Gags, Gesang und etwas Glamour

Jügesheim ‐ Vom Kalauer bis zum geistreichen Humor: Die TGS-Fastnachter bieten in ihrem aktuellen Sitzungsprogramm Gags für jeden Geschmack. Der Glamour der Showbühne darf beim Motto „Las Vegas“ nicht fehlen. Aber auch Bodenständiges wie die lautstarke Guggemusik hat seinen Platz: Die Mischung macht‘s! Von Ekkehard Wolf

„Oh ihr Giesemer“: Während der Gugi den örtlichen Politikern ungewohnt zahm die Leviten liest, schlagen „En Haufe Leut“ umso deutlichere Töne an. Bei der Müllabfuhr, dem Aufreger des Jahres, bekommen die Hauptamtlichen des Rathauses ihr Fett weg. Da kann sich auch der Bürgermeister nicht mit dem Lieblingsspruch „Das ist Sache der zuständigen Dezernentin“ aus der Affäre ziehen: Bevor er mit dem Leiterwägelchen zum Geburtstagsgratulieren weiterziehen darf, wird er zappelnd von der Bühne getragen.

Es ist nicht der einzige Abschied an diesem Abend. Erinnerungen an die Kellerbar weckt die Büttenrede des Prinzenpaars. Wenn man sich im schummrigen Gedränge näher kam, machte es nichts aus, wenn das „Sahnehäubchen“ der Angebeteten in Wirklichkeit ein Mayonnaise-Fleck war. Vorbei ist vorbei: Für die Speisenausgabe in der Pause tut‘s auch eine improvisierte Theke im Saal.

Im Glitzerlicht der Lichterketten: Die Gesangsgruppe „Disharmonie“ im Baumarkt.

Die Stunde des Abschieds schlägt auch für Nobi Goergen, der fast 30 Jahre lang auf der Fastnachtsbühne aktiv war. Als „Barde aus Berlin“ war er Spezialist für subtile Nadelstiche. Wie er den Bundeswehreinsatz in Afghanistan mit dem Lied der Blechbüchsenarmee vertont, macht ihm so schnell keiner nach. Stehend applaudieren die Zuschauer im Saal, als er ohne Luft zu holen alle Minister der letzten Jahre im Schnelldurchlauf Revue passieren lässt. Eine letzte Spitze auf Kanzlerin „Angie“ darf nicht fehlen: „Mit ruhiger Hand und Phrasen hohl bist du Helmut-Gerhard Schröder-Kohl.“

Während Goergen selbst Ohrfeigen in streichelzarte Melodien verpackt, liebt Marcel Rupp das genussvolle Abwatschen. Da wird die Regierung zum „Gruselkabinett“ und Merkel zur „Mutti der unbefleckten Verhängnis“. Für die neue Seuche („18 Prozent haben jetzt FDP“) gibt es kein Gegenmittel und Witze über die SPD verbieten sich von selbst: „Das wäre Störung der Totenruhe.“

Einblicke ins Zentrum des Glücksspiels

Das Fastnachtsmotto „Las Vegas“ liefert Stoff für Shows und Tänze. Mit Tempo und Temperament wirbeln zwei junge Tanzgruppen über die Bühne: die „Icing Sugar Donuts“ als Bräute und „Taktlos“ als wilde Cowboyhorde mit akrobatischen Einlagen und einer filmreifen Prügelei. Den Magier David Copperfield verkörpert Christopher Sattler mit seinen „Marionetten“. Ein Feuerwerk an Hits und Evergreens mit eigenen Texten zünden die Mädchengesangsgruppe „SMS“ und die „Bachbriggebaabambeler“ in ihren Shows.

Einblicke ins Zentrum des Glücksspiels bieten Stefan Schmidt und Sebastian Mahr: Ihre Geheimtipps für Sportwetten werfen ein Spot(t)licht auf den Sportbetrieb, bei dem auch unsportliche Zuschauer viel zu lachen haben.

Marcel Rupp - diesmal im Häschenkostüm.

Das Zwerchfell vibriert auch bei der Gesangsgruppe „Disharmonie“ mit ihrer neuesten Variante des Themas „Männer im Baumarkt“. Den sieben Akteuren gelingt es, sogar premierenbedingte Pannen in spontane Gags zu verwandeln. Für die Wortschöpfung „Doppelflanschmuffenadapter“ haben die Texter sowieso eine Auszeichnung verdient. Bütten-Ass Frank Eser läuft zu später Stunde nochmals zu Hochform auf, wenn er als Strohwitwer vom alltäglichen Wahnsinn in Familie und Haushalt erzählt.

Erstmals auf der Narrenbühne steht die junge Solosängerin Franziska Langer, die bereits im Sommer beim Kabarett von „En Haufe Leut“ zu hören war. Diesmal singt sie in bester TGS-Tradition ein Loblied auf die Fastnacht„Sieben Mal musst du zur Sitzung gehn, sieben Mal den Rathaussturm ansehn, sieben Mal beim Prinzenwecken sein, dann bist du in Giesem nicht allein.“ Hellau!

Quelle: op-online.de

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