Fünf Brote und zwei Fische

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50 Schnitzel in zwei Pfannen pünktlich um 12 Uhr: Hildegard Philipp, Ursula Schneider und Ellen Schneider (von links) bewältigen das mit Ruhe und Gelassenheit. Ihre Gäste sind zwischen drei und 75 Jahren alt.

Nieder-Roden ‐ „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem jeder so angenommen wird, wie er ist. Große und Kleine, alle Nationalitäten und Religionen, Bedürftige an Leib oder Seele“ - herausgekommen ist die Suppenküche „5 und 2“, die mittwochs (12 bis 14 Uhr) im Saal des katholischen Pfarrheims St. Matthias öffnet. Von Christine Ziesecke

Der Name ist Programm: Fünf Brote und zwei Fische waren es, mit denen Jesus die wartenden 5.000 speiste - und wunderbarerweise reichte es. Das ist genau die Motivation, welche die drei Organisatorinnen Beate Jörg (40), Ines Hitzel (38) und Kirsten Franz (43) in ihrem Mut und ihrem Handeln bestärkt. „Seit sechs Jahren etwa schwelte der Gedanke, so eine Vernetzung zu entwickeln, aber damals war die Zeit noch nicht reif“, erinnert sich Ines Hitzel, die wie ihre beiden Mitstreiterinnen aus persönlichen Schicksalen und Lebenswegen heraus zu der inneren Sicherheit gekommen ist: „Es gibt etwas, was uns hält und trägt.“

Die Küche im Gemeindezentrum St. Matthias ist für viele Gäste recht gut ausgerüstet.

Die Idee einer „Tafel“ scheiterte am bürokratischen Wust. Eine RTL-Sendung über die Gütersloher Suppenküche wies den neuen Weg und deren Organisatorin half auch beim Strukturieren der ersten Schritte - „schließlich mussten wir das Rad ja nicht neu erfinden“. Als Pfarrer Dr. Peter Eckstein das Pfarrheim anbot, begann eine Lawine zu rollen - sehr zur Verwunderung der drei Frauen. „Wir warteten immer darauf, dass jemand mal sagt: ‚Lasst die Finger davon‘, aber das tat niemand!“ Im Nu bot sich Unterstützung auch finanzieller Art aus allen Ecken an, ein Verein wurde gegründet, um unabhängig zu sein. Rund 35 Frauen und Männer aus ganz Rodgau beteiligen sich an der Arbeit.

Erste Öffnung am Tag des heiligen Martin

Wer die gute Sache unterstützen möchte, kann eine Spende überweisen: Konto 55 150 163 bei der Sparkasse Dieburg, BLZ 508 526 51. 

Mehr Infos gibt's auf der Internetseite.

Bei der ersten Öffnung der Suppenküche am 11. November - ungeplant, aber umso treffender am Tag des heiligen Martin - saßen 20 Gäste zu Tisch. Sie genossen das kostenlose, aber köstliche dreigängige Mahl und die angenehm ruhige, gepflegte Atmosphäre, waren dankbar für Nahrung und Gespräche und innere Wärme. Schon nach fünf Wochen liegt die Zahl der Gäste bei 40. „Das ist gut so, wir haben noch genügend Kapazität, der Raum ist groß, wir sind viele Helfer und wir versuchen immer so zu kochen, dass die Reste notfalls verwertbar sind“, freut sich das Team, dessen Arbeitsabläufe klar strukturiert sind.

Nicht nur die Köchinnen sind wichtig – was wären sie ohne die Zuarbeiter, die stundenlang im Saal Kartoffeln schälen und Zwiebeln oder Gemüse schnippeln.

Inzwischen laufen auch immer mehr Spenden ein, so dass sich jeder Essensgast nach Kaffee und Kuchen auch noch eine Kleinigkeit mit nach Hause nehmen kann: Gebäck, Obst, mal ein Paar warme Schuhe, mal Spielzeug. Viele Spenden kamen über eine Weihnachtsaktion einer Jugendgruppe aus Weiskirchen ins Haus: Die Jugendlichen hatten bei minus 11 Grad Außentemperatur die Kinden des Fegro-Großmarkts gebeten, ein Kilo mehr einzukaufen, als sie benötigten, und diese zu spenden. Mehr als 200 Kilo verschiedenster Lebensmittel kamen so zusammen. „Es ist aber nicht unbedingt nur der Hunger, sondern weitgehend ist die Vereinsamung das Thema, weshalb die Menschen herkommen.“

Eine Neuerung gibt‘s am 6. Januar: Dann sind Kinder von 10 bis 14 Uhr willkommen, gemeinsam zu basteln, zu spielen oder zu singen und natürlich mitzuessen.

Quelle: op-online.de

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