Polizei wirbt um Vertrauen nach großer Aufregung in der Büchner-Schule

Gerüchte nicht einholbar

Jügesheim (eh) - Panik und Gerüchte lassen sich nicht stoppen. Das ist eine Erkenntnis aus einem Vorgang, der vor zwei Wochen zahlreiche Eltern und Schüler der Georg-Büchner-Schule (GSB) in Aufregung versetzte.

Am Donnerstag versuchten Schulleitung und Elternbeiräte, aus dem Geschehen zu lernen.

„Nur zum Spaß“ hatte ein Achtklässler im Internet bei „Facebook“ eine Gewalttat angedroht, falls er von der Schule fliege. Eine Woche später liefen in Jügesheim abends die Telefone heiß.

Was war passiert? Einige Tage nach der Facebook-Unterhaltung hatte ein Schüler das Chatprotokoll an die Schulleitung weitergegeben. Als die Sache am 22. September in einer Klassenkonferenz zur Sprache kam, wusste die Polizei längst Bescheid. „Es bestand überhaupt keine Bedrohung“, betont der stellvertretende Schulleiter Volker Hildebrandt. Dennoch liefen wilde Gerüchte durch den Ort. Offensichtlich hatte jemand aus der Konferenz geplaudert. Am nächsten Tag war die Schule halb leer: 450 bis 500 Schüler fehlten.

Elternbeiräte und einige Lehrkräfte machten am Donnerstag das Fehlen verlässlicher Informationen dafür verantwortlich, dass die Gerüchte überkochten. „Wie kann ich deeskalierend wirken, wenn ich nichts weiß?“, fragte eine Lehrerin. Noch am Abend des 22. September versuchte Elternbeiratsvorsitzende Sabine Fischer in einer Rundbrief-E-Mail die emotional aufgeladene Situation mit Sachlichkeit zu entspannen. Erst am nächsten Morgen standen erklärende Sätze auf der Schulhomepage.

Die Polizei hält sich in solchen Krisenfällen mit Informationen zurück, um unnötige Aufregung zu vermeiden. „Wenn die Gerüchte erst mal los sind, dann holt man sie nicht mehr ein“, sagte Kurt Siehl vom Polizeipräsidium Südosthessen. Er berichtete von zwölf bis 18 „Amok-Verdachtsfällen“ pro Jahr zwischen Schlüchtern und Egelsbach. Jedem Hinweis gehe man sofort mit großem Personaleinsatz nach, um Gefahrenabwehr und Strafverfolgung sicher zu stellen: „Manche Schule war schon überrascht von der Wucht der Ermittlungen.“ Kurt Siehl warb für Vertrauen in die Polizei: Falls eine Gefahr erkennbar sei, werde die Polizei geeignete Maßnahmen ergreifen.

Mit der Androhung einer Straftat sei nicht zu spaßen, betonte der Erste Polizeihauptkommissar. Das müsse einem Achtklässler klar sein. Der 14-Jährige muss nicht nur mit einer Anklage rechnen, sondern auch die Kosten des Polizeieinsatzes tragen.

Quelle: op-online.de

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