Gratulation erst im hohen Alter

Rodgau (eh) - Erst ab dem 90. Geburtstag sollen Altersjubilare künftig offizielle Besuche der Stadt Rodgau erhalten: zunächst alle fünf Jahre und ab dem 100. Geburtstag jährlich. Dies sieht die geänderte Ehrenordnung vor, die am 20. Juni im Stadtparlament zur Debatte steht.

Bisher sagte sich der Magistrat zum 80. Geburtstag erstmals zum Gratulationsbesuch an. Auch Glückwunschkarten will der Magistrat künftig seltener verschicken - nicht mehr ab dem 70., sondern ab dem 80. Geburtstag.

Der Magistrat zieht damit eine Konsequenz aus der gestiegenen Anzahl älterer Menschen und aus der höheren Lebenserwartung. Die Neuregelung entspreche etwa dem, was in Städten ähnlicher Größenordnung üblich sei. Die Ehrenordnung soll am 1. Juli in Kraft treten.

„Das ist eine schwere Entscheidung“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) gestern vor der Presse. „Ich bin mit bewusst, dass das kontrovers diskutiert werden wird.“ Dennoch führe an einer Änderung kein Weg vorbei. Die hohe Zahl der Glückwünsche sprenge den Terminkalender und die personellen Kapazitäten: „Es ist in der Masse einfach nicht mehr leistbar.“

In einem halben Jahr 381 Besuche

All ein im zweiten Halbjahr 2010 besuchten Magistratsmitglieder 381 Alters- oder Ehejubilare im Auftrag der Stadt - das sind durchschnittlich zwei Besuche pro Tag. Die Hälfte dieser Besuche, genau 191, nahm der Bürgermeister wahr. „Es ist schön, bei den Menschen zu sein“, betont Hoffmann, „aber es ist auch etwas, was einem ein schlechtes Gewissen macht, weil Arbeit liegen bleibt, die getan werden muss.“

Bei den Glückwunschkarten spricht sich die Mehrheit des Magistrats ebenfalls für eine Einschränkung aus. Bisher gab es ab dem 70. Geburtstag jährlich einen gedruckten Gruß. In Zahlen: Im ersten Halbjahr 2011 verschickt(e) die Stadt 2794 Glückwünsche. „Die kann man gar nicht mehr alle selbst unterschreiben“, bedauert Hoffmann.

„Etwas Schönes bieten“

Bisher verteilen haupt- und ehrenamtliche Magistratsmitglieder die Geburtstagsbesuche untereinander. Bei der Auswahl spielen oft Termin, Stadtteil oder persönliche Bekanntschaft eine Rolle. Die Jubilare werden zunächst gefragt, ob sie einen Besuch wünschen. Die Ehrenurkunde, die bei diesem Anlass überreicht wird, trägt neben der Unterschrift des Bürgermeisters auch den Namenszug dessen, der gratuliert: „um deutlich zu machen, dass er nicht nur ein Bote ist, sondern ein eigenständiges Magistratsmitglied“, so Hoffmann.

Auch bei Glückwünschen setzt der Verwaltungschef übrigens auf einen gewissen Standard. So übten die neuen Stadträte in der ersten Magistratssitzung nach der Wahl den Ablauf einer offiziellen Gratulation: „Wir wollen den Menschen ja auch etwas Schönes bieten.“

Dass diese Termine künftig seltener werden, sieht Jürgen Hoffmann nicht nur positiv: „Ich mache solche Besuche leidenschaftlich gern. Es nicht mehr zu tun, ist auch ein Verzicht: Eine realistische Einschätzung, was man leisten kann und was nicht.“

Quelle: op-online.de

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