Gestecktes Ziel weit übertroffen

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Laufen, bis die Socken qualmen: Mehr als 400 Sportler nehmen Schmerzen in Kauf, um die Behindertenarbeit zu unterstützen.

Dudenhofen (eh) - Der 24-Stunden-Lauf „Gemeinsam mit Behinderten“ hat das Spenden-Ergebnis des vergangenen Jahres weit übertroffen. 130.500 Euro waren am Sonntag um 12 Uhr mittags in der Kasse.

Bereits am Samstag Abend hatte sich diese Entwicklung abgezeichnet. 20.000 Euro waren um 23 Uhr schon überschritten, vor allem dank vieler Kleinspenden. Die Dramaturgie des 24-Stunden-Laufs will es, dass die großen Beträge der Hauptsponsoren erst am Sonntagmorgen verbucht und verkündet werden. In der Schlussphase kommt es zu einem Wettrennen, bei dem sich die Spenden fast überschlagen. Allein von 10 bis 12 Uhr explodierte die Summe von 60.000 Euro auf mehr als das Doppelte.

Eine Parallele zur Euro-Einführung vor zehn Jahren zog Lothar Mark von „Gemeinsam mit Behinderten“: „Die Spender verhalten sich so, als käme eine Währungsumstellung.“ Die Abschaffung der Deutschen Mark hatte 2001 einen Rekord-Erlös von umgerechnet 175.000 Euro gebracht. Nicht nur bei den Spenden, sondern auch beim Umsatz an Speisen und Getränken brachte das Wochenende ein herausragendes Ergebnis für die gute Sache. Die Helfer horteten vorsichtshalber die abgegebenen Wertmarken, um sie ein zweites Mal verkaufen zu können.

Bilder des 24-Stunden-Laufs „Gemeinsam mit Behinderten“ 

24-Stunden-Lauf

„I Need A Dollar“ spielte die Gruppe „Doctor Blond“ zum Mitsingen. Im Infozelt wurden auch Euro-Scheine dankend angenommen, und das nicht zu knapp. Unermüdlich nannten die Stadionsprecher Matthias Ott und Günter Seebäck alle Spender, Beträge und vor allem die Mannschaften, denen diese Motivation zugedacht war.

Schon vor dem Startschuss waren 940 Euro in der Kasse: ein gutes Polster für den Anfang, das die Jungen und Mädchen beim Kindergartenlauf „erlaufen“ hatten. „Ihr seid unsere Zukunft“, rief Matthias Ott den rund 300 Kindern aus Jügesheim, Dudenhofen und Weiskirchen zu. Hinter dem Pulk der Kleinen joggten Grundschüler der Freiherr-vom-Stein-Schule in türkisfarbenen T-Shirts, die auch bei der Ehrenrunde am Sonntag für Farbtupfer sorgten.

8000 bis 10.000 Besucher verteilen sich nach Angaben der Veranstalter über die 24 Stunden. Jede Tageszeit hat ihr Publikum. Beim Start lässt sich die örtliche Prominenz sehen, am Nachmittag breiten Familien ihre Picknickdecken aus, am Abend findet die größte Stehparty Rodgaus (mit Cocktail-Lounge) statt. Und am Sonntagmorgen vor Ort zu sein, ist für viele ein Muss. Lothar Mark: „Die Priester predigen in der Kirche: Wart ihr schon dort? Da will ja niemand mit gesenktem Kopf dasitzen.“

Laufen als Meditation und Stimulans

So sehen Sieger aus: Die „ GOS-Busters“ der Stauffenberg-Schule.

Pünktlich um 12.00 Uhr gab Dr. Rüdiger Grube am Samstag den Startschuss zum 24-Stunden-Lauf. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG hatte im vergangenen Jahr wegen der Auseinandersetzungen um das Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ abgesagt. Jetzt holte er seinen Besuch nach und brachte eine Spende von 10.000 Euro mit. Er wolle die Bahn sympathischer und kundenfreundlicher machen, sagte Grube vor Journalisten. Zwei Beispiele: Seit 1. September könnten Behinderte mit Begleitperson bundesweit kostenlos Zug fahren; die nächste ICE-Generation ab dem Jahr 2015 werde an jedem Eingang eine Hebebühne enthalten. Wolfgang Basler von „Gemeinsam mit Behinderten“, der seit einem Unfall selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist, freute sich über diese Aussagen.

Bahn-Chef Grube „outete“ sich auch als passionierter Mittel- und Langstreckenläufer: „Ich laufe jeden Morgen zehn Kilometer.“ An den Wochenenden laufe er oft Marathon- und Halbmarathonstrecken. Das Laufen sei für ihn Meditation, Stimulans und eine Möglichkeit, die Gedanken aufzuräumen, sagte der Manager. Ob er vielleicht eine eigene Mannschaft für den 24-Stunden-Lauf aufbauen will? „Wenn Sie mich einladen, laufe ich.“

Für ein „Highlight“ im wörtlichen Sinn sorgte der Ballonclub Kinzig aus Langenselbold, der zwei Heißluftballons im Schein der Gasbrenner erglühen ließ.

Sogar eine ehemalige Weltrekordlerin war unter den Besuchern: Babs Will, die bei der Freien Musikschule Rodgau arbeitet, hatte mit einer Mannschaft vor rund drei Jahrzehnten den Weltrekord im 24-Stunden-Lauf geschafft.

Quelle: op-online.de

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