Gärtnerglück setzt fleißige Arbeit voraus

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Vorsitzender Detlef Weiß zeigt auf dem Rodgau-Plan, wo das Gelände des Kleingartenvereins „Auf der Höhe“ liegt. Mit im Bild (von links) die stellvertretende Schriftführerin Sigrid Ohls, Kassenwart Ilhan Dursun und der stellvertretende Vorsitzende Elias Feijoo Gomez.

Hainhausen ‐ Die Gärten sind verteilt, jetzt kann es losgehen. „Dann ab mit dem Spaten auf den Acker!“, rief Detlef Weiß, der Vorsitzende des neuen Kleingartenvereins „Auf der Höhe“, seinen Mitgliedern zu. Zuvor hatte das Los entschieden, wer welche der 56 Gartenparzellen bekommt. Von Ekkehard Wolf

Vor das Gärtnerglück haben die Götter den Schweiß gesetzt. Denn das, was einmal eine blühende Kleingartenanlage werden soll, ist bisher ein leerer Acker: ein ödes Stück Land, auf dem mit Holzpflöcken die Eckpunkte der künftigen Gärten markiert sind.

Heute treffen sich die angehenden Hobbygärtner, um die Standorte ihrer Gartenhütten festzulegen – „damit es eine Linie hat“, wie einer von ihnen sagt. Demnächst werden die ersten Termine für Gemeinschaftsarbeiten festgelegt. Denn wie frühere Siedler gemeinsam anpacken mussten, um das Land urbar zu machen, so müssen das auch die Kleingärtner tun. Allerdings geht es nicht ums Roden oder Umgraben, sondern schlicht darum, einen Zaun zu setzen: Maschendraht, 1,50 Meter hoch. Auf dass niemand Blumen oder Kürbisse klauen kann, wenn sie erst einmal gepflanzt sind.

Für Kleingärten gibt es hier zu Lande sogar ein Gesetz

Die große Freiheit auf der eigenen Scholle erwartet die Kleingärtner nicht. Noch vor den Pachtverträgen bekamen die Gärtner eine „Gartenordnung“ in die Hand gedrückt - vier Blatt Papier, die das Kleingedruckte regeln. Ein Beispiel: Hochstämmige Obstbäume, wie sie auf Streuobstwiesen ökologisch erwünscht sind, sind „Auf der Höhe“ verboten. Einzige Ausnahme: „Lediglich als Schattenspender für den Laubenvor- beziehungsweise Sitzplatz kann ein hochstämmiger Obstbaum gesetzt werden.“ Und so geht es weiter, vier Seiten lang.

Für Kleingärten gibt es hier zu Lande sogar ein Gesetz: Das Bundeskleingartengesetz von 1983 regelt in 21 Paragrafen viele Dinge haarklein. Laut Gesetz dienen Kleingärten dem Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf und der Erholung. Im Idealfall teilen Kleingärtner ihre Parzelle in drei gleiche Teile auf: einen Nutzgarten, einen Erholungsgarten mit Laube und Wiese und einen Ziergarten. Diese Drittelregelung hat sogar der Bundesgerichtshof bestätigt.

Bundeskleingartengesetz legt Größe der Gartenlaube fest

Die meisten Gärten „Auf der Höhe“ sind 210 Quadratmeter groß und kosten 73,50 Euro Pacht im Jahr. Die wenigen größeren Parzellen haben etwa 290 Quadratmeter. Das liegt deutlich unter der gesetzlichen Obergrenze von 400 Quadratmetern.

Das Bundeskleingartengesetz legt auch die Größe der Gartenlaube fest: höchstens 24 Quadratmeter. Dauerhaft wohnen darf man dort nicht. Deshalb hat das neue Kleingartengelände weder Wasser- noch Kanalanschluss. Um ihre Beete zu bewässern, müssen die Kleingärtner Brunnen bohren, wenn ihnen eine Regentonne nicht reicht. Ein Anschluss ans Stromnetz würde 25.000 Euro kosten. Das ist derzeit völlig illusorisch. Der Kleingartenverein hat zwar seit zwei Tagen ein Bankkonto, aber noch herrscht Ebbe in der Kasse.

Noch ist der junge Verein eine zusammengewürfelte Zufallsgemeinschaft. Die Mitglieder kommen aus allen Stadtteilen von Nieder-Roden bis Weiskirchen, nur wenige kannten sich schon vorher. Vorsitzender Detlef Weiß hofft, dass mit dem Wachstum der Pflanzen in den Gärten auch die Mitglieder des Vereins zusammenwachsen. Sein Ziel ist ein friedliches Miteinander: „Man will sich doch erholen und nicht Stress mit anderen Leuten haben.“

Quelle: op-online.de

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