Gemeinde formuliert Predigt mit

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Spaß bei der Bibelarbeit hatten die Teilnehmerinnen der Werkstatt.

Nieder-Roden - (chz) Wenn am kommenden Sonntag um 10 Uhr in der evangelischen Kirche an der Schulstraße in Nieder-Roden Pfarrer Felipe Blanco Wißmann seine Predigt zu einem Text aus dem Markusevangelium hält, so werden darin Gedanken einiger Gemeindeglieder mit einfließen.

Erstmalig hatte der Seelsorger während der Woche zu einer Predigtwerkstatt eingeladen, um den Gottesdienst vorzubereiten. Dabei entwickelte Ideen finden nun Einzug in die Predigt.

Sein Ziel ist es, interessierten Bürgern verständlich zu machen, wie sich die inhaltliche Vorbereitung auf einen Gottesdienst und speziell eine Predigt gestaltet. Wichtig ist ihm außerdem, Gedanken und Anregungen der Gemeindeglieder zum Predigtthema aufzunehmen und in die Ansprache einzubauen.

Nach allgemeinen Informationen zur Perikopenreihe - den jährlich wechselnden, von der Kirchenleitung vorgeschlagenen Texten für jeden Sonntag des Kirchenjahres - und zu verschiedenen Bibelübersetzungen schloss sich in der ersten Nieder-Röder Predigtwerkstatt eine sehr aufgelockerte Bibelarbeit rund um den bekannten Text „Der reiche Jüngling“ aus dem Markusevangelium 10, Vers 17 bis 27 an.

Gemeinsam nähert man sich mit verteilten Rollen dem Text und bei Bedarf auch weiteren Bibelübersetzungen über die klassische lutherische hinaus, analysiert mit vielen spontanen Ideen den Text, ohne Scheu vor Offenheit in der Runde - man kann nichts Falsches sagen, jeder, der möchte, äußert seine Gedanken, schlüpft in eine Auslegungsrolle, provoziert auch einmal, gibt seine eigene Einstellung preis.

Lockerheit und Lebendigkeit des Werkstattgespräches

Beim Predigtthema des nächsten Sonntags viele spannende Fragen: Was will der reiche Jüngling? Wird ihm Recht zuteil, als Jesus ihn losschickt, alle seine Habe zu verkaufen? Würde ich das schaffen? Will ich das? Betrachte ich mich als reich?

Schließlich kanalisiert Pfarrer Blanco Wissmann die lose gesammelten Ideen in einer Stuhlrunde als eine Art Gespräch zwischen Text, Prediger und Gemeinde. Wer eine der drei „Parteien“ vertreten möchte, löst den Vorgänger ab, ein lockere Zusammenfassung zum Predigtthema durch jeden Einzelnen rundet die Vorbereitung ab und gibt dem Prediger Stichpunkte für seine Arbeit an die Hand.

DATEN, FAKTEN

  • Die nächste Predigtwerkstatt wird am 11. November um 19 Uhr im Gemeindehaus am Puiseauxplatz ihre Türen öffnen. Dann wird es darum gehen, den Gottesdienst zum Volkstrauertag am 15. November vorzubereiten.
  • Im Dezember entfällt die Predigtwerkstatt wegen der vielen Termine im Advent, doch im Januar geht's weiter.
  • Der Wunsch von Pfarrer Blanco Wissmann ist es, daraus in Zukunft eine dauerhafte monatliche Veranstaltung werden zu lassen.

Alleine hätte der Pfarrer, der wie auch seine Frau Yvonne in der Nieder-Röder und in der Dudenhöfer Kirchengemeinde arbeitet, in dieser Zeit seine Sonntagsansprache wohl längst fertiggestellt - so aber hat er nun noch die Aufgabe vor sich, die Gedanken - die naheliegenden wie die weitergesponnen - zu sammeln, auszuwerten und sie zu einer Predigt zusammenzubauen. Das bedeutet zwar Mehraufwand. Der Pastor kann dafür aber sicher sein, nicht an der Gemeinde vorbeizureden am Sonntag. Vielleicht gelingt es ihm auch, einen Teil der unverkrampften Lockerheit und Lebendigkeit des Werkstattgesprächs mit in die Gemeinde zu transportieren. Das wäre vor allem für die jungen Menschen, speziell die Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Gemeinde, ein wünschenswertes Ergebnis dieser ersten Predigtwerkstatt.

Quelle: op-online.de

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