„Wer glauben Sie zu sein?“

Rodgau - Eine sehr emotionale Rede hielt Winno Sahm vom Bündnis 90/Die Grünen in der vergangenen Stadtverordnetenversammlung der Stadt Rodgau am 22. September 2009. Darin warf er Bürgermeister Alois Schwab den „Verlust jeglichen Realitätsbezugs“ und eine „peinliche Selbststilisierung zum Märtyrer“ vor. Lesen Sie hier die Rede im vollen Wortlaut.

„Sie haben sich entschieden, Herr Bürgermeister, die Stadtverordnetenversammlung erneut mit einem Antrag zu behelligen, der einzig dazu gut ist, ihre selbst verschuldete Isolation in der parlamentarischen Sphäre Rodgaus deutlich werden zu lassen. Aber wie soll es auch anders einem Mann gehen, der schreibt – oder schreiben lässt (ich zitiere mit Genehmigung der Frau Vorsitzenden):

‚Seit etwa drei Jahren versuchen einige Parteipolitiker, ihre Machtinteressen durchzusetzen. Sie sind an meiner festen Position gescheitert. Nach meiner Wiederwahl werden sie bei den anständigen Parlamentariern keinen Rückhalt mehr haben. (...) Wenn die Bürgerschaft Alois Schwab am 27. September wiederwählt – und die Chancen stehen gut – werden die gutwilligen, ehrlichen und honorigen Stadtverordneten (das ist die Mehrheit!) denen nicht mehr folgen, die im Hintergrund die Fäden ziehen.‘ 

„Anmaßung und Selbstüberschätzung“

Welcher Grad an Anmaßung und Selbstüberschätzung gehört dazu, zu meinen, das Verhältnis anderer zur eigenen Person sei eine Richtschnur, Gutwillige von Böswilligen, Ehrliche von Unehrlichen, Anständige von Unanständigen zu scheiden. Sie ersetzen politische Auseinandersetzung durch persönliche Herabwürdigung – und disqualifizieren damit doch nur einen: sich selbst. Wer glauben Sie zu sein, dass Sie sich als Charakterzensor über die Mitglieder dieses Stadtparlaments aufspielen? Wer glauben Sie zu sein, dass sie denjenigen, die Sie nicht für den besten Bürgermeister aller Zeiten halten, Gutwilligkeit, Ehrlichkeit, Anstand absprechen?

„Sie sind aber kein Märtyrer“

Ihre Basis in dieser Stadtverordnetenversammlung bemisst sich an der Zahl der Ja-Stimmen bei der jetzt folgenden Abstimmung über Ihren überflüssigen Antrag. Und das wird auch so bleiben. Ihre Behauptung einer künftigen Veränderung der Mehrheitsverhältnisse zu Ihren Gunsten ist entweder der plumpe Versuch, die Wählerinnen und Wähler zu täuschen – oder das bestürzende Anzeichen eines Verlusts jeglichen Realitätsbezugs. Wahrscheinlich werden Sie auch diese meine Äußerungen für Ihre peinliche Selbststilisierung zum Märtyrer nutzen. Sei’s drum. Sie sind aber kein Märtyrer. Sie sind nur der falsche Mann am falschen Platz.“

Quelle: op-online.de

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