Am falschen Ende gespart?

Gärtnerischer Missgriff am Ludwig-Erhard-Platz

Dudenhofen - Blühende Stauden und vertrockneter Rollrasen: Die kleine Grünanlage vor dem Kindergarten am Ludwig-Erhard-Platz bietet einen Anblick der Kontraste. Vor zwei Wochen, am 24. Mai, wurde sie im Auftrag der Stadt Rodgau neu bepflanzt. Von Ekkehard Wolf 

Wie braungelber Nadelfilz sieht der Rollrasen aus, nur einzelne Stellen sind grün. Das Foto entstand, bevor der Maibaum einem Sturm zum Opfer fiel.

Aber nur die Stauden bekamen auch das nötige Wasser zum Überleben. Der Rollrasen fiel der Sommerhitze zum Opfer. „Das ist traurig, es hätte nicht sein müssen“, sagt Sabine Kretschmer von den Stadtwerken, die viele öffentliche Grünflächen pflegen. Bereits am Tag der Pflanzung hatten ihre kommunalen Betriebe im Rathaus gefragt, ob sie neben den Stauden auch den Rasen wässern sollten. Die Antwort: Nein. Zwei Tage später bat die Stadtverwaltung den städtischen Eigenbetrieb, ob er die Bewässerung nun doch übernehmen könne. Aber zu diesem Zeitpunkt war das Gießfahrzeug gerade für eine andere Aufgabe umgerüstet: um die Sportplätze zu mulchen, ebenfalls im Auftrag der Stadt.
Der städtische Fachdienst 2 (Stadtplanung, Umwelt, Grünanlagen) und die Stadtwerke haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind den Bürgern verpflichtet und sollen möglichst sparsam wirtschaften. Das passt nicht immer zusammen. Die Stadtwerke bezahlen relativ hohe Löhne, weil ihre Mitarbeiter hoch qualifiziert und meistens nicht mehr ganz jung sind. Deshalb vergibt die Stadt viele Aufträge nicht mehr an ihren Eigenbetrieb, sondern an gewerbliche Unternehmen.

Gewässert und angewachsen: die Stauden am Gedenkstein.

Das kann auch schief gehen, wie der Ludwig-Erhard-Platz zeigt. Um die Kosten gering zu halten, erhielt die Gärtnerei nur den Auftrag für die Bepflanzung, aber nicht für die Anwuchspflege. Die Stadtwerke hingegen sollten nur die Stauden bewässern – in der Hoffnung, dass der Rollrasen schon irgendwie anwächst. Unglücklicherweise kam der Sommer dazwischen.

Zwei Wochen nach der verkorksten Pflanzung blühen die Stauden und der Rasen ist zum größten Teil vertrocknet. Nur an wenigen Stellen grünt das Gras. Dem stellvertretenden Vorsitzenden des Gewerbevereins Dudenhofen, Kurt Klein, treibt dieser Anblick die Zornesröte ins Gesicht: „Wir haben den ganzen Platz hergerichtet, damit er wieder bepflanzt werden kann.“ Der Gewerbeverein habe das Gestrüpp entfernt und den Platz eingeebnet. Und nun? „Der ganze Platz ist braun, der Rollrasen vertrocknet, weil man ihn nicht gegossen hat.“ Professionelle Pflege sehe anders aus.

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Die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer hat die undankbare Aufgabe, die Panne zu erklären: „Wir hatten mit der Gartenbaufirma keinen Pflegevertrag abgeschlossen, auch aus Kostengründen.“ Von Anfang an sei klar gewesen, dass die Stadtwerke die Stauden neben der Gedenktafel für den früheren Gemeindearzt Dr. Hermann Weinholz bewässern sollten. In Bezug auf den Rollrasen habe es jedoch Verständigungsschwierigkeiten gegeben: „Das ist ärgerlich, kann aber mal passieren.“

Nun lässt die Stadt auch den Rasen bewässern, um zu retten, was zu retten ist. Vielleicht sind die Graspflänzchen ja stark genug, um sich nach der Durststrecke wieder zu erholen, wie das nach einem trockenen Sommer üblich ist. Sollte das nicht klappen, müsste die Stadt die rund 100 Quadratmeter neu anlegen lassen. Dazu Sabine Fischer: „Nennen wir es: Lehrgeld bezahlen.“

Quelle: op-online.de

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