Gema kassiert jetzt Liedzettel-Gebühr

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Singen dürfen Kindergartenkinder schon noch kostenlos - nur nicht mit schwarz kopierten Noten. Darauf achtet die Gema jetzt auch in Rodgauer Kindertagesstätten. Hier ein Foto von einer Veranstaltung der Kita am Bürgerhaus.

Rodgau (bp/eh) ‐ Überall wo gefeiert, gesungen und Theater gespielt wird, feiert die Gema mit. Und das auf ganz besondere Weise. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte kassiert Gebühren, sobald etwa Musik erklingt.

Jetzt müssen sogar Kindertagesstätten zahlen, wenn sie Noten und Liedtexte kopieren, damit die Kleinen beim Kindergartenfest schön singen können.

Die Gema hat deshalb auch die städtischen Kitas in Rodgau angeschrieben. Die Reaktion der Stadt ließ nicht lange auf sich warten: „Aufgrund der Vertragsbedingungen haben wir keine Verträge abgeschlossen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund strebt mit der Gema eine andere Regelung für die Erhebung der Gebühren für die Vervielfältigung von Liedtexten und Noten an. Bis es zu einer neuen Regelung kommt, werden keine Kopien von Noten oder Liedtexten erstellt“, teilt die städtische Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Prekäre Angelegenheit endet glimpflich

Wie leicht man in die juristischen Fänge von Rechteverwertern gelangt, musste auch der Musikverein Dudenhofen erleben. Zur akademischen Feier seines 100-Jahre-Jubiläums führten Vereinsmitglieder im vergangenen April den Sketch „Die Orchesterprobe“ von Karl Valentin auf. Prompt meldete sich danach der Drei Masken Verlag aus München beim Vereinsvorsitzenden Harald Deichmann. Der Verlag vertritt weltweit die Aufführungsrechte für das Werk von Karl Valentin. „Für mich war der Anruf ein Schreckmoment. Wir hatten absolut nicht damit gerechnet, dass wir mit der Aufführung irgendwelche Urheberrechte berühren“, erinnert sich Deichmann.

Er argumentierte gegenüber dem Verlag zunächst, der Musikverein habe das Stück doch nicht in der Originalversion, sondern in hessischer Mundart gespielt. „Das machte die Sache aber nur noch schlimmer, denn der Verlag sagte, dann hätten wir das Stück ja verfälscht.“

Letztlich endete die prekäre Angelegenheit glimpflich. Der Drei Masken Verlag ließ Fünf gerade sein und verlangte vom Musikverein lediglich einen überschaubaren Betrag, der dann auch gezahlt wurde.

Kürzungen waren Pflicht

Ein derart unangenehmes Nachspiel blieb dem Popchor Polyhymnia erspart, als er im Herbst in Nieder-Roden das Musical „Tanz der Vampire“ aufführte. Aber auch Gottfried Kärner (Dirigent) und Tanja Garlt (Regie) mussten Vorschriften der Rechteinhaber beachten. Kürzungen waren nicht nur erlaubt, sondern sogar Pflicht. Dem Verein war ausdrücklich verboten, das komplette Musical aufzuführen.

In einer Stellungnahme weist die Gema darauf hin, dass in Deutschland nach dem Urheberrechtsgesetz grundsätzlich ein Kopierverbot für Werke der Musik besteht. Dies umfasse auch das Kopieren von Noten, die zum Bildungszweck in vorschulischen Einrichtungen genutzt werden. Die Wahrnehmung der Rechte für das Kopieren von Noten und Liedtexten lägen bei der Verwertungsgesellschaft Musikedition (VG Musikedition), einer von der Gema unabhängigen deutsche Verwertungsgesellschaft.

„Das Singen sowie das Kopieren nicht-geschützter Musikwerke sind entgegen anders lautender Medienberichte natürlich vergütungsfrei erlaubt.“ Bereits zum 1. Januar 2010 hatte die VG Musikedition die Gema mit der Lizenzierung der Notenkopien für Kitas beauftragt. Dies bedeutet, dass die Gema für die VG Musikedition die Rechtewahrnehmung übernimmt. Deshalb wurden von der Gema 36.000 Kindergärten im Bundesgebiet angeschrieben und über die Neuregelung und die Tarife informiert.

Quelle: op-online.de

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