Die Gewänder wachsen mit den Kindern

+
Passt, wackelt und hat Luft - vor allem für die Winterjacke untendrunter. Die Weiskircher Sternsinger probierten am Samstag schon mal ihre Kostüme fürs Drei-Königs-Singen am 9. und 10. Januar an.

Weiskirchen (ass) ‐ Bald sind sie wieder unterwegs, die Sternsinger. Wenn es am 9. und 10. Januar an der Haustür klingelt, dann stehen mit großer Wahrscheinlichkeit die Heiligen drei Könige, verkleidete Kinder und Jugendliche mitsamt Gruppenleitern auf den Eingangsstufen.

Sie singen Lieder oder tragen Gedichte vor und sammeln Spenden für die armen Kinder dieser Welt. Alljährlich ziehen in Rodgau - wie überall in Deutschland - zahlreiche Sternsinger durch die Straßen, um diese alte kirchliche Tradition weiterzuleben. In Weiskirchen werden 31 Mädchen und Jungen in acht Gruppen von Haus zu Haus ziehen. Am Samstag haben sie sich zur Anprobe der Kostüme im Jugendraum der katholischen Kirche getroffen und fiebern dem für sie großen Ereignis nun umso mehr entgegen.

Wir haben unseren Urlaub extra so ausgerichtet, dass unsere Tochter Hannah wieder mitlaufen kann“, berichtet Heike Assion. Für alle Sternsinger aus Weiskirchen ist das Dreikönigs-Ereignis etwas ganz Besonderes. „Die Kinder freuen sich immer sehr darauf. Sie gehen bei jedem Wetter mehrere Stunden lang, egal wie nass oder kalt es ist“, loben die Betreuerinnen Gabriele Glaab und Birgit Sann ihre Schützlinge.

Sternsinger-Brauch nicht bei allen willkommen

Doch nicht allen Bürgern ist der Sternsinger-Brauch bekannt oder gar willkommen. „Viele freuen sich über uns, doch manche Menschen sind unfreundlich und abweisend, wenn wir klingeln“, schildert Stephanie Glaab Erfahrungen der letzten Jahre. So wurden die Kinder schon mit groben „Haut-ab!“-Worten vertrieben oder mussten sich Äußerungen wie: „Ist denn schon Fasching?“ oder „Halloween ist doch schon längst vorbei!“ anhören.

Dabei ist die Dreikönigs-Tradition sehr alt und wurde schon im 16. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Seit ihrer Wiederbelebung im Jahr 1959 hat sich das „Sternsingen“ zur größten Hilfsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. „Wir wollen Kindern helfen, damit sie besser leben können“, formuliert dies die neunjährige Franziska. Auch sie beteiligt sich gerne in der Sternsinger-Gruppe ihrer Pfarrgemeinde. Unter dem Motto „Kinder finden neue Wege“ gelangt der Erlös dieses Mal übrigens nach Senegal und wie immer auch als Unterstützung von Projekten in weitere bedürftige Länder.

Bei der Kommunionvorbereitung, also mit etwa neun Jahren, knüpfen die Kinder meist ihre ersten Kontakte zu den singenden Königen. Aber mitmachen kann jeder, egal welcher Konfession er ist oder aus welchem Ort er kommt. „Im letzten Jahr lief sogar eine Gruppe Marienschülerinnen aus Offenbach mit“, berichtet Betreuerin Elisabeth Kämmerer. Sie hat sämtliche Kostüme in verschiedenen Größen selbst genäht.

Viele bleiben bis ins junge Erwachsenenalter dabei

Die Gewänder wachsen mit den Kindern“, freut sie sich, denn viele Sternsinger bleiben bis ins junge Erwachsenenalter dabei. So zum Beispiel der 17-jährige Robin, der durch einen Freund zu den Sternsingern kam und mittlerweile schon alle Figuren von Caspar, Melchior bis Balthasar mehrmals verkörpert hat. „Den Melchior wollte oft keiner machen“, berichtet er, „wegen der dicken schwarzen Creme im Gesicht. Die finden manche eklig. Mir hat das nichts ausgemacht.“ Auch Stephanie Glaab ist schon lange dabei und hat als Kommunionkind angefangen. Heute ist sie 24 Jahre alt und leitet eigene Gruppen.

Die drei Buchstaben C + M + B, die die Kinder mit Kreide auf die Haustüre schreiben weisen nicht - wie oft vermutet - auf die Namen der drei Könige hin. Sie stehen vielmehr für die Segensbitte „Christus mansionem benedicat - Christus segne dieses Haus“. Es sind diese Segenswünsche, die die Kinder und Jugendlichen den Menschen überbringen, verbunden mit dem Wunsch, sich für andere Kinder einzusetzen.

Bald wird es also wieder an vielen Haustüren klingeln. Sind es die Sternsinger, so freuen sie sich darüber, freundlich empfangen zu werden! Und natürlich auch über Spenden.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare