Zukunft für Gaststätte im Bürgerhaus

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Für die Gaststätte im Bürgerhaus Dudenhofen ist das Glas nicht mehr halb leer, sondern halb voll: Eine Sanierung des Lokals ist so gut wie sicher. Die Stadt muss nur noch einen Wirt finden.

Dudenhofen - Die Gaststätte im Bürgerhaus Dudenhofen hat wieder eine Zukunft, obwohl sie seit einem Jahr leer steht. Alle Fraktionen des Stadtparlaments wollen das Restaurant sanieren und mit einem neuen Wirt wieder eröffnen.

Über den Umfang der Sanierung und die Bedingungen für den Pächter entscheiden sie am 18. März. Zwei Vorschläge liegen auf dem Tisch. Die CDU will das Restaurant in der bisherigen Form erhalten und um einen Biergarten ergänzen. Baukosten: höchstens 250.000 Euro. Die Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern will „ein modernes Wirtshaus verkleinerten Zuschnitts“ für bis zu 180.000 Euro. Wie sie die Baukosten reduzieren will, ist unklar.

Beide Seiten wollen die Baukosten im Lauf der Zeit über den Pachtzins wieder hereinholen, um die Steuerzahler auf Dauer nicht zu belasten. Während die CDU von einer „angemessenen Refinanzierung“ spricht, strebt die Kooperation einen „marktüblichen Pachtpreis“ an, der die Investition innerhalb von 15 Jahren ausgleicht. Allerdings hat bisher kein Bürgerhauswirt so lange durchgehalten.

Jürgen Kaiser (SPD) bezifferte einen sinnvollen Pachtzins am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss mit 1000 Euro im Monat: „Mehr ist nicht zu erwirtschaften.“ Der bisherige Pächter bezahlte 950 Euro plus 450 Euro Nebenkostenpauschale. Diese Pauschale war gering kalkuliert, allein der Stromverbrauch lag weit darüber. Ein künftiger Wirt soll laut Kooperation die vollständigen Nebenkosten tragen. Von der Gaststätte allein kann ein Bürgerhauswirt kaum leben, wie Gastronomie-Gutachter Rainer Plappert (Dietzenbach) in einem Gutachten für die Stadt Rodgau ermittelt hat. Der wirtschaftliche Erfolg hängt demnach auch vom Zusatzgeschäft im Saal und den Nebenräumen ab.

CDU für bisherige Regelung

Die CDU will im Interesse der ortsansässigen Vereine bei der bisherigen Regelung bleiben: Bei Veranstaltungen sollen Vereine auch künftig ihre Gäste mit Speisen und Getränken bewirten dürfen. Im Gegensatz dazu will die Viererkooperation Bedingungen schaffen, die für den Wirt auf Dauer auskömmlich sind. Erstens soll dem Wirt das gesamte Bürgerhaus an mindestens 15 Wochenenden im Jahr zur exklusiven Nutzung zur Verfügung stehen. Zweitens sollen Vereine verpflichtet werden, warme Speisen oder ein Büfett über den Wirt zu beziehen; dafür können sie weiterhin Getränke und Gebäck verkaufen.

Mehr als eine Stunde lang diskutierten die Stadtverordneten im Haupt- und Finanzausschuss über diese beiden Anträge – ein Vorgeschmack auf die Debatte am 18. März in der Stadtverordnetenversammlung. Während der CDU-Antrag seit Oktober bekannt ist, legten SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler ihren Antrag erst kurzfristig vor. „Es hat zwar etwas länger gedauert, aber ich glaube, dass wir hier sehr sorgfältig gearbeitet haben“, formulierte Ralf Kunert (SPD). Otto Melzer (ZmB) vermutete dahinter böse Absicht: „Das soll wohl ein Überraschungseffekt sein.“

Clemens Jäger (CDU) warf der Kooperation vor, mit Herrschaftswissen hinter dem Berg zu halten. Der CDU-Antrag zum Umbau für 250 000 Euro basiere auf einer Kostenschätzung des Magistrats. Eine Verkleinerung der Gaststätte müsse öffentlich diskutiert werden, da sie möglicherweise massive Eingriffe in die Architektur oder die Nutzung des Gebäudes bedeute: „Wenn die frei werdenden Räume für eine Krokodilfarm vermietet werden, dann würde ich das gerne vor der Beschlussfassung wissen.“ Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) erklärte dazu, der Magistrat beabsichtige weder eine Verschandelung noch eine Zweckentfremdung des Bürgerhauses.

Gespräche mit drei Interessenten

Redner beider Seiten wiesen in der Diskussion auf die Gemeinsamkeiten ihrer Anträge hin. „Je länger wir diskutieren, umso weiter driften wir auseinander“, sagte Kaiser (SPD) bedauernd. Jäger (CDU) bezeichnete es als fragwürdig, ob die Bürgerhausgaststätte wirklich auf den Saal angewiesen sei. Winno Sahm (Grüne) warf der Union hingegen vor, mit einem irrealistisch hohen Pachtzins zu rechnen.

Die Zukunft der Bürgerhausgaststätte ist nicht nur eine theoretische Frage. Der Magistrat führe Gespräche mit drei Interessenten, sagte Erster Stadtrat Michael Schüßler. Jede Parlamentsfraktion könne mit jedem Gastronomen und jeder Brauerei reden, „aber das Verhandlungsmandat hat immer noch der Magistrat“.

Das Thema beschäftigt die Kommunalpolitiker und die örtliche Vereinswelt seit weit mehr als einem Jahr. Bereits 2011 hatte der Magistrat ein Gutachten zur Neuausrichtung der Gastronomie in Auftrag gegeben. Auf Wunsch des Wirts wurde der Pachtvertrag Ende Februar 2012 vorzeitig beendet. In einer makabren Grabkreuz-Aktion meinten anonyme Protestler damals, die Verantwortlichen hätten die Gaststätte sterben lassen.

(eh)

Quelle: op-online.de

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