970 Sportler aus Baden erleben das Turnfest in vollen Zügen

Gäste fühlen sich in Rodgau wohl

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Luftsprünge macht eine junge Turnerin des SV Istein in der Sporthalle der Freiherr-vom-Stein-Schule.

Rodgau - Fast wie im Ferienhotel wurden Turnfestteilnehmer aus Südbaden am Samstag in der Freiherr-vom-Stein-Schule begrüßt: Blumen auf dem Tisch und eine Tüte Gummibären erwarteten sie in den Klassenzimmern der 1 b und 1 c, die ihnen für eine Woche als Schlafplatz dienen. +++ Fotostrecke +++ Von Ekkehard Wolf

Einen Willkommensgruß an der Wandtafel konnte man auch in der Klasse 4 a der Gartenstadtschule lesen: „Wir wünschen euch viel Spaß und Erfolg.“ Die Drittklässler am nächsten Flur hatten nicht mal ihre Tafel geputzt.

Das Organisationsteam der TG Nieder-Roden vor der Gartenstadtschule (von links): Elke Knecht, Helmut Reichenbach, Gerhard Keller, Horst Reichenbach, Maria Simon und Hubert Simon. Lea und Celine Gutacker (vorne) helfen fleißig mit. Fotos: Wolf

Etwa 970 Turnfestgäste kampieren diese Woche in vier Rodgauer Schulen, betreut von 270 ehrenamtlichen Helfern der örtlichen Turnvereine. Die Matratzenlager in Klassenzimmern und Turnhallen haben den Charme von Notunterkünften, aber sie erfüllen ihren Zweck. Uwe Gärtner vom TV Helmsheim erkundigte sich in der Gartenstadtschule gleich am ersten Tag, wo der Besen steht: „Unter der Woche sieht‘s hier aus wie Sau, aber wenn wir gehen, ist alles wieder sauber.“ Im Vergleich zu früheren Turnfest-Unterkünften habe man es diesmal gut getroffen: „Wir haben schon wesentlich schlechtere Schulen erlebt.“

Turnfestgäste schlagen ihr Lager in Rodgau auf

Sportler erleben Turnfest in vollen Zügen

Alles picobello sauber“, lobt auch eine Gruppenbetreuerin des SV Istein, die es sich mit ihren Schützlingen auf der Turnhallenbühne der Freiherr-vom-Stein-Schule gemütlich gemacht hat: „Das haben wir in Leipzig oder München ganz anders erlebt.“ Auch andere Turnfestgäste loben die sanierten Schulgebäude. Das wohl schönste Kompliment kommt von Daniel Philipp, einem jugendlichen Leichtathleten des TV Schwörstadt, der an der Aula der Georg-Büchner-Schule die Abendsonne genießt: „Wenn man einen Vergleich zu unseren Schulen anstellt, ist das wie Tag und Nacht - wobei hier der Tag ist.“ Hans-Joachim Klein aus dem gleichen Verein fühlt sich auch menschlich gut aufgehoben: „Die Leute sind hier so freundlich.“

Elke Rosskopf (rechts) und Irmgard Schmidt bereiten in der Schulküche der Georg-Büchner-Schule gemeinsam mit anderen TGS-Mitgliedern das Frühstück für 220 Sportler vor.

Viel Lob erntet die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach, die den Gästen den kürzesten Weg durch das Dickicht des S-Bahn-Netzes weist: „Damit Sie bei uns nicht ziellos herumturnen.“ Für jeden Stadtteil wurde ein eigenes Faltblatt gedruckt. „Das ist einzigartig, das gibt es nur im Kreis Offenbach“, lobt Peter Döbert, Vize-Vorsitzender der TGS Jügesheim.
Mit diesem Standard kann der RMV nicht mithalten. So schön die Pläne sind, so unzureichend war das Angebot an S-Bahn-Zügen am Pfingstwochenende. Die S-Bahn fuhr vormittags und spät abends im Stundentakt - so, als wäre hier nicht gerade die größte Sportveranstaltung seit Jahren. In den Kurzzügen nach Frankfurt gab‘s ab Jügesheim nur noch Stehplätze. Besucher der Eröffnungsfeier berichteten von chaotischen Zuständen bei der Heimfahrt. „Die S-Bahnen waren gesteckt voll, da ging niemand mehr rein“, schilderte Susanne Ludwig von der TGM SV Jügesheim. Dass die S-Bahn nach diesem Mega-Event nur alle 60 Minuten verkehrte, findet sie „ein starkes Stück“.

Als Empfangskomitee stehen Simone Freund, Jennifer Keck und Johannes Ricker (von links nach rechts) bereit.

Viele fleißige Helfer sorgen dafür, dass sich die Turnfestgäste in Rodgau wohl fühlen. Die TG Nieder-Roden hängte bunte Wegweiser vom Bahnhof zur Gartenstadtschule auf. Die TGM SV postierte Helfer an der S-Bahn-Station, um die Ankömmlinge in die richtige Schule zu schicken. Der Shuttle-Dienst der TGS zum Festzug wurde nicht in Anspruch genommen, die meisten Teilnehmer fuhren lieber mit der S-Bahn. Die letzten nahm Frank Eser vom Bahnhof im Auto mit, „weil sie so verloren rumstanden“. Auch in Frankfurt tragen die Rodgauer Vereine ihren Teil zur Turnfest-Atmosphäre bei. Nicht nur die Aerobicgruppe der TGM SV hat in dieser Woche einen vollen Terminplan.

Früh aufstehen heißt es für die Küchenteams der vier Vereine. Ab 5 Uhr stehen die Jügesheimer in der Küche, um riesige Kaffeemaschinen in Gang zu setzen und das Büfett vorzubereiten. Der TSV Dudenhofen fängt eine halbe Stunde später an, aber mit doppeltem Personaleinsatz: Zehn Leute wuseln durch die Schulcafeteria, um Aufschnittplatten, zwei Sorten Müsli, Frischobst und Getränke herzurichten. Kurze Aufregung: Beim Einschalten des Wasserkochers fliegt die Sicherung raus. Punkt 6 Uhr stehen die ersten Gäste mit Teller und Tasse in der Tür: „Beim Frühstück treffen sich Frühaufsteher und Spätheimkehrer“, witzelt ein erfahrener Turnfestteilnehmer.

Draußen lassen währenddessen zwei Helfer den Morgentau von den Festgarnituren ablaufen und wischen mit Schwammtüchern nach. „Das wäre aber nicht nötig, dass ihr die Bänke nass abspritzt“, meint ein Turner mit alemannischem Akzent. Und alle drei lachen.

Quelle: op-online.de

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