Fundsachen-Versteigerung des Ordnungsamtes

Mit „Knollepetz“ zur Auktion

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Komplett mit Schloss - aber ohne Schlüssel: Gelegentlich musste Ordnungspolizist Bernd Brüstle bei an ersteigerten Fund-Fahrrädern mit der „Knollepetz“ in Aktion treten.

Jügesheim -  Markt- und Listenpreise spielen keine Rolle, der Warenwert bemisst sich nach Interesse, Zufall und Beharrlichkeit. Manchmal spielt auch Ehrgeiz eine Rolle, wenn sich zwei oder mehr Bieter auf ein Objekt der Begierde einschießen.

Und wer nach eineinhalb Stunden kein Schnäppchen nach Hause tragen konnte, genoss bei der Fundsachen-Auktion des Rodgauer Ordnungsamtes am Samstagmorgen zumindest deren Unterhaltungswert. „Zum ersten, zum zweiten“. Oft muss Auktionator Gerhard Weitz an dieser Stelle innehalten, weil aus dem Pulk der rund 50 Interessenten in letzter Sekunde noch ein Angebot kommt. Besonders hartnäckig kämpfen drei Männer um ein robustes Herrenrad mit 28-Zoll-Rädern und sieben Gängen. Fünf Euro will Weitz mindestens haben, binnen Sekunden schießt der Preis auf 15, 20, 21 Euro hoch. Als einer der Bieter den Sprung auf 25 wagt, hat er gewonnen: Die Konkurrenz verstummt, „verkauft“ stellt der Auktionator bündig fest und schickt den Gewinner mit dem Nummernzettel vom Objekt zur Kasse. Gegen Barzahlung – nur die kommt in Frage – gibt es eine Quittung mit Stadt-Stempel als Eigentumsnachweis. Zufrieden zieht der Sieger mit seiner Beute ab.

Längst nicht alle der 40 Fundfahrräder, die an diesem Morgen unter den Hammer kommen, erzielen derart gute Preise. Spitzenreiter ist am Ende ein fast neuwertiges Damenrad mit sieben Gängen und Kindersitz, das 60 Euro in die Kasse Ordnungsamts bringt. Gut gehen auch die Bikes für den Nachwuchs: Eine Oma hat den Ehrgeiz, jedem ihrer fünf Enkelkinder ein Kinder- oder Jugendrad zu ersteigern. Mit großer Freude hat sie bei vier Anläufen Erfolg, einmal wird sie überboten. Ein anderer Bieter, augenscheinlich Bastler, verlässt den Kampfplatz vor der ehemaligen, von der Stadt als Fundstücklager angemieteten Gewerbehalle an den Unteren Sänden mit fünf Drahteseln, die – ramponiert, aber billig – diese Bezeichnung verdienen.

Auf acht Fahrrädern bleibt das Team vom Fundbüro, außer Gerhard Weitz der Ordnungspolizist Bernd Brüstle und zwei Damen aus der Verwaltung, am Ende sitzen. Enttäuscht sind sie deswegen nicht: „Manche will einfach keiner“, weiß der Auktionator. Gut gehen neben den robusten, praktischen Modellen mit Zusatzausstattung und den Jugendrädern vor allem Mountainbikes. Auch ein Mini-Klapprad – wiederum mit Korb – findet nach spannendem Wettbieten einen neuen Besitzer. Einfache Alltagsräder in veraltetem Design, mit Rostflecken oder fehlenden Teilen kommen nicht über das Mindestgebot von einem Euro hinaus oder werden gänzlich verschmäht.

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In die Obhut des Ordnungsamts kamen die Fahrräder laut Brüstle vorwiegend im vergangenen Jahr, auch einige Überbleibsel aus 2015 sind diesmal dabei. Sämtlich fielen sie im Rodgauer Stadtgebiet als herrenlos auf und wurden zumeist von Bürgern abgeliefert. „Irgendwo geklaut, ein paar Meter gefahren und dann stehen lassen“ – so sieht nach den Erfahrungen des Ordnungspolizisten das Grundmuster aus. Andere Bikes sind noch mit Fahrradschlössern gesichert, wenn sie im Fundbüro ankommen und dort über Monate vergeblich auf ihre rechtmäßigen Besitzer warten. Wenn sie zur Versteigerung kommen, hält Brüstle den Bolzenschneider – die „Knollepetz“ – bereit, damit der neue Besitzer gleich losfahren kann.

Wenn sich einmal im Jahr – gewöhnlich zu Beginn der Fahrradsaison – das Hallentor zur Auktion öffnet, machen Fahrräder zwar die Masse, nicht aber die Gesamtheit des Sortiments aus. Dieses Jahr war unter anderem ein klappbarer Rollator im Angebot, ebenso ein Fünf-PS-Außenbordmotor, der auf einem Feld gefunden wurde und für fünf Euro wegging. Ein digitales Diktiergerät samt Zubehör erzielte mit 36 Euro einen weit höheren Preis als diverse Kleidungsstücke und ein Rucksack mit Inhalt.

Eine halbe Stunde hatten die Interessenten vor Beginn der Auktion Zeit, sich zu orientieren, und stießen dabei unter anderem auf kleine Schmuckstücke, einen Reisekoffer sowie eine Musiktasche komplett mit Flöte und Noten. Sehr zufrieden kehrte nicht zuletzt die OP-Reporterin von ihrer Mission zurück. Um ihre Beute, eine hochwertige Bauchtasche fürs Foto-Zubehör, hatte sie kämpfen müssen. (zrk)

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Quelle: op-online.de

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