Gelände wird untersucht

Gefährliche Altlasten in ehemaliger Rußbude?

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Was hat der heutige Besitzer mit dem Grundstück und den Gebäuden der ehemaligen Rußbude vor? Das möchte die ZmB-Fraktion vom Magistrat wissen. Ovales Foto: Markieren die gelb besprühten Pflöcke im Rasen, wo nach Schadstoffen gebohrt wird?

Hainhausen - 19 Monate nach Betriebsschließung lässt das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) das Gelände der ehemaligen Rußfabrik auf Schadstoffe untersuchen. Dazu zählen Rammkernsondierungen und die Einrichtung von vier zusätzlichen Grundwassermessstellen.

Eine Grundwassersanierung läuft bereits seit 1996. Mehr als 80 Jahre lang wurde in der Hainhäuser Rußbude Flammruß für Lacke, Farben und zur Einfärbung von Beton produziert. Im September 2015 war der Ofen dann allerdings aus. Der damalige Betreiber zeigte beim RP die Betriebsstilllegung an. Im November 2016 war beim RP zusammen mit dem heutigen Geländeeigentümer, dem amerikanischen Chemiekonzern Albemarle Corporation, respektive dessen holländischer Tochter Albemarle Netherlands, eine Anhörung. Es ging darum, wie man Gefahren erkundet, die von Altlasten auf dem Grundstück ausgehen. Verabredet wurden die Rammkernsondierungen zur Ermittlung des Schadstoffpotenzials und die Einrichtung von vier zusätzlichen Grundwassermessstellen.

Um die Zukunft des Areals macht sich nun unter anderem die Stadtverordnetenfraktion von „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) Gedanken und wiederholt Fragen, die unsere Zeitung schon vor eineinhalb Jahren teils aufgeworfen hatte.

In einer parlamentarischen Anfrage an den Magistrat will die Fraktion wissen, was mit der Rußfabrik geschieht. So fragt ZmB, wie die aktuellen Messwerte der krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) im dortigen Grundwasser sind. Der letzte bekannte Wert sei mit 10 000 Mikrogramm pro Liter „um das Hunderttausendfache höher als der in der Trinkwasserverordnung festgelegten Höchstwert“, erläutert ZmB in einer Pressemitteilung.

Aus für Rußfabrik in Hainhausen: Bilder

Sorge bereiten der Fraktion auch die Kosten. „Das Abpumpen und die Entsorgung des Grundwassers verursacht Kosten. Diese sollten vom bisherigen Betreiber bezahlt werden, so der Regierungspräsident in Darmstadt. Wir befürchten, dass im Laufe der nächsten Jahrzehnte, denn so lange muss das Grundwasser abgepumpt werden bis der Zielwert von 0,2 Mikrogramm PAK pro Liter erreicht wird, der ehemalige Betreiber durch Verkauf, Übernahme, Konkurs oder Ähnliches nicht mehr greifbar sein wird und dann die Allgemeinheit bezahlen muss“, schreibt Fraktionsvorsitzender Johannes Pickert. ZmB möchte deshalb wissen:

- Wer ist für die Grundwassersanierung verantwortlich und kommt zurzeit für diese Kosten auf?

- Das Grundstück und die Gebäude gingen letztendlich von der Firma Rockwood an die Albemarle Corporation über. Ist dem Magistrat bekannt, was diese Firma mit den Gebäuden und dem Grundstück vorhat? Wenn ja, was?

- Befürchtet der Magistrat, dass durch weitere Übertragungen und Verkäufe mit der Zeit die Verantwortung für das kontaminierte Gelände „verloren“ geht und die Allgemeinheit (Stadt, Kreis oder Land) dafür zahlen muss?

- Die Werte der krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) lagen zeitweise bei 10 000 Mikrogramm pro Liter. Wie oft wird das abgepumpte Grundwasser beprobt und welche Werte hatten die letzten drei Proben?

- Was steht im Altflächen-Informationssystem Hessen über diese Altlast?“

Mit Antworten des Magistrats rechnet ZmB spätestens in 30 Tagen. Diese Frist ist satzungsgemäß vorgeschrieben. Die Fabrik in der Rodau-Aue ist älter, als die im Zuge der Kunstaktion „Kunst vor Ort im Kreis Offenbach“ von dem Rodgauer Künstler Gerd Steinle gestaltete Fassade vermuten lässt. Die Angaben schwanken zwischen 1889 und 1928. Die älteste bekannte Betriebserlaubnis stammt vom 2. Juli 1932. (bp)

Quelle: op-online.de

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