Geschichts- und Kulturverein Hainhausen lässt alten „Schlossplatz“ untersuchen

Burg mit zweitem Turm?

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Die Vergangenheit liegt dicht unter der Grasnarbe: Das Foto aus dem Sommer 2014 zeigt vorne einen Teil der Umfassungsmauer, die die Hainhäuser Burg im 12. Jahrhundert umgab. Der blaue Pfeil deutet die ungefähre Lage des „Schlossplatzes“ an.

Hainhausen - Drei Jahre nach der jüngsten Grabung will der Geschichts- und Kulturverein Hainhausen (GKH) nach weiteren Überresten der einstigen Wasserburg suchen. Für den Hochsommer plant er eine geoelektrische Untersuchung am sogenannten Schlossplatz. Von Ekkehard Wolf 

Der Schlossplatz ist etwa 80 Jahre von der Stelle entfernt, an der zwei Archäologinnen und ehrenamtliche Helfer in den Jahren 2012 bis 2014 einige Überbleibsel der mittelalterlichen Turmburg zutage förderten. Die Bezeichnung „Schlossplatz“ gab es in alten Landkarten, wie GKH-Vorsitzender Roland Schlitt berichtet. Gemeint war ein kreisförmiger Bereich südlich der Burgstraße, etwa dort, wo heute der aufgeschüttete Straßendamm in die Wiese übergeht.

Hat dort vielleicht einst ein zweiter Burgturm gestanden? Anhaltspunkte dafür hat Schlitt in der Literatur über die „Burg im Hain“ in Obertshausen entdeckt. Dort heißt es mehrfach, dass etwa 100 Meter entfernt ein zweiter Turm, eine Art Vorburg gestanden habe, „vergleichbar der in Hainhausen“.

Bei diesem Zitat wurden die Hainhäuser hellhörig. Der GKH will der Sache nun auf den Grund gehen. Dazu plant er erneut eine geoelektrische Untersuchung. Dabei werden Veränderungen im elektrischen Widerstand des Bodens gemessen. Eine erste Messung dieser Art durch Prospektor Martin Posselt aus Mühltal hatte im Jahr 2011 die Lage der Burgmauer angezeigt. Gute Ergebnisse bringt diese Methode allerdings nur bis zu einer Tiefe von einem Meter.

Die Lage des „Schlossplatzes“ und der ehemaligen Wasserburg (kleiner, dicker Kreis) zeigt diese Skizze von Egon Kottek, die wohl in den 1950er Jahren entstand. Sie wurde auch im Buch „900 Jahre Hainhausen“ (2008) veröffentlicht.

Eine Untersuchung sei immer besser als sich auf Vermutungen zu verlassen, betont Schlitt. Für die Messung am sogenannten Schlossplatz rechne der GKH mit Kosten von 2 000 bis 2 500 Euro. Der beste Zeitpunkt sei im Sommer nach der Heuernte, vorausgesetzt, der Prospektor habe einen Termin frei.
Der Beharrlichkeit des Geschichts- und Kulturvereins ist zu verdanken, dass an der Burg in der Rodau-Niederung überhaupt gegraben wurde. Erste Erkenntnisse publizierte Dagmar Kroemer von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach unter dem Titel „Die Burg von Rodgau-Hainhausen – auf Torf gebaut“ im Jahrbuch „Hessen-Archäologie“ 2013. Auf einen Bericht über die beiden weiteren Grabungsperioden wartet die Fachwelt noch, wie der GKH-Vorsitzende bestätigt.
Bei der ersten Grabung war ein 19 Meter langer Teil der Burgmauer freigelegt worden. Zudem fand sich der untere Querbalken (Schwellbalken) eines Fachwerkhauses. Ein Fachmann aus Neu-Isenburg datierte ihn auf das Jahr 1154. Der hohe Grundwasserstand hatte das Eichenholz über die Jahrhunderte hinweg konserviert.

In dem nur sieben mal drei Meter großen Grabungsfeld des Jahres 2013 fanden die Helfer eine große Menge an Scherben von Becherkacheln. Sie stammen von einem Kachelofen, der zum gehobenen Wohnstandard der Burg gehörte. Bereits im Jahr davor war ein Teil einer Butzenglasscheibe gefunden worden. Unter Essenresten und Abfällen befanden sich auch Hirschknochen – ein eindeutiger Hinweis auf Hochadel.

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Der Burg und ihren Bewohnern verdankt Hainhausen seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1108. Die Herren von Haginhusen (Hainhausen) bezeugten damals eine Schenkung des Erzbischofs von Mainz. Die einstigen Burgbewohner waren keine unbedeutenden Landadeligen. Im Gegenteil: Die Herren von Haginhusen übernahmen zwischen 1183 und 1190 die Burg Eppstein im Taunus, nannten sich fortan Eppsteiner und gelangten innerhalb kurzer Zeit zu großer Macht. Vier Eppsteiner waren zwischen 1200 und 1305 Erzbischöfe der mächtigen Diözese Mainz. Gleichzeitig waren sie Kurfürsten und Reichserzkanzler. Der Erste dieser Reihe, Siegfried II., wurde 1165 vermutlich in der Wasserburg geboren. Roland Schlitt: „Hainhausen hat damals Weltpolitik gemacht.“

Quelle: op-online.de

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