Es ging mal wieder um die Wurst

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Reich gedeckt war der Tisch für Dietmar Laux, Georg Klock und Gerhard Buss (von links). Im Hintergrund: Werner Hetche, Ehrenobermeister der Innung Offenbach.

Jügesheim ‐ „Knackig, klares Schnittbild, gut gewürzt, fest im Biss“: So loben Fleischermeister die Würste ihrer Kollegen. Von Ekkehard Wolf

Neun Profis vom Fleischerverband Hessen prüften und verkosteten gestern in Jügesheim regionale Produkte von der Blutwurst bis zum Bierschinken. Reich gedeckte Tische erwarteten sie im evangelischen Gemeindehaus: 30 Betriebe der Fleischerinnungen Offenbach und Frankfurt hatten 90 Wurstproben zur Freiwilligen Selbstkontrolle angemeldet.

Jede Dreiergruppe an Prüfern musste 30 Sorten beurteilen. Da hieß es sparsam zubeißen, um auch auf das letzte Probierstückchen noch neugierig zu sein. Brötchen und Mineralwasser sollten die Geschmacksnerven zwischendurch beruhigen.

Herzhafter Biss ins Brötchen

Auch das Urteil der Kundinnen ist gefragt. Drei Mitglieder des Landfrauenvereins Dudenhofen und zwei Frauen aus Ober-Roden beschäftigten sich mit den gleichen Wurstsorten wie die Profis nebenan. „Wir müssen nicht knausern, da sparen wir das halbe Nachtessen“, sagte eine von ihnen und schnitt sich noch ein Stück Presskopf ab. Eine Tischnachbarin seufzte: „Noch zehn Sorten, dann schmecke ich nichts mehr.“ Ein herzhafter Biss ins Brötchen, und die Verkostung konnte weitergehen.

Die Fleischermeister an den anderen Tischen diskutierten unterdessen über den Geschmack warmer Weißwürste („zu viel Zitrone“) und die Frage, ob die Frankfurter Würstchen im Glas geräuchert oder mit flüssigem Rauch-Aroma versetzt sind. Einen Minuspunkt kassierte auch ein Fleischsalat: „Zu gurkig“, lautete das Urteil.

50 Euro pro Sorte

Bis zu 50 Punkte können die Prüfer in ihrem Fragebogen vergeben. 40 Punkte reichen für eine Qualitätsurkunde, mit der der Fleischerbetrieb ein Jahr lang werben darf. Aber die sensorische Prüfung ist nur ein Teil der Arbeit. Die Wurstproben werden auch noch von einem unabhängigen Labor analysiert. Die Freiwillige Selbstkontrolle des Fleischerverbandes Hessen ist damit die einige flächendeckende Qualitätsprüfung in Deutschland, in der alle eingereichten Produkte auch mikrobiologisch untersucht werden.

Die Betriebe lassen sich das 50 Euro pro Sorte kosten. „Wir können nur sehen, fühlen, riechen und schmecken“, erklärt Werner Hetche, der Ehrenobermeister der Fleischerinnung Offenbach: „Die Bakterien sehen wir nicht.“

Quelle: op-online.de

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