TGS und TGM SV stehen vor Fusion

Jügesheim ‐ Ab 1. Januar 2011 soll es in Jügesheim den mit Abstand größten Verein im Sportkreis Offenbach geben. TGM SV und TGS wollen in gut einem Jahr zu einem Verein mit rund 3 500 Mitgliedern fusionieren, um die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen. Von Michael Löw und Ekkehard Wolf

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„Es ist ein Zusammenschluss auf Augenhöhe und ohne jede Nöte“, betonten die Vorsitzenden Erwin Kneißl und Jürgen Follmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Die geschäftsführenden Vorstände haben sich einstimmig für einen Weg entschieden, der noch vor 10 oder 15 Jahren undenkbar war. „Schuld“ daran ist das Sportzentrum am verlängerten alten Weg, das beide Vereine gemeinsam gebaut haben und seit 2004 gemeinsam als Maingau-Energie-Stadion betreiben.

Am runden Tisch in der Rodgau-Redaktion (von links): Lothar Mark (TGS), Erwin Kneißl und Edith Haus (TGM SV), Prof. Jürgen Follmann und Peter Döbert (TGS) und Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel.

Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel hatte schon bei seiner Eröffnung eine Fusion angeregt, die Reaktionen waren - wie nicht anders zu erwarten - abwartend. Doch das Thema war nicht länger tabu. Im Mai dieses Jahres gingen Kneißl sowie Heinz Steffes und Klaus Fisch (Liegenschaften) auf TGS-Schatzmeister Lothar Mark und seinen Fußball-Chef Lothar Müller zu. Die komplette Spitze der TGS begrüßte diese Gesprächsbereitschaft. Am 4. November wurden bei einem Treffen beider Vorstände die Weichen endgültig gestellt.

Elf Argumente führen die Vereinsspitzen für eine Fusion ins Feld. Die wichtigsten im Überblick:

  • Ein Großverein hat gegenüber Politik, Verbänden und Sponsoren ein ganz anderes Gewicht und ist dank seines breiten sportlichen und kulturellen Angebots attraktiver für Mitglieder. Für Schulen und Kindergärten wird er noch stärker zum Kooperationspartner.
  • Der Geburtenrückgang zwingt Vereine regelrecht zur Zusammenarbeit: Bis zum Jahr 2025 wird es in Rodgau 600 Jugendliche weniger geben als heute. Die Folgen für einzelne Mannschaftssportarten können verheerend sein.
  • Ehrenamtliche Vorstandsarbeit wird immer schwieriger. Stichworte: Finanzen, Steuern, Versicherungen. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft vieler Mitglieder, sich in der Vereinsspitze zu engagieren. Größe ist hier gleichzusetzen mit Effizienz.
  • Hallenfläche ist knapp, die Betriebskosten steigen. Übungsstunden mit einer Handvoll Teilnehmer sind durch nichts mehr zu rechtfertigen. Zumal die Einführung der Ganztagsschule die Raumnot weiter verschärft.

TGM SV

  • 1633 Mitglieder
  • etwa 100 Übungsleiter und Betreuer
  • 14 Abteilungen
  • Gründungsjahr 1888
  • Tel.: 06106-14239.

Bedenken gegen eine Fusion hat bislang lediglich die Fas se nachts- Ab tei lung von TGM SV angemeldet. Sie fürchtet, im Großverein unterzugehen. „Die Fusion soll niemanden unterpflügen“, verspricht Mark, der gern als Übervater des Jügesheimer Karnevals apostrophiert wird. Beide Abteilungen hätten unterschiedliche Konzepte und sprächen zumindest teilweise ein anderes Publikum an. Daher müsse keine an ihrer Existenzberechtigung zweifeln. Gleiches gelte für das TGS-Blasorchester und den Spielmannszug der TGM SV, einen der letzten beiden Spielmannszüge in Hessen.

TGS

  • 1999 Mitglieder (nächste Woche 2000)
  • etwa 100 Übungsleiter und Betreuer
  • 11 Abteilungen
  • Gründungsjahr 1895
  • Tel.: 06106-645130.

„Die Jügesheimer Vereine haben die Zeichen der Zeit erkannt“, lobt Dinkel, der die Gespräche von Anfang moderierte. Er erwartet von der Fusion eine „riesige Sogwirkung“ auch über den Sportkreis hinaus. Nur seien längst nicht alle potenziellen Kandidaten in der komfortablen Lage von TGS und TGM SV.

Im zweiten Halbjahr 2010 haben die Mitglieder in außerordentlichen Hauptversammlungen das letzte Wort. Bis dahin wollen - und müssen - die Vorstände Überzeugungsarbeit leisten.

Quelle: op-online.de

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