100 Jahre Musikverein Nieder-Roden

Bigband der Bundeswehr liefert perfekte Show ab

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Musiker der Bundeswehr-Bigband glänzen immer wieder mit solistischen Qualitäten. Hier stehen alle vier Trompeter in der ersten Reihe: in einem speziellen Arrangement des „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo aus dem Jahr 1940.

Nieder-Roden - So ein großes Publikum hatte Bläsermusik in Rodgau schon lange nicht mehr: Die Bigband der Bundeswehr begeisterte am Dienstag rund 900 Zuhörer in der Sporthalle am Bürgerhaus Nieder-Roden. Von Ekkehard Wolf

Timor Oliver Chadik ist seit drei Jahren Bandleader.

Für Bandleader Timor Chadik war es ein Heimspiel: Als Kind und Jugendlicher lebte er in Nieder-Roden. Der Erlös des Benefizkonzerts ist für die Hospizstiftung bestimmt. „Wir machen Ihnen und uns ein Geschenk zum Jubiläum“, sagte Else Knaf vom Musikverein Nieder-Roden zur Begrüßung. Das war nicht zu viel versprochen, wie der begeisterte Applaus im Lauf des Abends zeigte.
Die Zuhörer erlebten 18 Profi-Musiker mit Solistenqualitäten in einem der bekanntesten Show- und Unterhaltungsorchester der Republik. Drei ausdrucksstarke Sängerinnen und Sänger überzeugten ebenfalls mit Können, Schwung und Ausstrahlung.

Das Repertoire des Abends enthielt viele bekannte Melodien. Zwischen „Sweet Georgia Brown“ und „My Way“, dem ersten und letzten Stück, erinnerte die Bigband an Bert Kaempfert, Burt Bacharach, Louis Armstrong, Roger Cicero und Whitney Houston. Fast alle Stücke und Medleys waren speziell für die Bigband der Bundeswehr arrangiert. Altsaxofonist André Cimiotti überzeugte mit einer eigenen Komposition, der anrührenden „Little Princess“, das er seiner Tochter widmete.

Auch fachlich versierte Zuhörer äußerten sich begeistert über die sichere Intonation, die rhythmische Präzision und die Virtuosität der Musiker. „Das war ganz nah an perfekt“, lobte Marleen Martiny, die Dirigentin des Nieder-Röder Konzertorchesters. Beeindruckt zeigte sie sich unter anderem davon, in welche Höhen die Bigband-Musiker ihre Instrumente trieben – Tonlagen, die für Laien oft unerreichbar sind.

Bandleader Timor Chadik machte auf der Bühne eine lässig-souveräne Figur, obwohl auch er mit hoher Präzision agierte. Dass er sich auf seine Mannschaft blind verlassen kann, wurde bei den Soloparts augenfällig: Chadik trat einfach beiseite und ließ die Musiker weiterspielen. Bei Einsätzen, Akzenten und Schlussakkorden folgten ihm die Musiker auf den Punkt.

Für viele Mitglieder des Musikvereins war es berührend, einen der Ihren als Leiter eines so renommierten Orchesters wiederzusehen. „Bei Timor im Flötenorchester habe ich angefangen“, erzählt eine Musikerin aus dem Konzertorchester stellvertretend für etliche Kollegen.

Eine Menge Arbeit steckte hinter dem Konzert. Die Sporthalle musste mit schwarzen Kunststoffbahnen ausgelegt werden; Bühnenteile und Stühle wurden aus allen Bürgerhäusern herbeigebracht. Acht Tonnen Bühnentechnik brachte die Bundeswehr selbst mit.

Ein Jahr dauerten die Vorbereitungen auf das Ereignis. Die letzte Überraschung kam am Montagabend, einen Tag vor dem Konzert. „Leider ist kurzfristig die Turnhalle geschrumpft“, formulierte Else Knaf charmant. Als freiwillige Helfer die ersten Stühle aufstellten, waren die Stuhlreihen kürzer als geplant. Durch einen Zahlendreher im Brandschutzgutachten war die Halle auf dem Papier zwei Meter breiter als in Wirklichkeit.

Bilder: Konzert der Bundeswehr-Bigband

52 Besucher mussten deshalb auf andere Plätze umgesetzt werden. „Manchmal passen Plan und Wirklichkeit einfach nicht zusammen“, entschuldigte sich der Musikverein auf einem Aushang am Eingang. Die Betroffenen fanden eine Blume auf ihrem Stuhl und erhielten in der Pause ein Freigetränk.

Gleich am nächsten Tag spielte die Bigband auf der Frankfurter Musikmesse, am Samstag ist sie für eine Gala in Berlin engagiert. Noch bis Mai tourt das Orchester durch die Säle der Republik, dann stehen Open-Air-Auftritte auf dem Programm. Die Bigband absolviert etwa 60 bis 70 Konzerte pro Jahr, wie Bandleader Timor Chadik sagt. Er spricht allerdings nicht von Auftritten, sondern von „Einsätzen“ – da hört man dann doch den Oberstleutnant heraus.

Quelle: op-online.de

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