Verkehrssünder riskieren Punkte für eine geringe Zeitersparnis

Geisterfahrt am Friedhof

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Hier darf man nicht hineinfahren – das lernt jeder Autofahrer in der Fahrschule. Dennoch gibt es Geisterfahrer auf der Weiskircher Straße.

Jügesheim -  Sie scheren sich weder um Warnbaken noch um Verbotsschilder: Falschfahrer gefährden sich und andere auf der Baustelle am alten Friedhof. Um 540 Meter Umweg zu sparen, riskieren sie Bußgelder und Punkte in der Verkehrssünderdatei.

Jetzt kontrolliert die städtische Ordnungspolizei. Seit vier Wochen ist der nördliche Abschnitt der Weiskircher Straße nur in Nord-Süd-Richtung befahrbar. Wer aus der Ortsmitte kommt und nach Weiskirchen oder Hainhausen will, muss spätestens an der Egerstraße abbiegen.
Nicht alle halten sich daran. Innerhalb von zehn Minuten konnte man gestern zwei Geisterfahrer beobachten. 10.33 Uhr: Der Fahrer eines schwarzen Audi sieht, dass die Strecke frei ist, gibt Gas und brettert entgegen der Fahrtrichtung in die Einbahnstrecke. 10.43 Uhr: Eine Frau in einem blauen Opel kommt aus der Egerstraße, schaut zweimal nach links und rechts und biegt in die verbotene Richtung ab.

„Jetzt muss man schon aufpassen, dass einem auf der Einbahnstraße niemand entgegenkommt“, bedauert Anwohnerin Martina Amrhein. Sie hat in den letzten Wochen auch grenzwertige Szenen erlebt. Das reichte bis zu Lichthupen-Orgien und wüsten Beschimpfungen. Ein Falschfahrer fuhr einfach auf den Gehweg, um seinen verkehrswidrigen Kurs fortzusetzen. Wenn Verkehrssünder ausrasten, hört für sie das Verständnis auf: „Man kann sich ja mal irren. Aber dann noch Lichthupe und Pöbeln, das ist schwierig.“

In der Weiskircher Straße werden Wasserleitungen und Hausanschlüsse verlegt. Zurzeit läuft der zweite Bauabschnitt. Bis vor vier Wochen waren die Arbeiter zwischen Egerstraße und Nordring am Werk. Damals gab es auch schon eine Einbahnregelung, aber in entgegengesetzter Richtung. Auch wenn der Wechsel für manche Autofahrer verwirrend kam: Die Verkehrsschilder zeigen eindeutig, was erlaubt und was verboten ist.

Problematische Stellen für den Fahrradverkehr: Bilder

Durch unsere Zeitung erfuhr die Stadtverwaltung von den Geisterfahrern auf der Weiskircher Straße. Sie kündigte Kontrollen an. Die verbotene Abkürzung bringt Autofahrern vielleicht zwei Minuten. Die Umleitung über die Ludwigstraße ist nur 540 Meter länger. (eh)

Quelle: op-online.de

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