Gefahren beherrschen

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Die Kraft unter der Haube will beherrscht sein - auch bei Nässe auf der Slalomstrecke.

Dudenhofen ‐ Das Opel-Testzentrum will sein Angebot an Fahrtrainings für Autofahrer ausbauen. Mehr als 5 000 Personen haben letztes Jahr im Dudenhöfer Wald das sichere Autofahren in Grenz- und Gefahrensituationen gelernt. Von Ekkehard Wolf

Derzeit finden zwei bis drei Fahrtrainings pro Woche statt, wie Dr. Matthias Schollmaier, der Leiter des Testzentrums, berichtet. Sein Ziel: „Ich möchte, dass wir das jeden Tag machen.“ Neben dem Training für Käufer der stark motorisierten Opel-OPC-Sportwagen bietet das Testzentrum derzeit vier weitere Programme für Autofahrer aller Marken an. Billig ist das nicht: Ein Tag kostet 297,50 Euro.

„Die ADAC-Untersuchung, dass neun von zehn Fahrern nicht richtig bremsen können, bestätigt sich auch bei uns“, betont Dr. Schollmaier: „Dennoch fahren die Leute mit 200 über unsere Autobahnen.“ Das Verhalten in Extremsituationen werde nur in den wenigsten Fahrschulen geübt. Kurse wie in Dudenhofen seien ein Beitrag zur Verkehrssicherheit: „Das ist bei uns reales Fahren unter realen Bedingungen, wo keine Rücksicht auf Verschleiß genommen werden muss.“ Diese Erfahrung könne im Ernstfall lebensrettend sein.

Für das Fahrtraining steht ein spezieller Bereich des Opel-Testzentrums zur Verfügung. Er besteht aus zwei Teilen. Die so genannte „Performance Area“ ist eine lange Strecke mit zwei U-förmigen Kurven an den Enden sowie Schleuderplatten und Aquaplaning-Zonen. Die „Handlingstrecke“ ist wie eine Miniaturausgabe der Nürburgring-Nordschleife: Auf einem knappen Kilometer geht es durch 16 Kurven und Bodensenken, bergauf und bergab.

„Das Portal sieht noch aus wie 1966.“

Die Erprobung von Prototypen bleibt das Hauptgeschäft. Trainingskurse und Testbetrieb kommen einander kaum in die Quere. Nur an der Zufahrt zum Übungsgelände muss man noch eine Teststrecke überqueren. Künftig soll das nicht mehr nötig sein. „Die Pläne dafür liegen schon in der Schublade“, sagt Dr. Matthias Schollmaier, der für die Zukunft auch noch weitere Umgestaltungen in petto hat. Als Beispiel nennt er die Einfahrt zum Testzentrum an der Landstraße zwischen Dudenhofen und Babenhausen: „Das Portal sieht noch aus wie 1966.“

Das Fahrtraining sieht der Testzentrums-Chef als sinnvolle Ergänzung des traditionellen Testbetriebs. 100 bis 150 Fahrzeuge spulen täglich etwa 30 000 Kilometer ab - rund um die Uhr. Der Zeitaufwand für das einzelne Projekt habe zwar im Lauf der Zeit abgenommen, so Dr. Schollmaier, „aber dafür gibt es jetzt mehr Projekte“. Die Anlage sei nach wie vor voll ausgelastet: nicht nur durch Opel und die Marken des General-Motors-Konzerns, sondern auch durch Mitbewerber. „Wenn man die Konkurrenz intelligent auffasst, dann ist das immer eine Win-Win-Situation“, betont der Leiter des Testzentrums.

Neben der Dauererprobung habe das Testzentrum auch Entwicklungsaufgaben übernommen, etwa für Bremsen, Airbag und Fahrqualität: „Das bringt auch Know-how auf die Anlage.“ Zusätzlich zu den rund 200 Mitarbeitern des Testzentrums kommen noch 50 bis 80 Ingenieure, die täglich aus Rüsselsheim nach Dudenhofen pendeln.

Der Dienstleistungsbetrieb „Testzentrum“ solle künftig auf drei Beinen stehen, so Dr. Schollmaier. Sein Ziel: „50 % Dauererprobung, 30 % Engineering, 20 % Events.“ Derzeit ist das Zahlenverhältnis noch 70 - 20 - 10.

Quelle: op-online.de

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