Wasserburg in Hainhausen

Eichenholzpfahl aus 12. Jahrhundert entdeckt

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Aus dem Bodenprofil (Pfeil) lässt sich die Abfolge der unterschiedlichen Schichten ablesen. Quer durchs Bild zieht sich die ausgegrabene Mauer, rechts aus behauenen Quadern und links aus Bruchsteinen. Hölzerne Teile sind mit Folien abgedeckt, um sie feucht zu halten und zu konservieren.

Hainhausen (eh) - Die Grabung nach der Wasserburg hat eine überraschende Wendung genommen. Ein am Dienstag entdeckter Eichenholzpfahl stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.

Auch angesichts weiterer Funde besteht kaum noch ein Zweifel, dass die ausgegrabene Mauer zur Burg gehörte.

Ehrenamtliche Helfer hatten am Dienstag mit vereinten Kräften einen 1,90 Meter langen Holzpfahl aus der Erde gezogen. Er war so gut erhalten, dass zunächst niemand sein wahres Alter vermutete. Ein Fachmann aus Neu-Isenburg datierte den Pfahl auf das Jahr 1158. Dabei nutzte er die Methode der Dendrochronologie, bei der man aus der Abfolge unterschiedlich breiter Jahresringe auf das Alter schließen kann. Die Genauigkeit: plus/minus zwei Jahre.

Hainhausen: Teilerfolge bei Ausgrabungen

Die Ausgrabungen der Hainhausener Wasserburg sind im vollen Gange. Zwei Archäologen und viele weitere freiwillige Helfer beteiligen sich an dem Projekt. Mittelalterliche Funde weisen bereits auf ein „herrschaftliches Anwesen“ hin.

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Am Donnerstag und Freitag legten die Helfer viele weitere Holzteile frei. Direkt an der Mauer sind Pfähle in Vierer- oder Fünfergruppen angeordnet, zudem liegen Holzbalken quer unter den Steinen. Alle Holzproben stammen etwa aus dem gleichen Zeitraum. Das Alter der Hölzer passt nur ungefähr zu den bekannten Daten über die Herren von Haginhusen (Hainhausen). Sie wurden 1108 erstmals in einer Urkunde erwähnt; zwischen 1183 und 1190 übersiedelten sie auf die Burg Eppstein im Taunus.

„Irritierend, dass das Holz nicht älter ist“

Zwei „Berge“ an Erdaushub und eine Anzahl großer Steine kennzeichnen die Ausgrabungsstätte in der Rodau-Aue.

„Es ist irritierend, dass das Holz nicht älter ist“, sagt Dagmar Kroemer, eine der beiden Archäologinnen des Kreises Offenbach. Denkbar sei, dass die ausgegrabene Mauer nicht von der ursprünglichen Burg, sondern von einem Erweiterungsbau stamme. „Aber das wissen wir noch nicht.“ Weder Kroemer noch ihre Kollegin Gesine Weber wollen öffentlich spekulieren. Die beiden Fachfrauen gehen aber davon aus, dass sie tatsächlich auf Reste einer Burg gestoßen sind. Dafür sprechen etwa die Scherbe einer Butzenglasscheibe und die gefügte Mauer mit bossierten Buckelquadern. Kroemer: „Die einfachen Menschen haben damals in Fachwerkhütten gelebt.“

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Fortschritte an der Wasserburg

Der Geschichts- und Kulturverein Hainhausen will die Grabungsstätte nur mit einem Zaun sichern, um eine weitere Grabung zu ermöglichen. Vorsitzender Roland Schlitt: „Sie bleibt vorerst offen, solange es witterungsbedingt nicht notwendig ist, etwas zu schützen.“

Quelle: op-online.de

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