Sorge um schwindende Population

Gefiederte Gäste machen sich rar

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Rotkehlchen und Meisen gehören zu den gern gesehenen Futtergästen an Vogelhäuschen.

Rodgau - Wo sind unsere Vögel geblieben? Warum gehen die nicht mehr an das gewohnte Futterhaus? Solche und ähnliche Anfragen erhält die Ortsgruppe des Naturschutzbunds Nabu derzeit von besorgten Bürgern öfter.

Was ist los mit den Vögeln? Bürger beobachten, dass sie in diesem Winter ihre angestammten Futterplätze in Gärten, auf Balkonen und Terrassen noch seltener aufsuchen als dies im Winter 2015/16 der Fall war. Die Nabu-Vorsitzende, Gerlinde Rapp ging diesen Fragen auf den Grund. Vom Vogelexperten Maik Sommerhage konnte sie folgendes erfahren. Der Nabu geht von drei Ursachen des aktuellen Vogelmangels aus:

Die vergleichsweise milde Witterung, noch ausstehende Wintergäste und die Folgen einer schlechten Brutsaison 2016. Langfristig wirke sich aber vor allem „die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit verbundene gesteigerte Pestizideinsatz“ aus. Solange Eis und Schnee ausbleiben, finden viele Vogelarten ausreichend Nahrung und sind nicht gezwungen, Futterhäuschen in Gärten aufzusuchen. Zudem sind viele Wintergäste, die sonst in großer Zahl unsere Gärten und Wälder bevölkern, noch nicht eingetroffen. Dazu gehören zum Beispiel nordische Kohlmeisen, Gimpel, Zeisige sowie Buch- und Bergfinken.

Die Hauptursache für den Vogelmangel sieht der Nabu in einem schlechten Brutergebnis mit weniger überlebenden Nachkommen als in anderen Jahren. „Gerade Arten, die wir am Futterhaus erwarten, scheinen dieses Jahr weniger Nachwuchs durchbekommen zu haben als sonst“, sagt Sommerhage. Die Hinweise mehren sich, dass viele Bruten in Baumhöhlen und Nistkästen nicht ausgeflogen sind. Bei der Ursachenforschung für das schlechte Brutergebnis dürfte die nasskalte Witterung im Frühjahr eine wichtige Rolle spielen.

Nicht zu unterschätzen sind aber weitere Faktoren wie die zunehmend intensivierte Landwirtschaft oder der Einsatz von Pestiziden wie Neonicotinoide, die die Lebens- und Ernährungsbedingungen von Wildvögeln dramatisch verschlechtern, erläutert der Nabu weiter. „Gerade der auffällige Mangel an Fluginsekten kann vielen Vogelarten besonders in kritischen Phasen wie einem nasskalten Frühjahr zusätzliche Nachteile bringen. Nahezu alle Singvögel sind in der Fortpflanzungsphase auf Insektennahrung angewiesen“, erklärt Sommerhage weiter. „In Europa leben heute rund 450 Millionen Vögel weniger als noch vor drei Jahrzehnten, und die Roten Listen werden immer länger“.

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Um den Verlust der Vögel aufzuhalten oder gar wieder umzukehren, reichten die bisherigen Anstrengungen der Politik zum Schutz der Biodiversität und insbesondere der Vögel nicht aus. Infektionskrankheiten dürften für den Vogelmangel nur eine untergeordnete Rolle spielen. „Der Ausbruch des Usutu-Virus im Spätsommer hat allenfalls lokal die Amselbestände reduziert“, ist die Einschätzung des Nabu-Vogelfachmanns.

Ebenfalls lokale Auswirkungen hat ein Erreger, der das Finkensterben vor allem bei Grünfinken verursacht. Die Vogelgrippe scheidet bei Gartenvögeln als Ursache weitgehend aus. „Wir verfolgen die Entwicklung kritisch. Und wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Wintervogelzählungen Anfang Januar“, betont Sommerhage. Schon heute ruft er Naturfreunde zur Teilnahme auf. (bp)

Quelle: op-online.de

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