Gefährliche Schönheit

+
Ist in der Hand vielleicht ein Leckerli versteckt? Isabell Buttler und Guido Kugolowski vermeiden bei der Tierfütterung das giftige Jakobskreuzkraut.

Weiskirchen - (pul) „Der gelbe Tod hält Einzug auf den Weiden“, warnt Guido Kugolowski vom Birkenhof alle Pferdebesitzer und Rinderhalter. Das Jakobskreuzkraut breite sich auf den Weiden aus und kaum ein Pferdehalter kenne die Gefahr.

Irreparable Leberschäden können die Folge des Verzehrs sein. Nur rechtzeitiges Ausreißen der Pflanze schützt die Tiere auf der Weide.

Bei meinen Kontrollfahrten sehe ich viele Pferde auf Koppeln und Weiden mit einem sehr hohen Bestand an Jakobskreuzkraut“, erklärt Guido Kugolowski. Er will Tierhalter warnen und Erkrankungen vermeiden. Auf der Weide meiden viele Pferde das Kraut noch: Die Bitterstoffe schrecken die hungrigen Mäuler ab. Aufbereitet im Heu geht der bittere Beigeschmack aber verloren; die Tiere erkennen die Gefahr dann nicht mehr.

Gegen das gelb leuchtende Kraut ist ist kein Kraut gewachsen...

Der Anblick des Jakobskreuzkrauts täuscht Menschen über seine Giftigkeit hinweg. „Manche Gemeinden mähen am Straßenrand drum herum, weil es so schön aussieht, fast wie eine Herbstaster“, erklärt Karin Ose Röckseisen vom Verein „Arbeitskreis Kreuzkraut“, der sich dem Kampf gegen das giftige Gewächs verschrieben hat.
Gegen das gelb leuchtende Kraut ist kein Kraut gewachsen. „Es gibt kein chemisches Mittel gegen das Jakobskreuzkraut“, hat sich Kugolowski bereits erkundigt.

Mehr Infos auf der Homepagedes „Arbeitskreises Kreuzkraut“

Allerdings hat das Veterinäramt des Kreises Offenbach bisher keine Erkenntnisse über verendete Tiere. Dies erklärt Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf auf Anfrage. Auch die Gefahr, dass die Giftstoffe über das Fleisch geschlachteter Rinder zum Menschen gelangen, schließt das Veterinäramt aus. „Die Toxizität wird von der Leber abgewickelt“, heißt es aus Dietzenbach. Der Fleischbeschauer erkenne die erkrankte Tierleber und vernichte sie.

So sehen die unscheinbareren Blätter des giftigen Gewächses aus.

Auf dem Birkenhof, wo etwa 20 Pferde eine Heimat haben, herrscht trotzdem große Sorge. Die Tierfreunde helfen sich deshalb mit Arbeitstrupps selbst. Mit Handschuhen geschützt, gehen sie alle drei Wochen zur Suche auf die Weide. Das Kraut wird mit der Wurzel ausgerissen und landet in der Verbrennungsanlage. „Nicht auf den Kompost werfen“, warnt Guido Kugolowski: Die Samen nutzen den Wind zur Verbreitung. Bei der Suche nach der Pflanze sind natürlich auch Pferdehalter wie Isabell Buttler (29) aktiv, die verständlicherweise Angst um ihr Pferd hat. Wenn Symptome wie Kraftlosigkeit bei Pferden auftreten, ist es schon zu spät. Die Leber ist stark geschädigt. Laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gibt es nach einer spät gestellten Diagnose kaum noch Hoffnung.

FAKTEN

- Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea), auch Jakobsgreiskraut genannt, blüht von Juli bis September. Es wird 30 bis 100 Zentimeter hoch. Die knallgelben Korbblüten haben genau 13 Hüllblätter, die häufig am Ende gedreht sind.

- Alle Teile der Pflanze sind giftig. Sie enthalten Pyrrolizidin-Alkaloide, die die Leber schädigen. Im Gegensatz zu anderen Pflanzengiften bleiben sie auch in Heu oder Silage wirksam.

- Der Verein „Arbeitskreis Kreuzkraut“ bietet eine kostenlose Pflanzenbestimmung an: Wer unsicher ist, kann eine Pflanze oder Fotos davon einsenden (Karin Ose Röckseisen, Am Hang 9, 21379 Scharnebeck).

Quelle: op-online.de

Kommentare