Großmärkte dicht neben Wohngebiete?

Rodgau - (eh) Zur Ansiedlung großer Einzelhandelsgeschäfte hat Bürgermeister Alois Schwab jetzt die künftige Siedlungsfläche zwischen Jügesheim und Hainhausen ins Gespräch gebracht. Zwischen dem Alten Weg und der Südtrasse Hainhausen seien neben 30 Hektar Wohnbauland auch fünf bis zehn Hektar für großflächigen Einzelhandel möglich.

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Sprecher mehrerer Fraktionen im Stadtparlament stehen diesem Vorschlag skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Schwab stützt sich auf eine Empfehlung des Planungsverbandes und des Regierungspräsidiums Darmstadt. Diese hatten die Stadt darauf hingewiesen, dass großflächiger Einzelhandel in einem Gewerbegebiet nicht zulässig sei. Sie schlugen stattdessen die Fläche zwischen Jügesheim und Hainhausen vor, die im Regionalplan 2000 als „Siedlungsbereich Zuwachs“ ausgewiesen ist. Für den Bürgermeister ist das „Grund zur Freude“, wie er gestern per Pressemitteilung verkündete. Eine Ansiedlung großer Einkaufsmärkte im Westen von Jügesheim und Hainhausen bringe für Bürger und Stadt „ausschließlich Vorteile“.

Diese Euphorie wird im Stadtparlament nicht geteilt. „Grundsätzlich ist das eine von verschiedenen Möglichkeiten“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Clemens Jäger. Aus Sicht der Union gebe es in Rodgau bessere Standorte: „Ob man sich einen Gefallen tut, in diesem Bereich zur Wohnbebauung auch noch großflächigen Einzelhandel anzusiedeln, muss man in der Tat noch beraten.“

„So eine Idee mag man ja im Wahlkampf toll finden, aber realistisch ist sie nicht“, kritisiert Jürgen Kaiser (SPD). Ein Baugebiet zwischen Jügesheim und Hainhausen werde erst spruchreif, wenn die Rodgau-Ringstraße fertig gestellt sei, „sonst verstopfen wir Jügesheim mit Verkehr“. Kaisers Devise: „Was wir brauchen, ist großflächiger Einzelhandel in den nächsten Jahren und nicht erst am Sankt Nimmerleinstag.“

„Wir setzen den Bürgern doch keine Einkaufsmärkte vor die Vorgärten“, meint Heino Reckließ (FDP). Eine vernünftige städtebauliche Entwicklung des 40-Hektar-Gebiets dauere mindestens fünf Jahre: „Der Vorschlag ist heiße Luft und das weiß der Bürgermeister auch.“

Quelle: op-online.de

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