Ganz Giesem auf der Gass‘

+
Die Zauberer des RCC Knallkepp zauberten diese Häschen aus dem Zylinder.

Jügesheim ‐ Hunderte von Narren im Fastnachtszug und Tausende am Straßenrand lachten gestern mit der Sonne um die Wette. „Bei dem Wetter machen wir heute drei Runden“, strahlte Prinzessin Elisabeth I. aus der überdimensionalen Blüte heraus, die sie sich mit ihrem Prinzen Matthias III. teilte. Von Ekkehard Wolf

Dass es trotz aller Euphorie schließlich doch bei einer Runde blieb, wer will‘s den Akteuren verdenken? Nach 3 333 Metern Zugweg sind die Kamellenschachteln leer, die Beine müde und die Stimmen heiser vom vielen „Giesem hellau!“.

Spaß hat‘s gemacht, da waren sich zum Schluss wohl alle einig. Viele Zuschauer wollten den Umzug ein zweites Mal sehen und wanderten quer durch den Ort auf der Suche nach einem zweiten Standplatz. Und bei den Akteuren auf der Straße vergeht sowieso einige Zeit, bis das Hochgefühl wieder abflaut.

An den bunten Fußgruppen konnte man sich kaum satt sehen. Sonnenblumen und summende Bienen brachten gleich am Anfang einen Hauch Frühling auf die Gass‘. Mit „Bauer sucht Huhn“ hatte die SG Nieder-Roden die Lacher auf ihrer Seite. Und beim „Burgspektakel“ der Kita Burg Schlotterstein rieb sich der Ansager am Bahnhof verwundert die Augen: „Fangen jetzt schon die Kindergärten mit Motivwagen an?“

An die Fußball-WM in Südafrika erinnerte der Judoclub Nippon mit dem Waka-Waka-Tanz. Noch aktueller war die Gruppe „Die ohne Namen“ mit Euro-Päckchen und Goldbarren: „Sparpakete aus Berlin heute durch die Gassen zieh'n.“ Der RCC Knallkepp fuhr gar mit „Karl-Theodor Pinocchio“ durch den Ort, umringt von Kobolden und Elfen aus dem Zauberwald. Als „Kreaturen der Nacht“ waren Wolf und seine Freunde dabei.

Manche der 58 Zugnummern transportierten eine Botschaft - etwa die Fußgruppe der Suppenküche „5 und 2“ aus Nieder-Roden. Nicht nur in der fünften Jahreszeit bietet die Suppenküche „Warmes für Leib und Seele“. Mit „Jahrhundertköchen“ warb der Radfahrerverein Germania für seine Veranstaltungen zum 100. Jubiläum. Die TG Hainhausen machte auf ihr 125. Jubiläum im Juni aufmerksam. Die Theatergruppe „Großes Welttheater“ bot einen kleinen Vorgeschmack auf ihr große Inszenierung „Fata Rotaha“ im Sommer.

Noch einmal gab es ein Wiedersehen mit den Motiven der Fastnachtssitzungen. Die TGM SV Jügesheim entführte die Zuschauer in die Wasserwelt - mit Tauchern, Aquarien und fröhlich-bunten Kraken. Das SKV-Laternche grüßte per Raumschiff vom anderen Stern. Mit Pinguinen und kleinen Köchen marschierte die TGS-Jugend mit. Die Erwachsenen des Vereins setzten ihr Traumschiff-Motto in Kostümgruppen um. Ein Hingucker waren die Liegestühle auf dem Sonnendeck.

In 80 Tagen um die Welt reiste der Kreppelkaffee aus Nieder-Roden. Die Kreppelfrauen gingen an prominenter Stelle im Fastnachtszug mit: unmittelbar hinter dem Rodgau-Prinzenpaar. Kein Wunder, schließlich steht die Wiege der Prinzessin beim Kreppelkaffee.

Zweieinhalb Prinzenpaare schauten diesmal huldvoll auf das Narrenvolk herab. Neben dem Rodgau-Prinzenpaar sind auch die Tollitäten der Dietzenbacher Tanzgarde gern gesehene Gäste in Jügesheim. Ein eigener Wagen war dem Motto „55 Jahre Prinz Herbert gewidmet“ - Herbert Berg hatte 1955/56 das närrische Volk regiert.

Mit vollen Händen wurden Bonbons und Popcorntüten ausgeworfen. Zusätzlich gab es Kühlschrankmagnete und Zahnpflege-Kaugummis, Mini-Kochbücher samt Einwegschürzen, Teebeutel und Kühlschrankmagnete. Mancher ergatterte eine Haarbürste mit Wildschweinborsten - oder er bekam feierlich eine Klobürste überreicht.

Das lustige Treiben hatte auch eine ernste Seite.Die langjährige „Zugchefin“ der IGEMO Jügesheim, Melanie Meyer-Marbach, war diesmal nicht dabei. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, sie seit gestürzt und liege mit zwei gebrochenen Händen im Krankenhaus. Ein Anruf bei ihrer Tochter brachte traurige Gewissheit. Der Unfall war passiert, während sich die Fastnachter gerade zum Umzug aufstellten.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare