Fußweg endet im Nirgendwo

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Kurze Wege bieten die blau eingezeichneten Strecken, die zum Teil über Spielplätze führen. Den Weg an der gepunkteten Linie möchte der Magistrat neu in den Bebauungsplan aufnehmen.

Nieder-Roden (eh) - Kurze Wege für Fußgänger und Fahrradfahrer soll es im Wohngebiet „Forschheimer See“ auch künftig geben. Dies sieht der Bebauungsplan N 19. 2 vor, der in den letzten Wochen für allerhand Wirbel sorgte.

Entgegen der Befürchtung vieler Kritiker enthält der neue Plan-Entwurf nicht weniger, sondern sogar mehr Wege als bisher.

In einer Unterschriftenaktion wenden sich 462 Bürger gegen den Verkauf eines Spielplatzes und eines brachliegenden Grundstücks an der Tannenstraße. Sie kritisieren, dadurch werde eine durchgehende Wegeverbindung von Rollwald zum Puiseauxplatz gekappt. Dabei handele es sich um eine wesentliche Änderung, so dass ein vereinfachtes Bebauungsplanverfahren nicht zulässig sei.

Die Bürgerinitiative spricht gar vom „Verkauf einer planerisch wertvollen Wegeverbindung“. Tatsächlich werden beide Grundstücke gern als Abkürzung genutzt - doch nur auf einem von beiden (Tannenstraße 35) ist auch ein Weg im Bebauungsplan von 1979 eingezeichnet. Diesen Weg will der Magistrat erhalten, aber von der Mitte des Grundstücks an den Rand verlegen.

Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied im Bebauungsplan von 1979: Auf dem Spielplatz Tannenstraße 35 (blauer Pfeil) ist ein Weg mit kleinen Kreisen eingezeichnet, auf dem Grundstück Tannenstraße 11 (roter Pfeil) fehlt er. VERGRÖSSERN

Der Trampelpfad zwischen Buchen- und Tannenstraße (Tannenstraße 11) kann nach Ansicht des Magistrats aufgegeben werden, „da mit der nur zirka 25 Meter südlich liegenden Schwalbacher Straße eine Alternative gegeben ist“, wie Bürgermeister Jürgen Hoffmann schreibt. Damit hat er sich die Kritik von Anwohnern wie Hannelore Wrede zugezogen: Ein wichtiger Weg werde dem schnöden Mammon geopfert.
Wer den alten Bebauungsplan mit der Lupe betrachtet, erlebt eine Überraschung: Die Reihe kleiner Kreise, die im Plan für einen Fußweg steht, führt entgegen dem ersten Anschein nicht über das ganze Grundstück Tannenstraße 11: „Der Weg endet am Spielplatz“, bestätigt die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer. Als bloße „Sackgasse“ sei er sinnlos.

An einer anderen Stelle will der Magistrat einen inoffiziellen Trampelpfad legalisieren. Betroffen ist das Grundstück „Am Schulwäldchen 7“, dessen Verkauf auch bei der Bürgerinitiative unumstritten ist. Die Abkürzung zur Darmstädter Straße erspart Fußgängern mehr als 200 Meter. Sabine Fischer: „Wir haben erkannt, dass sich dort eine Wegebeziehung ergeben hat und bauen diesen Weg im neuen Bebauungsplan ordentlich aus.“

Für Fußgänger und Fahrradfahrer bedeute die Planänderung also einen Gewinn: „Im Grunde genommen gibt es noch einen Weg dazu, den es früher nicht gab.“

Quelle: op-online.de

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