Not, Tatkraft und Mut

Dudenhöfer Großfamilie kommt regelmäßig zusammen

+
Zum 34. Mal findet am Samstag in Dudenhofen ein Fritzen-Treffen statt. Karl-Heinz Frey, der die Zusammenkunft gemeinsam mit Petra Haller organisiert, darf zum ersten Mal die Schelle seines Urgroßvaters schwingen.

Dudenhofen - Wenn die Fritzen beisammen sind, geht es oft um alte Zeiten. Petra Haller und Karl-Heinz Frey rechnen heute aber auch mit Neuigkeiten. „Irgendwer gräbt immer etwas aus“, sagt Haller. So war das bisher jedes Mal, wenn sich die „Ahnen“ und die „Annern“ versammelten.

Wie viele Mitglieder der Dudenhöfer Großfamilie sich zum Jahrestreffen in der TSV-Gaststätte einfinden, wissen die Organisatoren erst, wenn Karl-Heinz Frey die Schelle seines Urgroßvaters schwingt. Johannes Klein VII. war Gemeindediener in Dudenhofen, bis er anno 1916 starb. Die Handglocke, mit der er seine Ansagen an die damals rund 1 500 Dudenhöfer „auszuschellen“ pflegte, ist Familienerbstück. Bei den Treffen, die seit 1983 stattfinden und seit 2002 bei allen Angehörigen als fester Termin am Samstag nach Fastnacht im Kalender stehen, erklingt sie stets, wenn eine Geschichte erzählt oder gesungen werden soll. Dieses Jahr läutet Karl-Heinz Frey, jüngster männlicher Vertreter der „Kinder“.

Als solcher ist er ein Fritze der zweiten Generation. Davon hat es laut Haller und Frey 32 gegeben. Die ersten Fritzen waren die zehn Kinder von Maria Magdalena und Friedrich August Klein. Friedrich, genannt Fritz, war Weißbinder und der Sohn von Johannes, dem Schellenmann. Außerdem passionierter Musiker und als solcher auch im Rheingau unterwegs, wo er seine Magdalena – genannt Leni oder Lenchen – traf. Weil sie, eine geborene Zimmer, aus Offenthal stammt, hätten sich die beiden auch in Dudenhofen begegnen können. Allerdings war Leni in Appenheim am Rhein als Dienstmagd „in Stellung“. 14 Jahre lang, seit ihrem 13. Lebensjahr. Die beiden heirateten 1897, ließen sich in Dudenhofen nieder und konnten bis 1907 dank der Ersparnisse von Leni das Fritze-Haus in der Nieder-Röder Straße 25 bauen.

Die ersten Kapitel der Familienchronik, in einem dicken Ordner dokumentiert und bei jedem Fritze-Treffen um neue Fakten, Bilder oder Anekdoten ergänzt, künden von Not, Tatkraft und Mut. Stammvater Fritz starb 1917 im Alter von 44 Jahren, nachdem er als Soldat im Ersten Weltkrieg schwer krank geworden war. Oma Leni stand mit zehn Kindern – das älteste 19, das jüngste drei Jahre alt – und ohne Ernährer da. Leben musste die Fritzen, wie sie in Dudenhofen nun hießen, vom kargen Arbeitslohn der Kinder und der Vermietung einzelner Zimmer. Petra Haller ist sicher, dass die Armut den Zusammenhalt in der Familie zumindest mit begründet hat: „Man wusste, wo man hingehört.“

Rodgauer bei RTL-Show „Big Bounce“ dabei: Bilder

Zehn Geschwister, deren 32 Kinder, 44 Enkel – darunter Haller (64) und Frey (65) als die beiden jüngsten – und inzwischen auch einige Urenkel bilden den Stamm der Fritzen, intern „die Ahnen“ genannt. Angeheiratete Familienmitglieder sind „die Annern“. Einladungen zu den Treffen schickt Petra Haller grundsätzlich an alle. Im Ablauf erinnern die Zusammenkünfte an die Jahreshauptversammlung eines Vereins: Es gibt eine Tagesordnung, offizielle Glückwünsche zu runden Geburtstagen und Jubiläen und eine Terminvorschau. Vereinsleben, das liegt den Fritzen: Etliche waren 1923 bei der Gründung des Wanderclubs Edelweiß dabei. Petra Haller ist dort heute Vorsitzende, ihr Onkel Philipp dirigierte lange das Mandolinenorchester und hatte in Rudolf Schüler einen weiteren Fritzen als Nachfolger. Mehrere Verwandte spielen mit.

Die musikalische Ader von Opa Friedrich, der Trompeter war, wirkt mit dem Namen Schüler – Rudolf, Friedel und Thomas – und mit Karl-Heinz Frey auch im Musikverein Nieder-Roden fort. Johann Klein war Vorsitzender des TSV, Elsbeth Petzinger der evangelischen Frauenhilfe. Fritzen gibt es außerdem beim Roten Kreuz und in der Kommunalpolitik.

Zu den bisher 33 Fritzen-Treffen erschienen im Durchschnitt 27 Angehörige. Petra Haller, offizielle Protokollantin, führt genau Buch. Demnach fiel die Zusammenkunft seit 1983 nur dreimal aus. Die stärkste Beteiligung gab es 2011 mit 44 Fritzen, am Kleinsten war die Runde 2004 mit 14. Man trifft sich auch zu Ausflügen oder zum Grillen, sogar eine eigene Fastnachtssitzung hatten die Fritzen schon. Die meisten Familienmitglieder wohnen in der näheren Umgebung, die weiteste Anreise hat eine Cousine aus Freiburg. „Sie sagt nie zu, kommt aber fast immer“, so Haller. (zrk)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.