„Fünf Dörfer, eine Stadt“

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Diagramme auf dem Computer-Bildschirm: Josef Lach arbeitet als Buchautor die Siedlungsentwicklung Rodgaus auf.

Nieder-Roden (pul) ‐ Gefüllt mit Geschichte und Geschichten publizierten Rodgaus Heimatforscher schon so manchen Bildband. Dabei greifen die Autoren auf eigene Erfahrungen, auf Berichte von Zeitzeugen und historische Dokumente zurück. Der frühere Landrat Josef Lach beleuchtet die Geschichte Rodgaus aus einem anderen Blickwinkel.

Geschichtsbuch und siedlungsgeografische Arbeit in einem“, so bezeichnet der Nieder-Röder seine aktuelle Arbeit. Der Veröffentlichungstermin ist noch offen.

„Fünf Dörfer, eine Stadt - Rodgau“ steht ganz oben in der Textdatei, an der Josef Lach seit 2008 arbeitet. Die Siedlungsentwicklung im mittleren Rodgau nach dem Zweiten Weltkrieg hält der Kreishaus-Chef a. D. in Worten fest und bildet den politischen Prozess der umstrittenen Gebietsreform ab, die 1977 zur Gründung der Großgemeinde (und späteren Stadt) Rodgau führte.

So sah Rodgau 1945 aus“. Josef Lach zeigt auf eine der zahlreichen Karten, die sich bei seinen Recherchen angehäuft haben. Die Ausbreitung der bebauten Flächen lässt sich anhand der im Abstand von Dekaden angefertigten Übersichtsaufnahmen verfolgen.

Was war im Raumordnungsplan ursprünglich vorgesehen und wie sieht das Areal heute aus? Allzu oft sind ursprüngliche Vorhaben der Politik wieder verworfen worden. Diese Entscheidungen will Josef Lach für die Nachwelt festhalten.

Grafische Darstellung zu Nieder-Roden explodiert regelrecht

Ganz neu ist die Autorenarbeit für den 70-Jährigen nicht. Die Geschichte der Donauschwaben, jener Hessen, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Ungarn auswanderten und nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden, hat er bereits unter dem Titel „Nach Ungarn und zurück - eine hessische donauschwäbische Familiengeschichte“ zu Papier gebracht.

Nun hängen wieder Luftaufnahmen und Karten an der Wand seines Arbeitszimmers. 97 Textseiten befinden sich bereits auf der Festplatte seines Computers. Dazu sollen noch viele Fotos von den Heimat- und Geschichtsvereinen Rodgaus kommen, auf die der Autor noch zugehen will.

Mit Schaubildern hat Lach die Fakten seiner Arbeit bereits visualisiert. Eines davon zeigt die Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden zwischen 1961 und 1976, eine Phase, in der nach dem Wiederaufbau die Suburbanisierung einsetzte, die Wanderung von Bevölkerung und Produktion in das Umland rund um Frankfurt und Offenbach. Die grafische Darstellung zu Nieder-Roden explodiert regelrecht. 4221 Köpfe zählte die Gemeinde zu Beginn der Periode, binnen 15 Jahren wuchs die Einwohnerzahl um stolze 263 Prozent. Jügesheim war damit als bevölkerungsstärkster Ort im Rodgau abgelöst, denn die 5732 Jügesheimer vermehrten sich in 15 Jahren nur auf 8293 (plus 44,6 Prozent).

Das spannendste Thema steht Josef Lach noch bevor: der Prozess des Zusammenschlusses der fünf Gemeinden und deren Entwicklung seit 1977. Bis dieses Kapitel vollendet ist, wird er noch häufiger Gast in den Katakomben des Rodgauer Stadtarchivs sein und die alten Gemeindeprotokolle wälzen.

Quelle: op-online.de

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