Erstes Gebäude der Niederungsburg in Hainhausen gefunden

Jagdrecht hatte nur der hohe Adel

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Roland Schlitt und Ewald Simon schützen den Schwellbalken eines Fachwerkhauses aus dem 12. Jahrhundert vor dem Austrocknen.

Hainhausen - Die Burg der Herren von Haginhusen war größer als bisher angenommen. Sie beschränkte sich im 12. Jahrhundert offenbar nicht nur auf einen Wohnturm, sondern hatte auch Nebengebäude aus einer Fachwerkkonstruktion.

Bei der jüngsten Grabung in der Rodau-Aue wurde der untere Querbalken eines Fachwerkhauses freigelegt. Landrat Oliver Quilling: „Nächstes Jahr geht’s weiter. “.

„Erstmals sehen wir etwas von dem, was sich innerhalb der Burgmauer abgespielt hat“, sagte Kreis-Archäologin Dagmar Kroemer gestern bei einem Pressetermin an der Grabungsstelle. Unter ihrer Anleitung hatten Ehrenamtliche im August zwei Wochen lang in der Wiese an der Burgstraße gegraben. Dabei wurde ein weiterer Abschnitt der Burgmauer freigelegt.

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr brauchten die Helfer diesmal keinen Bagger. Gleich unter den Graswurzeln lag die Ringmauer. Sie ist 2,10 Meter breit und als zweischaliges Mauerwerk angelegt: Außen- und Innenseite sind sorgfältig gesetzt, der Raum dazwischen ist mit kleineren Steinen und viel Mörtel gefüllt. Entgegen dem ersten Eindruck von 2012 handelt es sich laut Kroemer nicht nur um das Fundament der Ringmauer, sondern um mindestens einen Meter „aufgehendes Mauerwerk“.

Kachelofen zeugt von gehobenem Wohnstandard

In dem nur sieben mal drei Meter großen Grabungsfeld fanden die Helder eine große Menge an Scherben von Becherkacheln. Sie stammen von einem Kachelofen, der zum gehobenen Wohnstandard der Burg gehörte. Bereits im vergangenen Jahr war ein Teil einer Butzenglasscheibe gefunden worden.

Etwas tiefer zeigten sich im Burghof Pflasterschichten aus kleinteiligem Basalt. Mit Stampflehm und Knüppelhölzern war der Boden an anderen Stellen befestigt.

Die restaurierten Metall- und Keramikfunde aus der Burg betrachtet Archäologin Dagmar Kroemer mit dem jüngsten Grabungshelfer Sebastian (10) und dessen Mutter Tamara Stähle.

Der interessanteste Fund dieser Grabung war für Dagmar Kroemer der so genannte Schwellbalken eines Fachwerkhauses - der erste Hinweis auf die Innenbebauung der Burg. Der Eichenbalken ist 30 bis 40 Zentimeter stark. Er weist ein quadratisches Loch auf, in dem früher ein senkrechter Fachwerkpfosten stand. Der obere Teil des Pfostens war verrottet.

Von dem Schwellbalken wurde erst ein 2,30 Meter langer Teil freigelegt. Der Balken ist gut erhalten: Der hohe Grundwasserstand hat das Eichenholz über die Jahrhunderte konserviert. Nur wegen der Trockenheit im Sommer konnten die Archäologinnen und ihre Helfer überhaupt so tief graben. Im vergangenen Jahr waren die Arbeiten wegen des Grundwassers schon 30 Zentimeter höher zu Ende.

Auch in den vergangenen Tagen ist das Wasser schon wieder gestiegen. Die Freiwillige Feuerwehr Rodgau-Mitte pumpte gestern früh etwa einen halben Meter Wasser aus der Grube, damit Landrat Quilling und die Journalisten der Region die Fundstätte besichtigen konnten.

Wohnturm noch immer nicht gefunden

Die fachliche Bestimmung datierte die Eichenhölzer alle in die Mitte des 12. Jahrhunderts, die Schwelle auf 1154. Im vergangenen Jahr waren Hölzer aus der gleichen Zeit ausgegraben worden.

Die Bedeutung der Fachwerkhäuser in Burgen dieser Art beschreibt Archäologin Dagmar Kroemer so: „Sie waren entweder von den Bediensteten bewohnt oder es waren Werkstätten. Die Burgen haben sich im Lauf der Zeit auch weiterentwickelt.“

„Den Wohnturm, der den eigentlichen Anstoß für diese Grabung gegeben hat, haben wir auch dieses Jahr noch nicht gefunden“, betont die Archäologin. Bisher kenne man erst einen kleinen Teil der Burg. „Der Wohnturm, die Vorburg, das alles gab es sicher hier auch“, sagt sie mit einer weit ausholenden Armbewegung. Es gebe also noch genug zu tun, ergänzt Landrat Oliver Quilling.

Neben Keramikscherben und kleinen Metallteilen wie Nägeln und Werkzeugen lassen auch Essensreste und Abfälle auf das Leben der Burgbewohner schließen. Fleisch kam demnach vor allem vom Schwein auf den Tisch, aber auch von Rind und Hirsch. Die Hirschknochen sind für die Archäologin ein eindeutiger Hinweis auf die Herren von Haginhusen: „Jagdrecht hatte nur der hohe Adel.“  (eh)

Quelle: op-online.de

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