Früchte bräuchten zwei Wochen Sonne

Frost dezimiert Erdbeer-Ernte

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Letztes Mittel gegen den Nachtfrost: Mitarbeiter des Sandhofs verlegen Rohre der Beregnungsanlage auf dem Erdbeerfeld.

Rodgau -  Die Erdbeersaison in Hessen ist eröffnet, doch auf die ersten Früchte aus Rodgau müssen wir noch warten. Während sich Umweltministerin Priska Hinz gestern in Bickenbach beim Beerenpflücken fotografieren ließ, blickten Landwirte in Rodgau besorgt auf den Wetterbericht. Von Ekkehard Wolf 

Nachtfrost war angesagt. Das ist Gift für die Früchte. „Ein paar Erdbeeren kommen schon, aber das dauert bei uns noch ein bisschen“, sagt Dan Fischer vom Jügesheimer Sandhof, der auf drei Hektar Erdbeeren anbaut. Wie lange noch? „Zehn, 14 Tage“, schätzt er, „wenn’s so kalt bleibt, auch länger.“

Das Stroh zwischen den Reihen schützt die Erdbeerpflanzen nicht vor Kälte – im Gegenteil.

Schon jetzt steht fest, dass die Ernte viel geringer als sonst ausfallen wird. Zahlreiche Erdbeerblüten sind den Nachtfrösten zum Opfer gefallen und schlicht und einfach erfroren. „50 Prozent sind mit Sicherheit weg“, schätzt Fischer. Andere Blüten öffneten sich an kalten Tagen, als kaum Bienen unterwegs waren – ohne Bestäubung keine Frucht.

Erfrorene Blüten erkennt man daran, dass sie in der Mitte schwarz sind. Bei gesunden Blüten sieht man die Staub- und Fruchtblätter. Was die Pflanzen jetzt bräuchten, weiß der Obstbaumeister genau: „wüchsiges Frühlingswetter“. Das bedeutet: tagsüber 20 Grad und Sonne satt, nachts ab und zu ein leichter Landregen. Gestern allerdings sah es nicht danach aus: „Heute Nacht ist wieder Frost angesagt, es kann sein, dass uns die anderen 50 Prozent auch noch erfrieren.“

Im Hinblick auf den Frost legten Mitarbeiter des Sandhofs gestern Beregnungsrohre auf die Erdbeerfelder. Das Sprühwasser soll die empfindlichen Blüten vor allzu starker Kälte bewahren. Wenn es friert, legt es sich wie ein schützender Panzer um die Pflanzen. Beim Übergang von flüssig zu fest gibt das Wasser Energie ab. „Das sind zwar nur 0,3 oder 0,5 Grad, aber es kann ausreichen, um die Blüten zu retten“, sagt Dan Fischer. Ob das klappe, sei aber Glückssache.

Vor der Blüte waren die Erdbeerpflanzen mit Vlies abgedeckt, unter dem sie es schön warm hatten. Das Vlies jetzt noch einmal auszubreiten, ist nicht mehr möglich: Teile der Pflanzen könnten dabei abbrechen, der Schaden wäre größer als der Nutzen.

„Der Frost hat zugeschlagen“, berichten auch Monika und Wolfgang Würfl aus Gründau-Lieblos. Sie betreiben 20 Erdbeerfelder zum Selbstpflücken, zwei davon in Hainhausen und Dudenhofen. Auf ihrer Internetseite berichten sie von teils erheblichen Schäden, machen den Erdbeerliebhabern aber noch Hoffnung: „Wie groß der Schaden ist, zeigt letztendlich erst die Ernste, aber alles in allem dürften die meisten Erdbeeren überlebt haben.“ Dennoch sei Daumendrücken angesagt: Die Versorgung mit den süßen Früchtchen sei gesichert, „wenn uns denn der Hagel verschont und der Dauerregen und die Trockenheit und die Eisheiligen und was sonst noch alles passieren kann“.

Früchte in herzhafter Begleitung: Erdbeeren zum Hauptgang

Stroh zwischen den Pflanzenreihen ist bei Kälte kein Vorteil, sondern ein Nachteil. Bauer Würfl erklärt, warum: „Der Grund liegt darin, dass der Boden Wärme speichert und wieder abstrahlt. In kalten Nächten ist diese Wärmestrahlung oft entscheidend für das Überleben der Blüten und Beeren. Das Stroh in den Reihen isoliert diese Wärmequelle allerdings ab.“

Den Wärmeverlust für die Pflanzen schätzt Dan Fischer auf ungefähr zwei Grad. Wenn die Ernte der frühen Erdbeersorten mager ausfällt, bleibt immer noch die Hoffnung auf spätere Sorten. Auf den Feldern zum Selbstpflücken werden in der Regel mehrere Sorten angepflanzt, die nacheinander reifen. So kann man von Ende Mai bis in den Juli hinein die roten Früchtchen genießen, wenn das Wetter mitmacht. Im vergangenen Jahr war das nicht möglich: Dauerregen und Hagel im Juni vernichtete einen großen Teil der Ernte.

Quelle: op-online.de

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