe es nicht nur um die Empfindlichkeiten von Anwohnern oder Passanten, sondern auch um die Konkurrenz gegensätzlicher Musikstile wie Metal und Hip-Hop: „Wo kann man sich treffen, dass man niemanden stört und keinen Stress bekommt?“ Nur an zwei, drei Stellen in Rodgau könne man einigermaßen sicher sein, dass keiner die Polizei ruft: „Die schicken uns auch nur weg, bloß sie sagen nicht wohin.“

Diese Not der jungen Leute rührte auch die Bürgermeisterkandidaten an. Anette Schweikart-Paul brachte die Waldfreizeitanlage Weiskirchen oder die ehemalige Blockhütte östlich der B 45 bei Jügesheim als Treffpunkte ins Gespräch. „Ich habe etwas dagegen, dass man versucht, solche Probleme zu lösen, indem man Bänke entfernt“, sagte Jürgen Hoffmann. Er spielte damit auf eine Entscheidung von Bürgermeister Alois Schwab an, der im August 2005 fünf der sechs stabilen Sitzbänke vor dem Rathaus abbauen ließ, nachdem sich einige Jügesheimer beschwert hatten. Zwei Bänke wurden wenige Tage später im Innenhof des Rathauses wieder aufgebaut.

Quelle: op-online.de

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