Fünf Dörfer wachsen zu einer Stadt

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Herbst 1978: Hier sollte das neue Zentrum Nieder-Rodens entstehen.

Rodgau (rob) - Als Josef Lach 1971 als Rektor an die Gartenstadtschule kam, stand die neue Schule noch mitten im Feld. Heute reiht sich neben der Chinamauer ein Haus an das andere: ein Beispiel für die Wachstumseuphorie der 70er Jahre.

Sichtlich stolz präsentierte Josef Lach (71) gestern in der Magistratspressekonferenz sein Buch „Fünf Dörfer - eine Stadt“. Es berichtet über die Siedlungsentwicklung im Rodgau von 1945 bis 2010. Der ehemalige Lehrer, Schulleiter und Landrat war immer stark an Geschichte und geographischer Entwicklung interessiert. Im Ruhestand absolvierte er ein Studium in Geographie.

Aus einer Studienarbeit über die Siedlungsentwicklung Nieder-Rodens entstand die Idee, dasselbe für ganz Rodgau zu tun: „Ich habe etwas gemacht, was noch keiner gemacht hat. Alle anderen Autoren bisher haben sich nur auf ihren eigenen Stadtteil konzentriert.“ Josef Lach gliedert das Buch in drei Phasen: Die Nachkriegsentwicklung von 1945 bis 1960, den Bauboom zwischen 1960 und 1977 und die Entwicklung bis 2010.

Wie kam es dazu, dass aus fünf Dörfern die Stadt Rodgau entstand? Der Autor erinnert an den Planungsverband Mittlerer Rodgau und an den Wortmann-Plan, in dem vorgesehen war, bis 1980 Wohnraum für 60.000 Menschen im Rodgau zu schaffen. Langfristiges Ziel war damals ein „Städteband im Grünen“ mit 106 000 Einwohnern. „Man stelle sich diese Zahlen vor!“, sagt Josef Lach. Heute hat Rodgau rund 45.000 Einwohner.

„Regatta-See“ und „Städtering“

Auch manch anderer Plan wirkt im Nachhinein skurril. So sollte ein separater „Regatta-See“ den Badesee Nieder-Roden ergänzen. Ein „Städtering“ mit 280.000 Bürgern sollte die heutigen Städte Rodgau, Rödermark, Obertshausen und Heusenstamm und Dietzenbach vereinigen.

Auch ist die Siedlungsentwicklung eng an vorhandene Ressourcen geknüpft. Als Beispiel nennt er den Kiessee in Nieder-Roden. Für das Buch nutzte Josef Lach das Stadtarchiv mit seinen Luftbildern und Landkarten, studierte alte Bebauungspläne und führte Gespräche mit Zeitzeugen. „Der wichtigste Zeitzeuge bin aber sowieso ich“, sagt er, der sich selbst auch Siedlungspionier nennt: Lach hatte das erste Haus an der Münchner Straße in Nieder-Roden gebaut.

Josef Lach stellt stolz sein Buch über Rodgau vor.

Anhand des Finanzierungskonzepts für den Bau der S-Bahn zeigt der Autor, warum politische Entscheidungen so lange dauern. Damit wirbt er nicht bloß um Verständnis, er macht Kommunalpolitik auch gleich transparenter. „In Rodgau gibt es ein tolles Schulangebot, das sich mit dem einer Großstadt messen kann und wir haben eine tolle Verkehrsinfrastruktur“, resümiert der Diplomgeograph. Er lobt, dass nach Gründung der Stadt Rodgau nur noch wenige neue Wohngebiete mehr erschlossen worden seien: „Es hat keinen Sinn, immer wieder neue Siedlungsflächen auszuweisen, solange die bestehenden Flächen nicht völlig ausgeschöpft sind“, sagt er. Auch in seiner Nachbarschaft gebe es noch immer freie Grundstücke - „und ich habe 1972 dort gebaut.“

Werbung für die Stadt

„Schon wieder ein Politiker, der ein Buch schreibt“, das dachte sich Thomas Przibilla im ersten Moment. Der ehemalige Bürgermeister hielt am Dienstag eine Laudatio auf den Autor. Seine anfänglichen Zweifel seien schnell verflogen, er habe das Buch an nur einem Nachmittag verschlungen: „Die Bürger der Stadt können in dem Buch lesen, in welcher Stadt sie leben und wie sie die Zukunft der Stadt weiter gestalten können.“ Przibilla lobt, dass Josef Lach trotz seiner politischen Vergangenheit jegliche Wertung von Entscheidungen und Handlungen unterlässt und allein die Geschehnisse und Pläne reflektiert: „Hier wird nicht parteipolitisch nachgekartet.“

Bürgermeister Jürgen Hoffmann bezeichnet das Buch als hervorragende Werbung für die Stadt, denn es zeige, wie viel sich in Rodgau getan habe. Es lohne sich, an den Gedanken der „einen Stadt“ zu glauben, auch wenn es oft schwierig sei, alle Interessen auf einen Nenner zu bringen.

Autor Josef Lach legt allen Entscheidungsträgern von heute die Lektüre nahe: „Ich wäre froh, wenn alle kommunalpolitisch Aktiven das Buch lesen würden, damit sie wissen, auf welcher Grundlage sie arbeiten.“

Quelle: op-online.de

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