Fuhrpark sucht Abnehmer

Nieder-Roden ‐ Die größte Sammlung historischer Landmaschinen und Ackergeräte in Südhessen sucht Abnehmer. Rudi Keller räumt drei seiner fünf Hallen. Der Anlass dafür ist ein freudiger. Von Bernhard Pelka

Sohn Harald wird neben dem Elternhaus im Hof bauen und von Obertshausen an die Friedensstraße ziehen. „Idealer geht‘s nicht“, freut sich Keller auf den familiären Zusammenschluss. Bis März müssen die Hallen leer sein. Dann kommt ein Bagger und reißt sie für den Neubau ab. Das veranlasst Rudi Keller dazu, einen Großteil seiner seit den 60er Jahren entstandenen Sammlung aufzulösen.

Die Landmaschinen in Bildern:

Landmaschinen zu haben

Die 15 Traktoren möchte der 78-Jährige zwar behalten, sofern sie in den übrigen Hallen Platz finden. Abzugeben hat er aber einen großen und voll funktionsfähigen Fuhrpark an Landmaschinen von anno dazumal sowie hunderte Ackergeräte und Kleinteile: Dreschmaschinen, Häckselwerke, Riemengetriebe (Transmission), Rübenmühlen, Pflüge, Ackerwagen, Jauchefässer, Futtertröge, Mähmaschinen, Werkzeuge, Schippen, Mistgabeln, Pickel, Sägen, alte Wagenräder aus Holz und mehr. Das alles befindet sich in einem guten Zustand, denn der gelernte Autoschlosser ist nicht nur passionierter Sammler, sondern auch ein hervorragender Restaurator. Viele Landmaschinen, die nun den Besitzer wechseln sollen, hat er in erbärmlichem Zustand aus Scheunen und Bauernhöfen geholt, um sie fachmännisch auf Vordermann zu bringen.

Rudi Kellers Qualitätsarbeit hat schon mehrfach mediale Beachtung gefunden. Unsere Zeitung begleitet sein Lebenswerk natürlich seit Jahren in Wort und Bild. Wiederholt war das Fernsehen bei ihm zu Gast und drehte etwa für die Dokumentation „Traktor-Legenden“. Überdies stellte der Heimatfilmer seine Schätze bei exklusiven Ausstellungen einem breiten Publikum vor. Jetzt muss Keller die Erfahrung machen, dass es gar nicht so einfach ist, die Maschinen und Geräte in gute Hände abzugeben.

Wer Interesse hat, etwas abzuholen, erreicht Rudi Keller unter Tel. 06106 771256.

Der Hessenpark wollte für eine restaurierte Dreschmaschine lediglich einen einzigen Euro zahlen, im Internet war das Interesse sogar gleich null. Die örtlichen Heimatvereine und Arbeitskreise haben dem früheren Fuhrunternehmer hingegen vieles gern abgenommen. Auch die Staatsdomäne Baiersröderhof (Wetterau) und etliche Privatleute zählen zu den willkommenen Abnehmern. Die Hallen sind aber trotzdem immer noch bis unters Dach voll. „Man sieht gar nicht, dass schon so viel weg ist. Ein Großteil wird wohl auf dem Schrott landen“, bedauert der fleißige und begabte Bastler.

Quelle: op-online.de

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