Geburtstag des Wanderclubs Edelweiß

1200 Wanderungen gepackt

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Auch das Mandolinenorchester feiert 90-jähriges Bestehen.

Dudenhofen - Zwölf junge Männer haben vor 90 Jahren den Wanderclub Edelweiß gegründet. Damals war das ein so genannter „Bubenverein“. Heute verbindet man mit dem Club nicht nur schöne Wandertouren und kulturelle Erlebnisse.

Denn zu seinen Aushängeschildern gehört seit jeher auch ein hessenweit anerkanntes Mandolinenorchester. „Die Geschichte des Vereins hat der Großteil unserer Mitglieder geschrieben“, betonte Petra Haller als Vorsitzende zur akademischen Feierstunde anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Vereins. Nur mit viel körperlichem Einsatz, Wissen und Erfahrung sei der Verein das geworden, was er nun ist.

Das Festwochenende rund um das Wanderheim an der Gänsbrüh begann mit dem Mandolinenorchester, das seit Anfang an mit dabei war und daher ebenso Geburtstag feierte. Gegründet wurde der Verein am 1. Juli 1923 von zwölf jungen Männern als „Bubenverein“, damals waren ausschließlich junge Männer Mitglied. Bis zum Jahresende kam der Verein bereits auf 26 Mitglieder. Der ersten wirklich großen Herausforderung stellten sich die jungen Gründer im Alter zwischen 15 und 20 Jahren, als sie im Inflationsjahr 1923 eine Mandoline für 40 000 Mark erwarben. Von nun ab war gepflegtes Wandern mit Zupfmusik das Ziel des jungen Vereins geworden.

Die Fleißigen Helferinnen rollen im Keller Knödel.

Die erste große Wanderung führte den Verein an Pfingsten 1924 nach Heidelberg, mit dabei auch 25 Zupfmusikspieler. Waren es nach zehn Jahren erst 54 Mitglieder, wuchs der Verein trotz nationalsozialistischer Auflösungsversuche auf rund 200 Wanderfreude an. Der Verein blühte auf, eine Tanzgruppe wurde gegründet und es wurden nun auch junge Mädchen musikalisch ausgebildet. 1950 trat man aus dem Odenwaldclub aus und wanderte nun ohne Dachverband, bevor man sieben Jahre später in den Spessartbund Aschaffenburg eingetreten ist. Auf Tannenäckern entstand später das Vereinsheim des Clubs, der Rohbau war bis 1960 fertiggestellt. Knappe 15 Jahre später wurde das Wanderheim um einen Gaststättenbereich erweitert. In den letzten Jahren erfolgte der Ausbau der Kellerräume. Neue Fenster und ein wärmedämmendes Dach gibt es nun.

Heute verfügt das Mandolinenorchester über 25 aktive Spieler. Es ist offen für Neu- und Wiedereinsteiger, der Wanderverein insgesamt beherbergt 290 Mitglieder. „Wir leben noch, auch mit 90 Jahren“, zog Haller stolz Bilanz über den noch immer aktiven Verein, der inzwischen auch neue Ideen und Veranstaltungen entwickelt.

„Wandern im 21. Jahrhundert ist zeitgemäß, gesund, naturnah“, so fassten es die Wanderfreunde aus dem Gau Seligenstadt zusammen.

Wandern und Mandolinenmusik, das gehört beim Edelweiß einfach zusammen. Allerdings nicht mehr in der Form wie damals. „Wandern und gleichzeitig Mandolinenmusik spielen, das klappt heute wohl nicht mehr“, scherzte Petra Haller und schaute sich zu ihrem Orchester um. Schirmherrin Claudia Jäger, die Erste Beigeordnete im Kreis Offenbach, fand aber schnell Gefallen an der Idee, die es sich doch lohnen würde, einmal wieder auszuprobieren. Zumindest für die Dame mit dem großen Kontrabass dürfte das jedoch eine echte Herausforderung werden.

Walter Friedrich

„Der Verein ist sehr gut in die Vereinslandschaft integriert“, stellte auch Bürgermeister Jürgen Hoffmann dem Wanderclub ein sehr gutes Zeugnis aus. Das würde man etwa daran erkennen, wie viele Helfer anderer Vereine zum Fest mit anpacken. Er dankte den vielen Ehrenamtlichen der vergangenen neun Jahrzehnte und wünschte dem Verein weiterhin Tatkraft und Nachwuchs. Als ältestes Mitglied mit der längsten Mitgliedschaft war natürlich auch Walter Friedrich bei der Feier mit dabei. Bekannt als „Schlosser Friedrich“ war der nun 93-Jährige zehn Jahre lang erster Wanderführer bei Edelweiß und kommt auf insgesamt 75 Mitgliedsjahre.

Nach geschätzten 1200 Wanderungen ist er zwar beim Wandern nicht mehr aktiv, dem Verein aber noch immer treu und auf Veranstaltungen stets anzutreffen. Als einen von vielen Höhepunkte in der Vereinsgeschichte erinnert er sich noch genau an den Bau des Wanderheimes. Das war damals ein großer Schritt voran.

Wolfgang Linke von der IGEMO Dudenhofen übermittelte die Glückwünsche der Vereine und freute sich schon auf „das große Knödel-Happening“ am gestrigen Sonntag und lobte damit nicht nur das tolles Orchester, sondern auch die großartigen kulinarische Genüsse und Veranstaltungen des Wanderclubs. Mit den traditionellen Zwetschgenknödeln ging es am Sonntag den auch munter und lecker weiter.

„Oweia“ murmelten die Helfer an der Essensausgabe beim Anblick der langen Schlange. „Oh lecker!“, freuten sich die vielen hungrigen Besucher auf ihre Knödelspezialität. Sie konnten es kaum abwarten. J pep

Quelle: op-online.de

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