Johanniter wollen auf früherem Feuerwehrplatz bauen

Betreutes Wohnen für ältere Menschen 

Nieder-Roden - Eine Wohnanlage für ältere Menschen will die Johanniter-Unfallhilfe (JUH) auf dem Gelände des ehemaligen Feuerwehrhauses Nieder-Roden errichten. Das Vorhaben ist seit rund zwei Jahren im Gespräch. Jetzt haben sich die Pläne konkretisiert. Von Ekkehard Wolf 

Ein Architektenentwurf liegt vor. Anfang September haben die Johanniter den nächsten Termin im Rathaus. Dann geht es möglicherweise schon um den Grunderwerb. Die Johanniter planen mehr als 40 barrierefreie Mietwohnungen in unterschiedlichen Größen. Die Anlage ist für betreutes Wohnen vorgesehen. Dr. Karsten Falk vom JUH-Regionalverband Hanau/Main-Kinzig spricht lieber von „Servicewohnen“. Mit ihrer Miete bezahlen die Bewohner auch einen Hausnotrufdienst und ein Beratungsangebot im Haus. Weitere Leistungen können sie je nach Bedarf und Geldbeutel hinzubuchen. Dazu zählen beispielsweise „Essen auf Rädern“ oder Pflegedienste der Sozialstation. Für die JUH ist das Thema Seniorenwohnen noch Neuland, wie Karsten Falk sagt. Unter dem Dach der Johanniter gebe es zwar eine Gesellschaft für stationäre Altenpflege (Johanniter Seniorenhäuser GmbH), die Johanniter-Unfallhilfe habe damit aber noch wenig Erfahrung. Bisher betreibe sie lediglich zwei Häuser in Potsdam und Hannover, drei bis vier weitere seien geplant.

Neben dem ehemaligen Feuerwehrplatz in Nieder-Roden wollen die Johanniter auch den Parkplatz vor dem alten Friedhof überbauen. Dr. Falk sieht die Herausforderung für den Planer darin, das Grundstück optimal auszunutzen, „damit sich das Projekt wirtschaftlich realisieren lässt“. Etwa 7,5 bis acht Millionen Euro wollen die Johanniter in Nieder-Roden investieren. Bei dieser Bausumme ist an Sozialwohnungen nicht zu denken. „Wir sind eher im hochwertigen Bereich angesiedelt“, deutet der Hanauer Regionalvorstand an: „Mit Sozialbindung wird es überhaupt nichts geben.“ Er verweist auf Erfahrungen in Dreieich. Dort seien altengerechte Wohnungen trotz hoher Nachfrage zeitweise leer gestanden, weil die Bewerber nicht die Kriterien für Sozialwohnungen erfüllten. Das Vorhaben in Rodgau sei so knapp kalkuliert, dass man sich keinen Leerstand leisten könne. Wie teuer wird das Wohnen am alten Friedhof Nieder-Roden? Nach unbestätigten Meldungen soll die Monatsmiete zwischen 14 und 16 Euro je Quadratmeter liegen. Das ist mehr als das Doppelte der 6,38 Euro, welche die Stadt Rodgau für eine barrierefreie Sozialwohnung an der Ludwigstraße in Jügesheim verlangt.

Drei Voraussetzungen fehlen noch für den Bau

Aber noch steht nicht fest, ob die Johanniter an der Friedensstraße wirklich bauen. Drei wichtige Voraussetzungen fehlen noch: Grunderwerb, Bebauungsplan und Baugenehmigung. Karsten Falk ist optimistisch: „Wir möchten es, die Stadt möchte es eigentlich auch und wir werden uns treffen.“ Ein Vermessungsbüro hat im Auftrag der JUH die exakte Größe des Geländes ermittelt. Zurzeit werden Bodenproben auf mögliche Altlasten untersucht. Beide Seiten streben einen marktgerechten Grundstückspreis an. Falls sie sich handelseinig werden, muss die Stadt als nächsten Schritt einen Bebauungsplan aufstellen. Erst danach können die Johanniter ihren Bauantrag stellen. Der Architekt hat vier Stockwerke geplant. Die oberste Etage soll zurückgesetzt werden, so dass sie von der Straße aus kaum sichtbar ist. Gibt es dagegen keine städtebaulichen Bedenken? „Ich rede da nicht von Bedenken“, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) auf Anfrage. „Es wird in etwa so hoch wie andere Objekte auch.“ Der Vorschlag der Johanniter sei „im Grunde nicht zu kritisieren“. Von Anfang an sei klar gewesen, dass dort keine Sozialwohnungen errichtet würden.

Das ändert sich mit der Pflegereform

Das ändert sich durch die Pflegereform

Auch Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) springt den Johannitern zur Seite: „Es geht einfach darum, ein marktgängiges Angebot zu machen, bei dem man auf Subventionstatbestände verzichtet.“ Gerade im größten Stadtteil Rodgaus bestehe ein Bedarf an barrierefreien Wohnungen. Der Geschosswohnungsbau sei ohnehin stark im Kommen. In Rodgau gebe es eine „Bevölkerungsstruktur, die überwiegend nicht auf Subventionen angewiesen ist“. Noch ein weiteres Argument führt Schüßler für das Johanniter-Projekt ins Feld: „Als wir zwei neue Feuerwehrhäuser gebaut haben, haben wir uns zum Ziel gesetzt, mindestens zwei der drei frei gewordenen Grundstück zu marktgängigen Preisen zu veräußern.“ Die erste Chance biete sich nun. Aber was kann die Stadt tun, um eine Hängepartie wie beim Ärztezentrum „Medicum Rodgau“ zu verhindern? Michael Schüßler: „Ein Restrisiko gibt es immer.“

Quelle: op-online.de

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