Pilotprojekt „Schulgesundheitsfachkraft“

Reden baut Stress ab

+
Die Schulkrankenschwester Astrid Fisch darf keine Medikamente verschreiben oder verabreichen, aber Wunden versorgen, Verbände anlegen und Zecken entfernen.

Jügesheim - Die Georg-Büchner-Schule in Jügesheim ist eine von hessenweit zehn Schulen, an denen das Pilotprojekt „Schulgesundheitsfachkraft“ läuft. Von Simone Weil

Astrid Fisch ist von der Notwendigkeit überzeugt, dass eine Krankenschwester an die Schule gehört – wie es in anderen europäischen Ländern bereits selbstverständlich ist. Verstauchungen, Prellungen, blutende Knie, Übelkeit, Kopf- und Bauchschmerzen: Astrid Fisch hat alle Hände voll zu tun, sich um ihre jungen Patienten zu kümmern. Seit 1. Juni arbeitet sie an der GBS. Sie leistet Erste Hilfe, unterstützt bei chronischen Erkrankungen und beschäftigt sich mit Gesundheitsförderung, steht für Themen im Unterricht wie Körperhygiene und gesunde Ernährung zur Verfügung.

„Es ging gleich voll los“, sagt die examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, die Klinikerfahrung hat und zuletzt Pflege und Gesundheitsförderung studierte. Sie sei gut angenommen worden, erzählt die 54-Jährige und beschreibt die Aufgabe als „absolut reizvoll“. In den Pausen kommen ständig Schüler in den mit freundlichen grünen Möbeln und Accessoires ausgestatteten Raum. Einige bringen Eispäckchen zurück, andere lassen einen Verband wechseln, wieder andere wollen lediglich ein paar Worte mit Astrid Fisch reden. Denn die erfahrene Krankenpflegerin ist bereits eine echte Vertrauensperson geworden.

Normalerweise gehen Schulkinder mit ihren Wehwehchen ins Sekretariat, wo für eine Versorgung deutlich weniger Zeit zur Verfügung steht und zu einer enormen Belastung führt: bei etwa 1050 GBS-Schülern kein Wunder. Deshalb laufen in Hessen und Brandenburg derzeit Modellprojekte mit „Schulgesundheitsfachkräften“. Zehn Schulen in Hessen nehmen daran zwei Jahre lang teil. In Ländern wie Polen und Finnland ist der Einsatz von Schulkrankenschwestern längst erprobt.

Der Impuls für den Test in Deutschland kam aus Brandenburg, das einen Projektpartner suchte und in Hessen fand. Träger ist die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAGE). Die Charité-Klinik in Berlin überprüft das Projekt anhand von Fragebögen für Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitung. Mit den Schulkrankenschwestern gibt es Einzelgespräche. Allerdings ist die dauerhafte Finanzierung offen. Denn aktuell werden die Gehälter von der AOK Hessen bezahlt, die mit rund 1,3 Millionen Euro das Projekt zum größten Teil fördert.

Abiball und Zeugnisübergabe an Georg-Büchner-Schule Rodgau

Die Schüler können während der Pausen, aber auch während der Unterrichtszeiten zu Astrid Fisch kommen und sich für Gespräche, die länger dauern, Termine geben lassen. Dabei unterliegt sie der Schweigepflicht. Im Zimmer der Schulkrankenschwester stehen eine Bank und zwei Sessel, denn nicht selten wollen mehrere Schüler gleichzeitig zu ihr.

Hauptanliegen ist es, dass es den Kindern gut geht. „Ich bin ja froh, wenn sie gesund sind“, sagt die Fachfrau. Gleichzeitig gibt die Anwesenheit der Krankenschwester den Schülern Sicherheit. Dass hinter Bauch- und Kopfschmerzen auch mal Angst vor Klassenarbeiten steckt, hat Astrid Fisch schon feststellen können. „Das kommt bei einem Besuch dann manchmal heraus“, weiß sie. Aufklären, kümmern, da sein: Da sind die Haupttätigkeiten, die Anlass für Gespräche sein können. Etwa über Fragen zur Pubertät. „Wenn die Kinder ihr Herz ausschütten, können sie besser entspannen, dann baut sich Stress ab“, ist die Gesundheitsfachkraft überzeugt.

Bilder: Aufführung der Jügesheimer Georg-Büchner-Schule

Schulleiter Winfried Döring hat sich schon frühzeitig darum bemüht, am Pilotprojekt teilzunehmen. Er möchte Astrid Fisch schon jetzt nicht mehr hergeben. Die Resonanz sei rundum positiv, die Entlastung groß, weil die Schulkrankenschwester es beispielsweise auch übernehme, die Eltern zu informieren, wenn ein Kind abgeholt werden müsse. Deswegen wäre Döring froh, die Pflegerin auch übers Jahr 2018 hinaus an seiner Schule halten zu können.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare