Großverein „mit Herz“ angestrebt

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Eine eindeutige Botschaft enthält das Gastgeschenk des LSB-Präsidenten Dr. Rolf Müller an die Vereinsvorsitzenden Prof. Jürgen Follmann und Erwin Kneißl.

Jügesheim (eh) ‐ Eine Lanze für die „Elefantenhochzeit“ der Jügesheimer Sportvereine brachen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion am Freitag in der Georg-Büchner-Schule. Eine Fusion setze die Zusammenarbeit fort und sichere die Entwicklung in der Zukunft, betonten Erwin Kneißl (TGM SV) und Prof. Jürgen Follmann (TGS) vor rund 90 Zuhörern. Auch Schulleiter Winfried Döring und der künftige Bürgermeister Jürgen Hoffmann nannten diesen Schritt sinnvoll.

„Die Vereine müssen ihre Kräfte bündeln, es geht gar nicht anders“, zeigte sich Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel überzeugt. Dabei gehe es auch um die Zukunft des Ehrenamts: Die ehrenamtlichen Vorstände von Sportvereinen seien auf die Unterstützung durch hauptamtliche Geschäftsführer angewiesen.

„Eine Fusion macht nur Sinn, wenn man die Mitglieder beider Vereine emotional mitnimmt“, betonte Dr. Rolf Müller als Präsident des Landesssportbundes (LSB). Drei Fragen seien zu klären: Was verändert sich für die Mitglieder? Welche Vorteile haben die Sportler? Wie wird der neue Verein gegenüber seinen Partnern auftreten?

Viele Facetten der Vereinsfusion beleuchteten (von links): Erwin Kneißl (TGM SV), Peter Dinkel (Sportkreis), Winfried Döring (Georg-Büchner-Schule), Bernhard Pelka (Offenbach-Post). Dr. Rolf Müller (Landessportbund), Jürgen Hoffmann (künftiger Bürgermeister), Malte Jörg Uffeln (Rechtsanwalt) und Prof. Jürgen Follmann (TGS).

„Es soll nichts Herzloses werden“, versprach Erwin Kneißl aus der Erfahrung mit der Fusion von TGM und SV: „Beide Vereine haben sich damals in die Hand versprochen, dass wir etwas Gemeinsames machen.“ Die Entwicklung gebe ihnen Recht: „Kein einzelner Verein hätte das schaffen können, was wir gemeinsam geschaffen haben.“
Das Thema „Vereinsfusion“ bewege auch Schüler, Lehrer und Eltern der Georg-Büchner-Schule, sagte Schulleiter Winfried Döring. Auf dem Weg zur Ganztagsschule sei die GBS auf einen starken Partner angewiesen. „Ich kann die Argumentation der Fusionsgegner aus emotionalen Gründen nachvollziehen“, gab Döring zu. Er selbst hatte früher als Fußballer miterlebt, dass sich Vereine zusammenschließen mussten, um ihren Fortbestand zu sichern.

Heide Klabers und Svenja Kolb von der TGS hängten die Argumente pro und contra Fusion an eine Pinnwand.

Juristisch berge eine Fusion keine unlösbaren Probleme, sagte Rechtsanwalt Malte Jörg Uffeln. Bei der Wahl des Vereinsnamens seien die Beteiligten frei. Das Vermögen werde zusammengelegt.
Ja zum Großverein sagte der künftige Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Er regte einen Vereinsnamen mit „Rodgau“ an: „Das wäre ein Signal für die Zukunft dieser Stadt.“ Dies bedeute aber nicht, dass sich andere Vereine nun auch zusammenschließen müssten: „Die Vielfalt ist es, die unsere Stadt so lebenswert macht.“

Vielfalt soll nach Ansicht der Vorstände auch den geplanten Großverein prägen. Unterschiedliche Spielarten des Karnevals werde es weiterhin geben, sagte Jürgen Follmann (TGS) auf die Frage eines Besuchers. Das sei nicht nur emotional eine Selbstverständlichkeit: „Es hätte keinen Sinn, erfolgreiche Sitzungen oder Maskenbälle aufzugeben.“ Im Sport, so Erwin Kneißl (TGM SV), strebe man ein Zusammenwachsen an. Zwischen den Fußballern gebe es gute Kontakte. Die Turner arbeiteten seit Jahren gut zusammen, „weil sich das Angebot ideal ergänzt“.

Ein solches Zusammenwachsen brauche Zeit, gab Jürgen Follmann zu: „Das es ist, was unsere Turner anstreben.“ Dennoch sei es sinnvoll, das Jahresende 2010 als „Leuchtturm“ anzupeilen: „Wenn das Ziel zu weit entfernt ist, wird erst gearbeitet, wenn man kurz davor steht.“

Wo steht der Jügesheimer Vereinssport in zehn Jahren? Dazu Follmann: „Der Großverein in zehn Jahren hat eine eigene Halle mit Sport- und Kulturangebot, er hat weiterhin seine Sportflächen und kann das alles finanzieren. Er hat eine Struktur, die Ehrenamtlichkeit durch Hauptamtliche unterstützt. Er sichert Kindern, Jugendlichen und Senioren Angebote in allen Sportarten und allen Leistungsklassen. Das ist ein großer Wunsch, aber das ist in zehn Jahren zu schaffen.“

Quelle: op-online.de

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