Gemeindehaus

Umbau erspart das Treppensteigen

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Wie ein impressionistisches Gemälde wirkt das Gemeindehaus durch die Empore-Fenster der evangelische Kirche. Im nächsten Jahr will die Kirchengemeinde das Haus für rund 690 000 Euro umbauen.

Dudenhofen - Die evangelische Kirchengemeinde Dudenhofen baut im nächsten Jahr ihr Gemeindehaus um. Der Saal wird ins Erdgeschoss verlegt, damit auch Gehbehinderte die Veranstaltungen besuchen können. Bücherei, Archiv und ein Büro wandern ins Obergeschoss.

Die elfte Version der Pläne entspricht den Vorschriften der Landeskirche. Die Baukosten belaufen sich auf rund 690.000 Euro, ein Drittel davon muss die Gemeinde selbst tragen. „Okay, dann fangen wir an“: Pfarrerin Christina Koch freute sich in der Gemeindeversammlung über die große Zustimmung zu den Umbauplänen. Obwohl die Entscheidung beim Kirchenvorstand liege, habe man unbedingt die Meinung der Gemeindemitglieder hören wollen.

„Auch wenn wir entscheiden, würden wir das nicht machen, wenn es großen Widerstand oder Zweifel gäbe“, erklärte ein Mitglied des Kirchenvorstands. So weit kam es nicht. Allerdings kamen aus dem Kreis der Besucher einige Anregungen, Ideen und auch das eine oder andere skeptische Votum. Genau das war auch der Sinn des Abends. Barrierefreiheit und Brandschutz erfordern einen Umbau des Gemeindehauses.

Großer Saal ohne Stufen erreichbar

Der große Saal wird vom Obergeschoss ins Parterre verlegt, damit er ohne Stufen erreichbar ist. Ältere Menschen und Behinderte sollen so weiterhin an Veranstaltungen teilnehmen können. Damit möchte die Kirche ihr Gemeindehaus auch für neue Gäste öffnen, die bisher mangels Zugang nicht kommen konnten. Einen Aufzug gibt es nicht. Große doppelte Schwingtüren sollen den einladenden Charakter des Hauses unterstützen.

Auch die Sorge um den Brandschutz spricht für einen Umbau. Als zweiten Fluchtweg aus dem oberen Stockwerk gibt es nur eine schmale Nottreppe, die sich aus baurechtlichen Gründen nicht vergrößern lässt. Zudem können sich ältere Menschen bei einem ebenerdigen Zugang im Ernstfall viel leichter ins Freie retten. Zwar hat es zum Glück in den vergangenen Jahrzehnten keinen solchen Notfall gegeben, darauf verlassen will sich der Kirchenvorstand aber nicht.

Vorgaben der Landeskirche

Das größte Problem bei der Planung waren die Vorgaben der Landeskirche. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) knüpft ihre Zuschüsse an Bedingungen, insbesondere an die Zahl der Gemeindemitglieder. Knapp 2 700 Mitglieder hat die Gemeinde noch. Die Tendenz geht abwärts. Daher darf der neue Saal nicht größer als 130 Quadratmeter sein, also etwas kleiner als jetzt. „Das ist absolut das Größte und Beste, was wir herausholen konnten“, betont Pfarrerin Koch. Dieses Zugeständnis der Landeskirche ist hart erkämpft. Zunächst sollte auch die Bücherei zur Versammlungsfläche zählen, dann wäre kaum noch etwas übrig geblieben.

Der große Saal ist künftig im Erdgeschoss, wo sich jetzt die Bücherei befindet. Um auf die Grundfläche von 130 Quadratmetern zu kommen, wird ein Teil des Vorplatzes überbaut. Eine große Fensterfront, die man bei Festen öffnen kann, soll den Blick zur Kirche ermöglichen. Die Bücherei wandert nach oben und wächst auf 80 Quadratmeter samt zweiter Ebene. Die Bühne wird nicht abgerissen, sondern ermöglicht die Aufteilung in zwei Bereiche.

Das Archiv aus dem Keller kommt ebenfalls in das Obergeschoss. Dazu kommen ein Büro und Abstellräume. Die Teeküche bleibt oben erhalten, wird aber nach dem vorlegten Entwurf nur über das Podest der Bücherei erreichbar sein. Dies stieß auf einige Bedenken, besonders bei größeren Veranstaltungen. Als weitere Vorgabe der Landeskirche darf die Gesamtfläche nicht vergrößert werden. Durch den Anbau für den Saal muss also auch ein Teil zurückgebaut werden. Das trifft einen Teil des Pfarrbüros.

690.000 Euro Baukosten

Die Baukosten kalkuliert Architekt Udo Rabe auf 690.000 Euro. Zwei Drittel trägt die EKHN, auf die Gemeinde entfallen 224 000 Euro. Dank Rücklagen ist das ohne weitere Schulden möglich. Architekt Rabe von der Planungsgruppe Darmstadt hatte bereits die Renovierung der Kirche vor zwei Jahren geplant. Er hatte auch dort sein Budget eingehalten.

Wenn alles gut geht, sollen die Bauarbeiten im Frühjahr 2014 beginnen. Sie nehmen etwa ein Dreivierteljahr in Anspruch.

Das Pfarrhaus bleibt erhalten, lediglich kleinere notwendige Ausbesserungen werden vorgenommen. „300 000 Euro für ein neues Pfarrhaus kann ich nicht rechtfertigen“, betont Pfarrerin Christina Koch. Die eingesetzten Gelder sollten in erster Linie der Gemeinde und dem Gemeindehaus zugute kommen. Nun spricht der Kirchenvorstand mit dem Architekten über die Anregungen aus der Gemeindeversammlung. Danach wird die Gemeinde noch einmal informiert.

pep

Quelle: op-online.de

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