Eine Million Kilometer per Rad

Gerd Hofferberth: 60 Jahre fest im Sattel

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60 Jahre alt ist dieses Rennrad der Marke „Bauer Weltmeister“. Gerd Hofferberth hält es in Ehren.

Nieder-Roden - An der Holzwand im Keller hängt ein schmutziges, altes Woll-Trikot der Radsportlegende Rudi Altig. Neben dieser Fan-Trophäe geben Mannschaftsbilder, Urkunden und Erinnerungsfotos Zeugnis von einem bewegten Radfahrerleben. Von Bernhard Pelka

Immer wieder ist auf den Bildern einer zu erkennen, der seit nunmehr 60 Jahren seine sportlichen Runden auf zwei Rädern dreht: der Vorsitzende des Rad-Sport-Clubs Rodgau, Gerd Hofferberth. In sechs Jahrzehnten Radrennsport hat es der Mann auf fast eine Million Kilometer gebracht.

Der Kellerraum in seinem Haus am Krümmlingsweg dient dem Verein als Versammlungsstätte. Und er ähnelt einem kleinen Museum. Pokale füllen Regale. Hinter einem Vorhang kramt Hofferberth seine ersten ledernen Radrennfahrerschuhe, ein antiquiertes Woll-Trikot und die Siegerschleife vom „Großen Preis von Rodgau“ 1980 hervor. Auch sein erster Helm aus Leder und sein erstes Fahrrad befinden sich noch in seinem Besitz. Mit dem Lohn harter Arbeit als Urlaubs-Aushilfe bei einem Weißbinder hat der bald 79-Jährige vor 60 Jahren den Bauer-Weltmeisterrahmen für sein erstes Rennrad finanziert. 160 Mark: für damalige Verhältnisse ein Vermögen. „Wenn ich an die Schinderei denke, tun mir heute noch die Knochen weh“, sagt der gelernte Feintäschner.

Radrennsport ist nicht nur im Wettkampf

Unzählige Straßen- und Rundrennen führten ihn, seine Mannschaftskameraden und später auch die Söhne Achim und Thomas in die Pfalz, die Rhön, den Odenwald oder einfach nur nach Frankfurt. „Es waren schöne, aber auch anstrengende Zeiten“, erinnert sich Helga Hofferberth, die mit ihrem Gerd jetzt schon seit 56 Jahren verheiratet ist.

Radrennsport ist nicht nur im Wettkampf manchmal eine Schinderei: „Am Renntag morgens um 4 Uhr aufstehen, als Kraftnahrung Nudeln kochen und Steaks braten, kannenweise Tee kochen, Bananen einpacken, die Rennstrecken ausschildern und später dann die ganze Wäsche - es war schon stressig“, schildert Helga Hofferberth die viele Arbeit für den Verein. Bereut hat sie trotzdem keine einzige Minute. So geht es auch Gerd Hofferberth, der sich mit einem breiten Grinsen gern als „Radsportverrückten“ bezeichnet.

Wie sehr das zutrifft, beweist der eiserne Wille, mit dem sich der gebürtige Offenbacher nach gesundheitlichen Rückschlägen immer wieder in den Sattel zurückgekämpft hat. Zum Beispiel 2006 nach einem Schlaganfall und einer schweren Operation. Oder im vergangenen Jahr, nachdem ein ausbrechendes Pferd ihn im September bei Babenhausen vom Rad geholt und er sich den linken Oberschenkel gebrochen hatte. Zwar stützt sich der tapfere Rennfahrer auch heute noch bei fast jedem Schritt auf eine Krücke. Trotzdem hat er von Januar bis Oktober auf einem umgebauten Heimtrainer schon wieder gut 5000 Kilometer abgespult.

Jubiläum der Radfahrer

Jubiläum der Radfahrer

Um seinen Verein macht sich Hofferberth Gedanken. Viele der noch 34 Mitglieder sind gesundheitlich angeschlagen. Darunter leiden die Aktivitäten erheblich. Dreimal erhielt der RSC einen Stern des Sports, im öffentlichen Leben der Stadt spielten die Radrennfahrer eine bedeutende Rolle. Davon ist meist nur noch die Erinnerung geblieben. „Der Radsport ist in Hessen leider generell auf dem Rückzug“, bedauert der Rennfahrer-Oldie. Solange er kann, wird er freilich trotzdem unverdrossen die Pedale treten.

Quelle: op-online.de

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