Die ganze Wohnung am Haken

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Früh übt sich, wer ein Meister werden will: Auch die Kinder zeigten, dass sie mindestens genauso gut fahren und rangieren konnten wie die Erwachsenen.

Weiskirchen (as) ‐ Rückwärts einparken oder um die Ecke fahren ist für viele ein eher unerfreulicher Bestandteil der Führerscheinprüfung und auch im normalen Verkehrsalltag nicht jedermanns Sache.

Doch es gibt noch eine Steigerung, zum Beispiel wenn am Auto ein Wohnwagen hängt. Bei der dritten „Spargelrallye“ der Camping- und Caravanfreunde Rodgau (CCR) wurden auf dem Parkplatz des Bürgerhauses Weiskirchen die Hessischen Meisterschaften imCaravan-Geschicklichkeitsfahren ausgetragen. Auf einem Parcours konnten die 35 Teilnehmer zeigen, dass das millimetergenaue Einparken zwar kein Kinderspiel ist, aber schließlich doch funktioniert und das Rangieren des langen Gefährts durch verschiedene Spuren neben guten Nerven viel Konzentration und Übersicht erfordert.

Dass auch die kleinsten Camper den Großen in nichts nachstehen, demonstrierten die Kinder in einem eigenen Caravanturnier. Auf einem Kettcar, versehen mit zwei großen Außenspiegeln und einem Mini-Wohnwagen kurvten die Nachwuchsfahrer unter dem Beifall vieler Zuschauer aufmerksam um die aufgestellten Hütchen, parkten ein und hatten dabei sichtlich ihren Spaß.

Knapp 100 Personen waren in 34 Wohnwagen und Wohnmobilen aus ganz Deutschland angereist. Auch aus Holland kamen zwei Teilnehmer, die für die Veranstaltung gern 450 Kilometer auf sich nahmen. Im Vordergrund stand das gemütliche Beisammensein. Neben einer Radtour, einer Stadtführung durch Seligenstadt und einem Tischtennisturnier sorgten auch die CCR-Fastnachter für lustige Unterhaltung und Karaoke-Musik. Und was wäre eine „Spargelrallye“ ohne Spargel? Leckere Gerichte wie Spargeltoast, Schnitzel oder Schinken mit Spargel, Spargelsalat, selbst gemachte Pommes und vieles mehr versorgte die zufriedenen Gäste auch kulinarisch.

Mit von der Partie war auch Erna Lips (79) aus Dudenhofen, die seit 1956 Mitglied im Deutschen Camping-Club ist. „1948 war ich das erste Mal Zelten und bin davon nicht mehr losgekommen“, sagt sie. Auch ihr Sohn Eduard Gerhardt liebt das Campingleben und die damit verbundene Freiheit: „Man hat seine ganze Wohnung am Haken.“

Zusammenkunft steht im Vordergrund

„Unsere Veranstaltung steht unter dem Motto der Völkerverständigung“, sagte CCR-Vorsitzender Norbert Mittelstädt. In der ursprünglichen Bedeutung des Wortes „Rallye“ stehe nicht die „Konkurrenz“, sondern die „Zusammenkunft“ im Vordergrund. Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl ist auch für die zweite CCR-Vorsitzende Michaela Bleyel das Besondere am Campen mit dem CCR. Durch die vielen organisierten Treffen hat sie zahlreiche Camper kennen gelernt.

Die „Camping- und Caravanfreunde Rodgau“ wurden vor elf Jahren gegründet. Jeden ersten Dienstag im Monat treffen sich die 34 Mitglieder und besprechen ihre gemeinsamen Fahrten oder die vielen weiteren Aktivitäten, wie den zweimal im Jahr stattfindenden Flohmarkt im Bürgerhaus Nieder-Roden, Kegelabende, Radtouren und Winterwanderungen. Während andere Vereine Hilfe und Unterstützung aus den eigenen Reihen, etwa bei Veranstaltungen, vermissen, herrscht beim CCR ein großer Zusammenhalt. Jeder ist für jeden da. „Das ist eine Erfahrung, die ich vorher so nicht kannte“, sagt Norbert Mittelstädt.

Einen eigenen Campingplatz haben die Rodgauer bewusst nicht. Lieber setzen sie sich in ihre Wagen, fahren davon und besuchen gerne auch die Treffen anderer Vereine. So waren sie kürzlich in Polen oder bei der Spreewald-Rallye. Ziele gibt es genug. Aber darum geht es im Grunde gar nicht, wie Norbert Mittelstädt betont. „Für uns ist der Weg das Ziel.“

Quelle: op-online.de

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