Gießkanne für den Kunstrasen

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An den Nahtstellen werden die Bahnen miteinander verklebt. Wenn der Kunstrasen mit Sand und Gummigranulat gefüllt ist, werden die künstlichen Grashalme noch zwei Zentimeter herausragen.

Dudenhofen ‐ Es grünt so grün: Der neue Kunstrasenplatz des TSV Dudenhofen ist bald bespielbar. Arbeiter einer Fachfirma aus Bielefeld haben in den letzten beiden Tagen den künstlichen Rasen ausgerollt und verklebt. Bis zum Wochenende wollen sie fertig sein. Von Ekkehard Wolf

Dann muss noch das Alu-Geländer rund ums Spielfeld angebracht werden.

Wie Teppichboden werden die drei Meter breiten Bahnen auf der schwarzen Elastikschicht ausgerollt. Eine Art Traktor fährt dazu quer über den Platz. In Handarbeit ist das nicht zu machen: „Eine Rolle wiegt etwa 650 Kilo“, verrät Thomas Görke von der Sportplatzbaufirma Heiler. Die Rasen-Rollen stammen aus einer Fabrik für Bodenbeläge, die auch Laminat, Linoleum und Teppich produziert.

Auf einem 30 Zentimeter breiten Band werden die Bahnen zwar miteinander verklebt, aber nicht mit dem elastischen Untergrund. „Der Rasen liegt lose auf dem Boden“, so Thomas Görke, „theoretisch könnte man ihn an den vier Ecken hochheben.“ Aber das ist nur ein Gedankenspiel: In der Praxis würde dieses Vorhaben am Gewicht scheitern.

Ein großes Spielfeld und zwei Trainingsplätze für die Jugend

Ohnehin ist dieser Sportplatz eine gewichtige Sache. Allein die drei Zentimeter dicke Elastikschicht unter dem Rasenteppich wiegt 100 Tonnen, wie Heiner Hillesheim vom TSV-Vorstand weiß. Er ist einer der drei gleichberechtigten Vorsitzenden des Vereins. Unter der elastischen Schicht aus Gummigranulat und Polyurethan befinden sich noch 20 Zentimeter Schotter. „Da wurden 1600 Tonnen Schotter angeliefert“, berichtet Hillesheim nicht ohne Bewunderung.

Wozu braucht man Gießkannen bei einem Kunstrasen? Darüber rätselten gestern die Zaungäste am Spielfeldrand. Aus vollen Brauseköpfen bewässerten die Arbeiter die Nahtstellen zwischen den ausgerollten Kunstrasenbahnen. Wasser aktiviert den Klebstoff, der die „Teppichbahnen“ verbindet. „Der Klebstoff würde sich die Feuchtigkeit auch aus der Luft holen, aber so ist es sicherer“, erklärt Thomas Görke. Bei herbstlichen Temperaturen dauert es etwa eineinhalb Stunden, bis der Kleber fest wird. So lange kann man noch korrigieren.

Ein großes Spielfeld und zwei Trainingsplätze für die Jugend werden auf der grünen Fläche markiert. Die Mittellinie und die beiden Torlinien sind bereits ab Werk eingearbeitet. Auf den Kunstrasen gibt die Sportplatzfirma fünf Jahre Garantie. Wenn der Belag 15 Jahre halten soll, ist eine regelmäßige Pflege notwendig. Alle zwei Wochen muss der Rasen aufgebürstet werden. Einmal im Jahr erfolgt eine Grundreinigung, bei der das Füllmaterial aus Sand und Gummigranulat gesäubert wird.

Zwischen den grünen Quadraten auf der Spendenwand sind noch große weiße Flächen

Der Ersatz des kaputten Hartplatzes durch einen modernen Kunstrasen ist für den TSV Dudenhofen die größte Investition seiner Vereinsgeschichte: 550.000 Euro. Trotz hoher Zuschüsse der Stadt, des Landes und des Kreises muss der Verein eine sechsstelligen Summe aufbringen.

Einen Beitrag dazu bildet eine Spendenaktion, bei der man für zehn Euro die „Patenschaft“ für einen Quadratmeter Kunstrasen übernehmen kann. Die ersten 800 Quadratmeter gingen bereits bei der Sportplatzparty vor zweieinhalb Wochen weg. Aber zwischen den grünen Quadraten auf der Spendenwand sind noch große weiße Flächen. Der Kunstrasenplatz hat eine Spielfläche von 66 mal 100 Metern und zusätzlich zwei Meter Sicherheitsrand an allen Seiten. Hillesheim: „Das sind 7280 Quadratmeter, die wir verkaufen können.“ Bis zum Eröffnungsspiel im Frühjahr ist noch Gelegenheit, sich den einen oder anderen Quadratmeter zu sichern.

Quelle: op-online.de

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