Rodgauer Fan trinkt sich durch

Fußball-WM in Flaschen

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Eine Auswahl seines internationalen Softdrink-Sortiments hat Michael Caspari auf einem Tisch im Garten aufgebaut.

Weiskirchen - So süß und so spritzig schmeckt die Fußball-WM: Der in Weiskirchen lebende Rundfunkredakteur Michael Caspari (hr 1) begleitet die Weltmeisterschaft in Russland mit einer Limonade-WM im eigenen Garten. Von Ekkehard Wolf 

Mehr als 200 Dosen und Flaschen aus aller Herren Länder hat er in den letzten Monaten auf abenteuerlichen Wegen zusammengekauft. Nur ein Land fehlt ihm noch: der Senegal.
Ein buntes Sammelsurium an Getränkeflaschen bevölkert den Gartentisch: die Vielfalt der Welt in Süßgetränken. Neben der klassischen Limonade sind auch andere Softdrinks dabei, zum Beispiel Malzbier aus Ägypten und Nigeria oder „Inka-Cola“ aus Peru.

Die Regeln der Limo-WM sind einfach: „Ich trinke die jeweiligen Spiele gegeneinander und dann wird entschieden, was besser schmeckt.“ Die ganze Familie sitzt mit in der Jury. Michael Caspari vermutetet aber, dass seine Kinder besonders bei Cola-Getränken recht wählerisch sind: „Ich glaub’, ich muss ganz viel widerliche Cola trinken.“

Nicht nur die Geschmacksgewohnheiten unterscheiden sich von Land zu Land, sondern auch das ästhetische Empfinden. Ein rosafarbenes Apfelgetränk aus Kolumbien sieht aus wie eine antibakterielle Mundspülung. Das Bild auf der Dose mit Zimtpunsch aus Korea wirkt – pardon – wie Erbrochenes mit Hirn. Und der Name der kroatischen Limo „Pipi“ klingt auch nicht gerade lecker.

Schon vor dem Anpfiff können die Getränke die ersten Punkte sammeln. „Die Ästhetik, die Form der Flasche ist schon ein entscheidendes Kriterium“, sagt Michael Caspari. Ein Blickfang ist eine schlanke Bügelflasche mit Schweizer Wappen. Die extravaganteste Limoflasche kommt aber aus Japan: „Da muss man eine Kugel hineinstecken, damit überhaupt etwas herauskommt.“ Über die Manga-Figuren auf dem Etikett sieht der Limotester großzügig hinweg.

Diese Getränke gibt’s bei den Spielen der Gruppe F: Reispunsch aus Korea, ein Weihnachts-Saftgetränk aus Schweden, alkoholfreien Apfel-Birne-Prosecco aus Deutschland und eine Limo aus Mexiko.

Die Fußball-WM vor vier Jahren hatte er mit einem Bier-Turnier begleitet, bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren testete er Wein. Doch so schwer wie diesmal war der Einkauf noch nie. Der Grund: Alkoholhaltige Getränke sind notfalls auch im Versand erhältlich. Aber wer verschickt schon Limonade? Immerhin: Eine Limosorte aus Costa Rica konnte er online bestellen. Ein teures Vergnügen: Die drei Dosen kosteten umgerechnet acht Euro, dazu kamen noch 52 Euro Versandkosten.
Die bestverpackte Limonade kam aus Nigeria. Sie war so dicht mit Plastikfolie und Paketband umwickelt, dass der Zoll misstrauisch wurde: „Es sah aus wie ein Drogenpaket“, lacht Caspari: „Zum Auspacken habe ich eine halbe Stunde gebraucht.“

„Die Geschmacksrichtungen sind sensationell“, freut sich der Limofreund. Gespannt ist er unter anderem auf einen Kokos-Trauben-Trunk aus Asien. Und wie wohl die „Curiosity Cola“ aus England schmeckt? Das Traditions-Etikett mit der Jahreszahl 1905 sieht jedenfalls vielversprechend aus. Beim Honignektar aus Australien sollte man die Flasche lieber nicht allzu genau angucken: Sie sieht aus wie eine Essigflasche.

Als Limotrinker bedauert Michael Caspari, dass sich die österreichische National-Elf nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Er hätte zu gern Almdudler vor dem Fernseher getrunken. Für ihn ist das die beste Kräuterlimonade. Aber wer weiß, vielleicht findet er in den nächsten Wochen eine neue Lieblingssorte? Beim ersten Island-Spiel wird zum Beispiel der „Engiferdrykkur“ geöffnet. Die unaussprechliche Bezeichnung steht für ein Ingwer-Getränk.

Bereits im Sommer letzten Jahres hatte der Rodgauer Fußballfan angefangen, die Getränke für seine Limo-WM zusammenzukaufen. Jetzt kennt er viele internationale Spezialitätenhändler in der Region, etwa in Obertshausen (Russland), Niederrad (Portugal) und am Frankfurter Hauptbahnhof (Afrika). Als Fundgrube erwies sich auch die Kleinmarkthalle.

Freunde brachten Dosen und Flaschen von Urlaubs- und Geschäftsreisen mit. Aber auch wildfremde Leser seiner Facebook-Seite fragten, ob sie von ihren Fernreisen etwas mitbringen sollten.

Bilder: Mini-WM in Urberach

Am schwierigsten war es, an ein Getränk aus Saudi-Arabien zu kommen. Die Botschaft verwies ihn an ihre Wirtschaftsabteilung und dort verliefen alle 13 Anfragen im Sand. Schließlich gelang es einem Urlauber, nach langer Suche in Ägypten eine saudische Pfirsich-Limonade aufzutreiben.

Für den Radioredakteur ist die Limo-WM ein privater Spaß. Für den Hessischen Rundfunk macht er nicht viel daraus, abgesehen von einem Beitrag für eine Kochsendung am Samstagmorgen. Wer in Sachen Limo-WM auf dem Laufenden bleiben will, muss seine Facebook-Seite lesen.

Als ausgewiesener Fußballfan hat Michael Caspari seine festen Vorstellungen davon, wie die Fußball-WM ausgeht. Seine Tipps: „Spanien steht gegen Brasilien im Finale und gewinn. Deutschland gewinnt das Spiel um Platz drei mit 3 : 2.“

Beim Blick in den Keller hätte er auch nichts dagegen, wenn Belgien bis in die Endrunde käme – denn von dort besitzt er den größten Limo-Vorrat.

Quelle: op-online.de

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