Nicht zu früh abschneiden

Gartenfachbetriebe werben für bienenfreundliches Gärtnern

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Erica gracilis ist im Herbst eine ausgezeichnete Nahrungsquelle für Bienen, während die beliebte Sommerheide dafür untauglich ist, da sie als Knospenblüher ihre Blüten nicht öffnet.

Dudenhofen -  Die Gärtnereifachbetriebe Fischer und Gartenbau Wolf nehmen an der landesweiten Aktionswoche „Bienenfreundliches Hessen“ teil. Von Bernhard Pelka 

Vom 12. bis 19. August stehen Fischers Experten in der Gärtnerei an der Blumenau zu Beratungsgesprächen über bienenfreundliche Pflanzen bereit. Am 14. August weist Joachim Wolf in seinem Betrieb am Opel-Prüffeld mit einer Veranstaltung auf die große Tragweite dieses Themas hin. Für beide Gärtnereien ist es Alltag, die Kunden auf die Bedeutung bienenfreundlicher Pflanzen hinzuweisen. Mit ihrer Teilnahme an der Aktionswoche wollen Ralf und Bernd Fischer und Joachim Wolf diesem Werben für Natur und Umwelt nochmals Nachdruck verleihen.

Deutlich wird dabei werden, dass sterile und puristische Gärten der Natur keinen Gefallen tun. Denn Bienen und andere bestäubende Insekten finden dort kaum Nahrung. „Zu solchen Gärten wollen wir einen Kontrapunkt mit unserer Beratung setzen“, erläutert Ralf Fischer und wirbt für die Vorzüge der früher populären Bauerngärten. Er weist auf das globale Gewicht dieses Themas hin. „Ohne Bienen geht gar nichts. In China werden Pflanzen in manchen Landstrichen teils schon von Hand bestäubt, weil keine Bienen mehr da sind.“

Was kann Otto-Normal-Gärtner für die fleißigen Honiglieferanten tun? Fischer nennt einen Kardinalfehler, den viele im Garten begehen: „Es wird zu früh abgeschnitten, damit es schön ordentlich aussieht.“ Basilikum etwa blüht nach einer Weile ganz wunderbar – und hat trotzdem noch zarte Blättchen übrig für den Salat. Die Basilikumblüten sind für Bienen eine ausgezeichnete Nahrungsquelle.

Leicht zu pflanzen, bei Fischer zu haben, und bienenfreundlich sind außerdem: Staudenveronica mit herrlichen violetten Kerzen, Boretsch, Salbei, Sonnenhut, Lavendel, Mädchenauge, Verbenen, Vanilleblumen, Gänseblümchen, Steinkraut und Bidens. Nicht zu vergessen die Frühblüher wie Stiefmütterchen und Primeln. Vieles davon eignet sich auch für Balkonien.

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Mit bienenfreundlichen Pflanzen muss Ende des Sommers übrigens nicht Schluss sein. Hier kommt dann Eriken-Fachmann Wolf ins Spiel. In seinem Betrieb wachsen Zehntausende Erikapflanzen bis zur Blüte für den Großhandel heran. Wolf rät: „Während die Sommerheide als Knospenblüher für Bienen nicht geeignet ist, ist die Erica gracilis mit ihren offenen Blüten von September bis Dezember eine ausgezeichnete Nahrungsquelle in der späten Jahreszeit.“ Vom Frühjahr bis in den Spätherbst gibt es also immer Pflanzen, die Bienen satt machen. Man muss nur wissen, welche das sind. Fischer und Wolf klären darüber während der Aktionswoche im August auf.

Umweltministerin Priska Hinz hat die Bienenkampagne im Frühjahr 2017 gestartet. Ziel ist es, die Situation für Honigbienen (Apis mellifera) und andere bestäubende Insekten wie Hummeln, Schmetterlinge oder Schwebfliegen in Hessen weiter zu verbessern. Da es dabei vor allem um Landwirtschaft und Gartenbau geht, sind neben dem Landesverband Hessischer Imker, der Hessische Bauernverband, die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen, der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen, das landeseigene Bieneninstitut, der deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund und das Netzwerk Blühende Landschaft Partner der Kampagne.

Mit verschiedenen Maßnahmen versuchen die Aktionspartner, Verbesserungen für Bienen zu erzielen. So startet beispielsweise ein Modellprojekt, das bienenfreundliche Alternativen zum Maisanbau für die Energieerzeugung erprobt. Zahlreiche Veranstaltungen sollen zudem in der bienenfreundlichen Aktionswoche Mitte August Wissen über Bienen vermitteln, zum Nachmachen anregen und den Austausch fördern.

Quelle: op-online.de

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