Für Giuseppe Cesarano ist Weihnachten noch nicht vorüber

Geschenke-Umtausch hält Paketboten auf Trab

+
Rund 200 Päckchen und Pakete bringt der Paketzusteller im Lauf eines Arbeitstages zu den Empfängern. In der Vorweihnachtszeit waren es täglich bis zu 300 Sendungen.

Rodgau - Für Giuseppe Cesarano ist Weihnachten immer noch nicht vorüber. Das spürt der Mann mit der rot-gelben DHL-Mütze am Stress, aber auch an den kleinen nachweihnachtlichen Gaben seiner Kunden. Cesarano ist in Jügesheim Paketzusteller der Post – und immer auf dem Sprung. „Jetzt ist noch Umtauschzeit“, erläutert der 43-Jährige die Vielzahl der Pakete in seinem Transporter und hastet zum nächsten Klingelknopf. Von Bernhard Pelka

„Hallo?“, meldet sich die Frauenstimme fragend an der Gegensprechanlage. „Die Post“, antwortet Cesarano. Hoch in den zweiten Stock. Und das mit einer schweren Kiste Katzenfutter. Aber die freundliche Frau an der Wohnungstür hält schon eine kleine Entschädigung bereit: einen Schoko-Nikolaus. „Fürs Hochschleppen.“ Rund 200 Pakete hat der schnelle Giuseppe täglich an Bord. Weihnachten waren es manchmal fast 300. In Jügesheim kurvt er durchs Industriegebiet, die Kurt-Schumacher-Straße, Lange Straße, Lessingstraße, Sommerfeldstraße und die Maler-Straßen Richtung Haingrabenbrücke. „Dienstag ist immer ein sehr starker Tag. Da hatten die Leute am Wochenende davor Zeit, zu bestellen.“

Transporter abstellen, runter vom Fahrersitz, rein in den Laderaum, Paket holen, aus dem Auto raus, Zentralverriegelung zu, zum Kunden laufen, klingeln, eine freundliche Begrüßung, den Ident-Code einscannen, Paket überreichen, eine Unterschrift – das war’s. Hundertfach am Tag dieselben Abläufe. „Ich könnte mir aber trotzdem keinen anderen Job vorstellen“, sagt der gebürtige Frankfurter überzeugt. Schon sein Vater Michele war bei der Post beschäftigt, Bruder Vincenzo ist es noch immer. Und Giuseppe ist jetzt auch schon 15 Jahre dabei – immer als Paketzusteller.

Der DHL-Mann liefert auch schon mal ein Paket auf der Straße aus. Kunden schätzen an ihm, dass er mitdenkt.

Bei den Kunden ist er beliebt. Das stellen unsere 90 Minuten mit ihm gleich mehrfach unter Beweis. Schon der erste Paketempfänger in der Kurt-Schumacher-Straße macht spontan Komplimente. „Auf den kann man sich verlassen.“ „Der darf hier aus Jügesheim nicht weg“, ergänzt die Frau des Hauses charmant. So geht das Haus für Haus munter weiter. Fast wie in einem DHL-Werbefilm: nur glückliche Kunden und obendrein ein glücklicher Arbeitnehmer. Einige Adressen weiter gibt es außer guten Worten sogar den ersten Espresso. Bei dem soll’s nicht bleiben. Schon auf dem Weg zum nächsten Kunden öffnet sich plötzlich ein Küchenfenster. „Der Kaffee ist fertig“, ruft der Hausherr. Cesarano muss ihm an diesem Tag zwar kein Päckchen ausliefern. Die wärmende Stärkung gibt es aber trotzdem. Die kann der flinke Italiener auch gebrauchen. Denn warm wird’s im Transporter nicht, weil er alle paar Meter anhalten muss.

Grund zum Klagen ist das für den Paketmann freilich nicht. „Ich habe in 15 Jahren noch nicht ein einziges Paket zurück zur Zustellbasis bringen müssen. Alles hab ich ausgeliefert“, sagt er stolz. Außerdem hatte er es beruflich schon mal noch schwerer. Als Karosseriebauer und -lackierer machten ihm die Dämpfe bei der Arbeit zu Schaffen. „Die Zeiten sind zum Glück vorbei.“ Sagt’s, schnappt sich ein neues Paket und eilt weiter. Im nächsten Haushalt ist niemand zuhause. Cesarano läuft deshalb zum Nachbarn und wird die Sendung dort spielend los. Seine nette Art kommt eben an – und damit die Pakete. Dem eigentlichen Empfänger wirft er eine Benachrichtigung in den Briefkasten, wo er seine Ware abholen kann. Manchmal haben Kunden mit DHL auch einen Ablageort für die Sendungen vereinbart. Dann entfällt die Mithilfe der Nachbarschaft.

„Der macht eine prima Arbeit und denkt mit“, lobt ein Kunde in der Lange Straße. „Wenn der einen auf der Straße im Auto sieht, macht er Lichthupe, hält an und liefert das Päckchen schnell aus.“

Die Kilometer, die Cesarano täglich zu Fuß abspult, hat er noch nie gezählt. „Aber es kommt schon was zusammen“, sagt er lachend und läuft im Eiltempo weiter zur nächsten Haustür. Die Regalfächer im Laderaum seines Transporters leeren sich allmählich. Links Pakete fürs Industriegebiet, rechts für Privatleute. Für dicke Brocken steht eine Sackkarre bereit. „Wir liefern heute ja alles aus: Essen, Instrumente, Tiernahrung, einfach alles.“

Dabei geht es stressig zu – wozu auch die Parkplatzsituation und enge Stichwege beitragen. „Ich hab’s aber noch gut“, sagt der DHL-Mann. Mit Kollegen in Frankfurt oder Offenbach möchte er nicht tauschen. Allein wegen des vielen Verkehrs und der Staus. Aber auch der Umgangston sei ein anderer. „In Jügesheim ist es aber prima.“

Neue Zustell-Formen: So landen Pakete beim Empfänger

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare