Der Geflügel-Papst

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Nun beginnt wieder die Ausstellungssaison der Geflügelfreunde. Mit Dr. Werner Lüthgen wohnt in Hainhausen ein international tätiger Fachmann auf dem Gebiet der Zucht und der Veterinärmedizin.

Hainhausen ‐ Er ist Veterinärmediziner, Fachtierarzt für Geflügelkrankheiten, leitete 20 Jahre lang das Veterinäre Untersuchungsamt in Frankfurt, ist Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender des Sondervereins der Persischen Roller,... Von Andreas Pulwey

...seit 49 Jahren Preisrichter, Ex-Vorsitzender der Jügesheimer Geflügelzüchter und Autor diverser Bücher zur Rassegeflügelzucht und zu Krankheiten: Die Liste der Errungenschaften und Titel des Dr. Werner Lüthgen ist lang, eigentlich zu lang für einen Bericht über sein Leben mit den Tieren. Für sein Werk bekam er 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Heute noch aktiv, sieht er die Zukunft der Geflügelzüchter nicht rosig.

Dr. Werner Lüthgen greift zum Ordner „Rassegeflügel – Standard für Europäer“. An den permanenten Neuerungen der Loseblattsammlungen arbeitet er mit. Er verbindet Wissenschaft mit seinem Hobby, die Theorie mit der Praxis, das Wissen seiner Studien in Wien, Berlin und Gießen mit der Tätigkeit der letzten sechs Jahrzehnte.

Altersdurchschnitt liegt jenseits der 50

„Ich habe immer Tiere geliebt“, sagt der 77-Jährige. Er betreut bis heute die Taubenrasse Persische Roller, Zwerg-Lachshühner sowie Englische Nonnen, die zu den 320 anerkannten Taubenrassen in Deutschland gehören.

Bei aller Freude über die Schönheit des Federviehs: Die schwindende Anzahl der Menschen, die Rassen pflegen, gibt dem vielfachen Ausstellungsleiter zu denken. Bundesweit sinkt die Zahl der im Bundesverband organisierten Züchter jährlich um etwa fünf Prozent. Der Altersdurchschnitt liegt jenseits der 50. Auch wenn Rodgaus jugendliche Geflügelliebhaber schon zu Europameisterehren kamen, die Zahl der Abgänge wegen Todes oder Zuchtaufgabe gleichen sie nicht aus.

„Eigentlich müssten die Rodgauer Vereine zusammengehen zum Zuchtverein Rodgau“, so der Fachmann.

Häufig im Ausland bei Ausstellungen

Dabei nimmt die Zahl der Rassen immer weiter zu und müsste doch immer mehr Liebhaber auf den Plan rufen. Schließlich bringen Touristen oder Einreisende regelmäßig Tiere oder Eier aus dem Ausland mit und erhöhen die Rassenvielfalt.

Als Vorsitzender des Zucht- und Anerkennungsausschusses stellt sich Dr. Lüthgen oft genug die Frage: Soll eine Tierart als neue Rasse anerkannt werden? Mit Kollegen studiert er die Kopfform und die Brustbreite der Tiere, die Struktur der Federn und das Gewicht. Wichtiges Entscheidungskriterium: Eine neue Rasse darf nicht mit alteingesessenen verwechselbar sein.

Die Leidenschaft des Hainhäusers hat ihn als Preisrichter schon häufig ins Ausland zu Ausstellungen geführt. So nach Dänemark, Belgien oder Tschechien. Ende Oktober steht für ihn die Bundesjungtierschau in Hannover auf dem Programm. Bleibt abzuwarten, wie erfolgreich sich der deutsche Geflügelnachwuchs entwickelt hat.

Die Fakten

  • Im Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter sind 200 000 Züchter in 5 000 Vereinen organisiert. Altersdurchschnitt: mehr als 50 Jahre.
  • Etwa 400 Rassen werden von den Tierliebhabern betreut.

Quelle: op-online.de

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