Frühlingsfest des ADFC

Den Akku ins Wohnzimmer

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Die Codierung des Fahrradrahmens schützt vor Diebstahl.

Nieder-Roden - „Ich wollte mich an Bergen nicht mehr so sehr abquälen und nicht mehr so abgeschafft ins Büro kommen“, erklärt Referentin Cathleen Sterker beim Rodgauer ADFC Frühlingsfest, warum sie für die tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz von einem Fahrrad auf ein sogenanntes Pedelec umgestiegen ist.

„Aber es fährt nicht von alleine“, fügt sie hinzu. Damit räumt die Fachfrau bei ihrem Vortrag im Sozialzentrum gleich mit einem häufigen Irrglauben auf. Denn beim Pedelec muss man nach wie vor selbst in die Pedale treten, um voranzukommen. Möchte man auch aus dem Stand Starthilfe, dann handelt es sich eher um ein E-Bike.

„Der Schub ist unglaublich“, gerät Sterker beim Erzählen ins Schwärmen und erfährt auch Zustimmung von einem Zuhörer aus dem Publikum, der selbst schon einmal eine Probefahrt gemacht hat, „Das ist ein Gefühl wie mit jeder Menge Rückenwind.“ Doch der Drahtesel mit diesen Extras kostet auch deutlich mehr als ein gut ausgestattetes Modell ohne Motor. Dazu komme, dass Batterien noch immer der Schwachpunkt in der Elektromobilität seien. Die derzeitigen Lösungen bei Fahrrädern seien trotzdem bereits absolut akzeptabel.

Auch ein Ersatzakku schlägt beim Preis noch einmal kräftig zu Buche, und auch das Gewicht sei nicht zu unterschätzen. Ihr Fahrrad wiege rund 25 Kilogramm. Es gibt natürlich auch Modelle, die mit 17,8 Kilogramm deutlich leichter, aber auch wieder um einiges teurer sind. „Ist die Wartung im Winter aufwendig?“, möchte eine interessierte Zuhörerin wissen. Im Winter solle man den Akku ausbauen und in die warme Wohnung legen. Das rät Cathleen Sterker auch für den täglichen Gebrauch. Das eigentlich Fahrrad könne natürlich problemlos in Keller oder Garage stehen.

Vier Vorträge im Sozialzentrum

Zwischen den insgesamt vier Vorträgen im Sozialzentrum bot der Allgemeine Deutscher Fahrradclub (ADFC) auf dem Puiseauxplatz ein buntes Programm rund ums Rad. Fragen zur Fahrradtechnik wurden jederzeit gerne beantwortet, schnell mal ein Sattel oder ein Lenker richtig eingestellt oder die Luft in den Reifen kontrolliert.

Leider hatte die Veranstaltung mit lange anhaltendem Regen zu kämpfen, doch es waren nicht nur Schönwetter-Radler unterwegs. Und sobald es einige Zeit trocken war, kamen auch wieder einige auf ihrem Rad vorbei. Ein r Geschicklichkeitsparcours beschäftigte nicht nur die Kinder, sondern sorgte auch bei Erwachsenen für Spaß. Viele mussten in Anbetracht von überfahrenen Markierungen und gescheiterten Aufgaben auf der Strecke überrascht feststellen, dass sie auf ihrem Rad in einigen Situationen doch nicht so fehlerfrei fahren, wie sie dachten. Gerne angenommen wurde auch die Fahrradcodierung. Anhand der eingravierten Kombination lässt sich ein gestohlenes oder gefundenes Rad seinem rechtmäßigen Besitzer eindeutig zuordnen.

Erläuterungen zur heutigen Fahrradtechnik machte Hanno Wirth in seinem Vortrag. Reinhard Wolf erzählte Wissenswertes zur Vorbereitung und Durchführung von Radreisen, und Lothar Diederich gab Tipps zum Fahrradkauf. Dabei verzichtete er darauf, bestimmte Marken, Hersteller oder Geschäfte zu nennen, sondern wollte bei den Zuhörern das Verständnis für die einzelnen Bestandteile eines Fahrrades fördern, damit sie selbst jederzeit ein Rad ganz objektiv beurteilen können.

Frühlingsfest des ADFC

Frühlingsfest des ADFC

So stellte er nach und nach alle wichtigen Komponenten vor, etwa Sattel, Felgen, Speiche, Beleuchtung, Rahmen und Schaltung. Die Kernfrage beim Kauf sollte laut Wolf immer sein, wie oft man das Rad letztlich benutzt und welche Summe man ausgeben sollte. Ein Fahrradrahmen aus Stahl oder aus Aluminium? Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, jedoch sollte man Stabilität, Gewicht und Preis gegenüber stellen.

Sogar hydraulische Bremsen gibt es, doch die lohnen sich wegen des Preises erst, wenn man viel und schnell fährt. Auch die Frage, ob es eine Nabenschaltung oder eine Kettenschaltung sein soll, entscheiden letztlich der eigene Anspruch und der Geldbeutel.

Eine Kettenschaltung habe tatsächlich weniger Gänge, weil sich viele überschneiden, erklärt der Fachmann. Zumal sei die Kette recht ungeschützt und bei jedem Schaltvorgang erheblichen mechanischen Belastungen ausgesetzt, wenn sie auf ein anderes Zahnrad springt. Eine Nabenschaltung habe diese Nachteile nicht, sei aber teuer. Bis zu 1000 Euro kostet allein die hochmoderne Schaltung an seinem Rad.

(pep)

Quelle: op-online.de

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